ATHEN (GRE)

 

Am Mittwoch Morgen erreichten wir gegen 8 Uhr unseren Liegeplatz Piraeus Passenger Terminal in der Hafenstadt Piraeus.
Von zu Hause aus hatten wir einen ganztägigen Ausflug in die griechische Hauptstadt Athen über's Internet gebucht, mit Besichtigung des Archäologischen Museum und der Akropolis sowie einem typisch griechischen Mittagessen und etwas Freizeit in der Altstadt Plaka. Doch daraus sollte dann doch nichts werden! Am Vortag, nach unserem Ausflug nach Ephesos, erreichte uns die Hiobsbotschaft. Unser gebuchter Ausflug fiel einem Streik der griechischen Beamten zum Opfer. Wie wir später erfuhren, haben diese aufgrund der miserablen wirtschaftlichen Situation im Lande bereits seit drei Monaten kein Gehalt mehr vom Staat erhalten und deshalb die Arbeit bis Mittag niedergelegt. Na ja! Dafür konnten selbst wir Touristen dann doch Verständnis aufbringen. So wurde unser geplanter Ganztagesausflug kurzfristig in einen Halbtagesausflug umgewandelt, der erst am späten Vormittag startete. Das brachte dann auch etwas Positives mit sich, denn wir konnten am Vortag an der Heavens Club Party in der Anytime-Disco teilnehmen und uns dennoch ordentlich ausschlafen.
So begann unser vom Schiff aus gebuchter, insgesamt 4,5 Stunden dauernder und € 45,-/Person kostender Ausflug mit der Bezeichnung "Athen & Akropolis" gegen 10:30 Uhr. Nach nur einer halben Stunde Busfahrt erreichten wir die griechische Metropole.

Gründungsmythos von Athen:

Der Sage nach buhlten die Göttin Athene und der Meeresgott Poseidon um die Gunst der Bewohner der damals noch namenlosen Stadt. Beide sollten den Einwohnern je ein Geschenk machen – wer der Stadt das schönste Geschenk machte, sollte zum Namenspatron auserkoren werden. Poseidon schenkte der Stadt einen Brunnen. Dieser spuckte jedoch nur Salzwasser. Athenes Geschenk war ein Olivenbaum. Dieser spendete Nahrung, Olivenöl und Holz. Somit gewann Athene das Duell, und die Stadt wurde folgerichtig nach ihr benannt. Mit diesem sagenhaften Gründungsmythos wollten die antiken Stadtväter schon damals ihren späteren Hang zum pragmatischen Handeln historisch begründen.

Geschichte von Athen:

