EPHESOS (TUR)

 

Nach einem dreiviertel Tag auf Hoher See erreichten wir am Dienstag gegen 9 Uhr unseren Liegeplatz Port Alsancak / Berth 3* in Izmir.
Eine Stunde später begann unser vom Schiff aus gebuchter, 4 Stunden dauernder und € 50,-/Person kostender Ausflug mit der Bezeichnung "Prächtiges Ephesos".

Nach einer 75-minütigen Busfahrt erreichten wir beim Provinzstädtchen Selcuk, etwa 75 km südlich von Izmir gelegen, eine der weltweit berühmtesten griechisch-römischen Städte der Antike. Einst zählte Ephesos mit rund 200 000 Einwohnern zu den Metropolen des Römischen Reiches, heute ist sie Ausgrabungsstätte unter Aufsicht des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI).

In der Küstenebene des Kücük Menderes gelegen, besaß der Ort, der in der Antike schon eine Weltstadt war, bevor er zu einer herausragenden Metropole des römischen Reiches aufstieg, einen bedeutenden Hafen und gehörte zu den großen antiken Seehandelszentren; als eines der sieben Weltwunder zog der Tempel der Artemis schon zu Cäsars Zeiten viele Neugierige in die Stadt.
In der römischen Kaiserzeit (1. und 2. Jh. n. Chr.) wurde Ephesos Hauptstadt der Provinz Asia und war nach dem ägyptischen Alexandria die größte Stadt des Ostens (über 200 000 Einwohner).
Für das Christentum gewann die Stadt frühzeitig große Bedeutung. Paulus kam auf seiner zweiten Missionsreise hierher und wirkte drei Jahre (55 - 58 n. Chr.) in Ephesos.
Im Jahr 263 zerstörten die Goten die Stadt und das Artemiseion. Im Oströmischen Reich verlor Ephesos, hauptsächlich wohl durch die fortschreitende Versandung des Hafens, immer mehr an Bedeutung. 431 fand hier jedoch noch das dritte Ökumenische Konzil statt, das Maria zur Gottesgebärerin erklärte. Die letzten nach den Mongolenstürmen unter Timur-Leng erhaltenen Reste der Stadt fielen dann bei schweren Auseinandersetzungen zwischen den turkmenischen Fürsten und den Osmanen in Trümmer.

Wie das benachbarte Milet hatte auch das reiche und wohlhabende Ephesos gegen die Ablagerungen des Flusses zu kämpfen. Schon in römischer Zeit wurde die Verbindung des Hafenbeckens mit dem Meer nur über einen schmalen Kanal hergestellt. Zur Aufrechterhaltung einer Schifffahrtsstraße nach Ephesos hätte es großer Mühe bedurft, für die jedoch in den Wirren der spätrömischen Zeit und auch später in der byzantinischen und osmanischen Epoche keine Notwendigkeit bestand. Ephesos wurde verlassen und allmählich von Flussablagerungen zugedeckt. Was von den Ruinen noch über den Boden herausragte, wurde von den Bewohnern, die sich im nahen Selcuk um den Zitadellenhügel herum ansiedelten, als Baumaterial verwendet.
Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen Ausgrabungen, die das heute eindrucksvolle Ruinenfeld zu großen Teilen freilegten.

Als wir zu unserer eineinhalbstündigen Führung aufbrachen schlug das Wetter von strahlendem Sonnenschein auf kurze aber regelmäßige Regenschauer um. Auch das schlechter gewordene Wetter konnte nichts vom Reiz des gewaltig großen Ausgrabungsgeländes nehmen.
Einer der interessantesten und reizvollsten Bauwerke von Ephesos ist die Celsusbibliothek, die der römische Konsul Gaius Julius Aquila zum Andenken an seinen Vater, den Prokonsul Julius Celsus Ptolemaenus errichtete. Der ursprünglich ganz mit farbigem Marmor ausgekleidete Bibliothekssaal war in drei Stockwerke unterteilt. Unter der Apsis in einer Grabkammer steht der Sarkophag des Titus Julius Celsus Ptolemaenus.
Ein weiteres Highlight von Ephesos ist das unter Kaiser Claudius (41 - 54 n. Chr.) begonnene und unter Trajan (98 - 117) vollendete Große Theater, das vor allem durch seine beträchtlichen Abmessungen beeindruckt. Auf 3 x 22 Rängen, die durch zwölf Treppenaufgänge und im oberen Drittel durch weitere elf Zwischentreppen unterteilt waren, fanden rund 25 000 Zuschauer Platz.

 


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