Die Geschichte der Stadt Athen reicht etwa 7500 Jahre zurück, bis in die Jungsteinzeit. Um 1300 v. Chr. wurde auf der Akropolis ein mykenischer Palast errichtet. Die älteste Stadtanlage beschränkte sich auf die obere Fläche eines steilen, nur von Westen her zugänglichen Felshügels, der später als Burg (Akropolis) den militärischen und religiösen Mittelpunkt Athens bildete. Die Fläche wurde bereits sehr frühzeitig eingeebnet und mit einer starken Mauer umgeben, die mit neun hintereinander angeordneten Toren gesichert wurde (Enneapylai). Diese Anlage hieß nach den Pelasgern, denen man den Bau zuschrieb, Pelargikon. Innerhalb dieser Burg wohnten die alten Könige dieses Teils von Attika. Athen stand für seine Bewohner seit jeher unter dem besonderen Schutz des Zeus, dem ein früh erbauter Altar gewidmet war, sowie der stadtschützenden Athene (Athene Polias), der auch der älteste Tempel der Stadt, der Hekatompedos, geweiht war. Dem äußeren Stadttor gegenüber lag der älteste Markt der Stadt, die Agora.
Dem sagenhaften König Theseus wird zugeschrieben, die verschiedenen Teile der Landschaft Attika zu einer Polis vereinigt zu haben. Athen war fortan der Fläche nach der größte griechische Stadtstaat (vom Sonderfall Sparta abgesehen). Den Höhepunkt seines politischen und kulturellen Einflusses erreichte Athen als Attische Demokratie und Führungsmacht im attischen Seebund während des 5. und 4. Jahrhunderts v. Chr. (klassische Zeit). Auch als die Stadt 86 v. Chr. dem Römischen Reich einverleibt wurde, behielt sie ihren Status als intellektuelles Zentrum und erreichte den Höhepunkt ihrer urbanen Entwicklung im 2. Jahrhundert n. Chr. In der Reichskrise des 3. Jahrhunderts wurde Athen 267 von den germanischen Herulern erobert und gebrandschatzt, doch erholte sich die Stadt und blieb auch in der Spätantike bedeutend. Dies änderte sich erst nach dem Jahr 529 n. Chr., als die letzten Philosophenschulen auf Anweisung des oströmischen Kaisers Justinian I. geschlossen wurden. Die Einfälle der Slawen beendeten im späten 6. Jahrhundert dann die antike Phase der Stadtgeschichte; es folgte eine dunkle Zeit.
Erst im 9. Jahrhundert wurde die Stadt Bischofssitz mit dem Parthenon als Bischofskirche. Athen wurde im Vierten Kreuzzug (1204) nach der Einnahme Konstantinopels fränkisches Herzogtum, nach dem Einfall der Katalanischen Kompanie folgte die Herrschaft der Florentiner (1388 und 1402), der Türken (1392) und der Venezianer (1395). Nach dem Fall Konstantinopels 1453 wurde 1456 Athen von den Osmanen unter Sultan Mehmed II. erobert, der Parthenon wurde zur Moschee und das Erechtheion zum Harem. Die Stadt verlor nun immer weiter an Bedeutung. Aufgrund mehrerer Zerstörungen zwischen dem 17. Jahrhundert und dem 19. Jahrhundert sank die Stadt zu einem unbedeutenden Provinzort herab und hatte 1834, als sie zur Hauptstadt des neu gegründeten Griechischen Königreichs erhoben wurde, kaum mehr als 4.000 Einwohner. Durch den Freiheitskrieg war die Stadt, die zuvor noch rund die doppelte Bevölkerung hatte, weitgehend zerstört. Die türkische Garnison auf der Akropolis verließ die Stadt übrigens erst 1833, drei Jahre nach der offiziellen Unabhängigkeit Griechenlands.
Athen wuchs in den vergangenen 150 Jahren extrem schnell zu seiner jetzigen Größe heran. Während es 1832 bei der Gründung des modernen Griechenlands kaum 4000 Einwohner hatte, sind es heute im Großraum Athens etwa 4 Millionen Einwohner. Wichtige Eckdaten sind der Griechisch-Türkische Krieg von 1920/1921, als Griechenland im Vertrag von Lausanne das östliche Thrakien und die Provinz Smyrna (heute İzmir) an die Türkei abgeben musste. Über eine Million Griechen mussten daraufhin ihre Heimat verlassen. Viele fanden eine neue Heimat in Athen.
Am 21. April 1967 war Athen mit dem Auffahren von Panzern, der Verhängung eines Ausgehverbots und Massenverhaftungen Schauplatz des Staatsstreichs der Obristen, der den Beginn der siebenjährigen Griechischen Militärdiktatur markierte. In Athen manifestierte sich aber trotz aller Unterdrückungsmaßnahmen auch der Widerstand: So nahmen im November 1968 viele Tausende Athener an der Beerdigung von Georgios Papandreou teil. Am 17. November 1973 wurde der Aufstand am Polytechnikum blutig niedergeschlagen. Nach dem Zusammenbruch des Regimes landete in der Nacht zum 24. Juli 1974 Konstantinos Karamanlis in Athen, wurde von einer jubelnden Bevölkerung begrüßt und noch in der Nacht als Premierminister vereidigt.
Heute ist Athen kulturelles, historisches und wirtschaftliches Zentrum Griechenlands und gleichzeitig auch die bedeutendste Metropole Südosteuropas.
1985 wurde Athen erste Kulturhauptstadt Europas.

Unser erster Anlaufpunkt im Stadtzentrum war das Olympiastadion, auch Panatheinaikon bzw. Kallimarmaro genannt. Hier wurden 1896 die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit ausgetragen – komplett fertig gestellt wurde es jedoch erst 1906. Der Kaufmann Georges Averoff setzte, nachdem Athen als Spielstätte der modernen Olympischen Spiele auserwählt wurde, durch, dass das neue Stadion an der Stelle, an dem auch das Stadion aus dem Jahre 330 v. Chr., welches von Lycurgus errichtet wurde, ursprünglich stand, aufgebaut werden sollte. Er ließ das zerfallene und als Steinbruch dienende antike Olympiastadion in weißen Marmor sowie mit doppeltem Fassungsvermögen wiederauferstehen. In diesem neuen Olympiastadion wurden schließlich im Turnus von vier Jahren Sportwettkämpfe ausgetragen.
Das Stadion bietet Platz für rund 60.000 Zuschauer. Während der Olympischen Spiele im Jahre 2004 fungierte dieses historische Stadion als Zieleinlauf des Marathons. Das Panatheinaikon-Stadion ist auch heute noch der Ort, an dem in einer Zeremonie das antike Olympische Feuer dem Olympischen Organisationskomitee des jeweiligen Austragungslandes übergeben wird, des Weiteren dient es überwiegend den kulturellen, sportlichen sowie politischen Anlässen des Landes.
Für mich als ehemaligen Marathonläufer und "passiven Olympioniken" ein besonderer historischer Ort. Leider reichte es lediglich zu einem kurzen Fotostopp.

Gleich darauf folgte die kurze Busfahrt in Richtung Akropolis-Hügel. Hier begann die "Massenbesteigung" zu dieser besonderen historischen Sehenswürdigkeit bei sommerlich Temperaturen. Dieser Ansturm an Touristen entstand dadurch, dass die Pforten der Akropolis an diesem Mittwoch wegen des vormittäglichen Streiks der Beamten erst bei unserer Ankunft zu Mittag öffneten, und die AIDAdiva nicht als einziges Kreuzfahrtschiff im Hafen von Piraeus vor Anker lag (insgesamt 6 Schiffe). Oben angekommen, lohnte sich dann die Wartezeit am Eingang und der schweißtreibende Aufstieg. Der Anblick dieser gewaltigen Anlage im strahlenden Sonnenschein entschädigte für alles.

Auf einem flachen, 156 Meter hohen Felsen stehen die zwischen 467 v. Chr. und 406 v. Chr. erbauten Propyläen, das Erechtheion, der Niketempel und der Parthenon-Tempel.
Die Akropolis in Athen ist seit 1986 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Nach dem Sieg über die Perser wurde Athen als Vormacht des Attischen Seebundes ab 448 v. Chr. unter Perikles zum Zentrum der hellenischen Welt. Diese Macht und den damit verbundenen Reichtum wollte man auch durch Bauwerke demonstrieren, zumal die Perser bei ihrer Einnahme der Stadt 480 v. Chr. die Haupttempel der Akropolis aus archaischer Zeit zerstört hatten.
So wurde die Akropolis unter Perikles durch die Baumeister Iktinos, Mnesikles und Kallikrates unter der Leitung des genialen Bildhauers Phidias völlig neu gestaltet.
Der als Parthenon bekannte Athena-Tempel, der Haupttempel der Anlage mit dem Bildnis der Pallas Athena, wurde neu errichtet. abgehalten.
errichtet.
Das an der Nordseite des Hügels gelegene Erechtheion ist der zweitgrößte Tempel der Anlage. Es handelt sich um ein mehreren Göttern und mythischen Helden der Stadt geweihtes komplexes Bauwerk. Die Anlage verdankt ihren Namen dem mythischen König
Erechtheus, dessen Palast dort gestanden haben soll und der dort auch verehrt wurde. Unmittelbar westlich des Bauwerks stand der heilige Ölbaum, den Athene den Athenern geschenkt haben soll, die die Stadt daraufhin nach ihr benannten. Heute sieht man dort einen „Nachfolger“.
Der Niketempel liegt im Westen des Burghügels, südwestlich der Propyläen, und ist der kleinste und zierlichste Tempel der Anlage. Er wird Kallikrates zugeschrieben und wurde später als die übrige Anlage errichtet. Die Errichtung geschah nach der Regierung des Perikles und gegen dessen Wunsch. Geweiht ist er der Nike apteros, der „ungeflügelten“ Siegesgöttin.
Weitere Bauten kamen in römischer Zeit hinzu, darunter der Augustus und der Dea Roma geweihte Rundtempel östlich des Parthenons.
Im Mittelalter diente die Akropolis wieder als Festung. Unter den Byzantinern saß dort der Provinzgouverneur, während der Parthenon als Kirche der Jungfrau Maria die Athener Bischofskirche war. Diese Funktion erfüllte er auch nach der Eroberung durch die Kreuzfahrer im 13. Jahrhundert, nur unter katholischen Vorzeichen. In jener Zeit der „Frankenherrschaft“ dienten die Propyläen als Palast der Herzöge von Athen.
Nach der Eroberung durch die Osmanen 1456 wurde der Parthenon zur Moschee umfunktioniert und ein Minarett angebaut. In den Propyläen residierte zeitweise der Stadtkommandant; das Erechtheion, zuvor eine Kirche, diente als Harem. Bis weit ins 17. Jahrhundert waren die antiken Baudenkmäler weitgehend intakt, sieht man von Überbauungen ab (etwa dem Ausbau der Propyläen zur Bastion). Die Katastrophe für die Akropolis kam 1687 mit der Belagerung durch die Venezianer unter Morosini, der wider besseres Wissen um die Bedeutung der Bauten den Parthenon beschießen ließ. Die Explosion des dortigen türkischen Pulvermagazins beschädigte den Tempel schwer, ebenso umliegende Bauten. Bereits einige Jahre vorher war ein Pulvermagazin in den Propyläen vermutlich durch Blitzschlag explodiert.
Die Zerstörung vollendete schließlich der britische Botschafter in Konstantinopel Lord Elgin, als er ab 1801 einen Großteil des Skulpturenschmucks des Parthenon sowie eine Kore vom Erechtheion, Reliefs vom Niketempel und andere Teile nach London brachte.
Mit Erreichen der Unabhängigkeit Griechenlands wurde der Tempelberg zur archäologischen Stätte erklärt und alle Bauten, die nicht aus der Antike stammten, entfernt. Davon betroffen waren byzantinische, fränkische und osmanische Bauten, sowie die durch Gemälde bekannte Moschee im Parthenon (gebaut 1687). Heutzutage wird diese Maßnahme oft als Geschichtsbereinigung kritisiert.
Weitere Restaurierungen fanden nach dem 19. Jahrhundert vor allem in den 1930er-Jahren statt, wobei man in Unkenntnis der Folgen Eisenklammern verwendete, die anders als die antiken Klammern nicht vor Witterung geschützt waren. Die Korrosion schädigte den Marmor. Auch wurden Bauteile oft an der falschen Stelle eingesetzt. Um diese Fehler zu korrigieren, läuft seit den 1980er-Jahren ein neues, ehrgeiziges Restaurierungsprogramm. Fertiggestellt ist bislang nur das Erechtheion; der Niketempel befindet sich nach Sicherung der Fundamente im Wiederaufbau, während sich die Arbeiten an den Propyläen und am Parthenon noch hinziehen.

Nun hatten wir auch diesen zu den bedeutendsten Sehenswürdigkeiten Europas zählende Hügel mit seinen historischen Baudenkmälern mit eigenen Augen gesehen. Abgesehen vom geschichtlichen Anreiz der Akropolis bietet sich von hieraus ein herrlicher 360°-Blick auf ganz Athen.

Abschließend drehten wir noch eine Busrunde durch das Stadtzentrum, ehe es wieder retour Richtung Hafen von Piraeus ging.






 


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