ISTANBUL (TUR)

 

Nach unserem samstägigen Seetag erreichten wir Sonntag gegen 9 Uhr unseren Liegeplatz Karakoy Passenger Terminal in Istanbul.
Bereits eine halbe Stunde später begann unser vom Schiff aus gebuchter, insgesamt 7,5 Stunden dauernder und € 74/Person kostender Ausflug mit der Bezeichnung "Istanbuls Höhepunkte", der uns zu den touristischen Höhepunkten dieser auf zwei Kontinenten befindlichen Weltstadt führte.

Istanbul liegt malerisch auf Hügeln zu beiden Seiten der Mündung des Bosporus in das Marmarameer am Schnittpunkt des Landwegs vom Balkan nach Vorderasien und des Seewegs vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer. Dank dieser günstigen geografischen Lage mit dem Goldenen Horn, dem größten Hafen der Türkei, als vorzüglichem Naturhafen war Istanbul von jeher ein bedeutender Welthandelsplatz. Die bis zu ihrer Eroberung durch die Osmanen Konstantinopel genannte Stadt war bis 1923 Hauptstadt des Landes.
Mit zirka 15 Millionen Einwohnern und einem Bevölkerungszuwachs von jährlich 2,9% kämpft die Metropole, wie viele andere Großstädte in Entwicklungsländern, mit den Folgen einer extremen Landflucht der Provinzbevölkerung. Das enorme Wachstum der Stadt hat zu einer dramatischen Zuspitzung von Umweltproblemen aller Art geführt: Wasserknappheit, Lärm, täglicher Verkehrsinfarkt, massive Luft- und Gewässerverschmutzung und riesige Müllberge.

Die Stadt lässt sich in drei Bezirke gliedern: Alt-Istanbul, das sich von den Ufern des Goldenen Horns zum Marmarameer erstreckt und ein gleichseitiges Dreieck bildet; jenseits des Goldenen Horns Beyoglu, das mit Alt-Istanbul durch die Galatabrücke und die Atatürkbrücke verbunden ist; ferner auf asiatischem Boden die Vororte Üsküdar und Kadiköy bis nach Kartal. Prachtvoll ist das Gesamtbild der mit ihren Türmen und Palästen sowie den zahlreichen Kuppeln und Minaretten der Moscheen aus dem Wasser aufsteigenden Stadt.

Um 660 v. Chr. gründeten dorische Griechen aus der heutigen Serailspitze die Stadt Byzantion (Byzanz), die den Zugang zum Schwarzen Meer an der Einfahrt in den Bosporus beherrschte. Der römische Kaiser Septimius Severus eroberte Byzanz 196 n. Chr. Im Jahr 324 erklärte Konstantin I. die Stadt zum zweiten Rom und zur Hauptstadt des römischen Ostens. Nach der Reichsteilung von 395 wurde Konstantinopel Hauptstadt des Oströmischen Reiches. 1204 führte die Schwäche des Kaiserhauses zur Einnahme der Stadt durch die Kreuzfahrer und zur Gründung des abendländischen "lateinischen" Kaisertums. 1453 eroberte Mehmet II. die Stadt, die nun Haupstadt der Osmanen wurde.
Nach der Ausrufung der Türkischen Republik 1923 verlegt deren erster Präsident Mustafa Kemal Atatürck die Regierung nach Ankara.

Nach wenigen Minuten und der Überquerung der Galatabrücke erreichten wir in Alt-Istanbul unser erstes Besichtigungsziel, den Topkapi Sarayi (Kanonenpalast), ehemals Sitz der Sultane. Auf dem Hügel der einstigen Akropolis von Byzanz wurde der Palast bereits im 15. Jahrhundert angelegt. Die weitläufigen Gebäude inmitten öffentlicher Parkanlagen, die von zinnengekrönten und durch Türme verstärkten Mauern umschlossen sind, gliedern sich in eine Reihe von Außenbauten und in die Gebäude des Inneren Serails. Mehmet II. richtete hier 1468 einen Regierungshof ein, der von Süleyman dem Prächtigen zur Residenz erweitert wurde und bis zur Übersiedlung durch Abdul Mecid 1855 in den Dolmabahce-Palast den Sultanen als Wohnstätte diente.

Nur wenige Meter neben dem Haupteingang des Topkapi Sarayi gelegen, wartete unser zweiter Istanbul-Höhepunkt auf uns. Die Hagia Sophia ist die reifste Raumschöpfung byzantinischer Baukunst und das berühmteste Denkmal der Stadt sowie eine der bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Welt. Eine von Konstantin dem Großen im Jahr 326 der göttlichen Weisheit (Sophia) geweihte Basilika wurde nach zweimaliger Zerstörung 532-537 unter Justinian durch Anthemios aus Tralleis (Aydin) und Isodorus von Milet in ihrer heutigen vergrößerten Form wiedererrichtet. Zahlreiche Säulen aus Tempeln Kleinasiens, des Libanons, Griechenlands und Italiens wurden herbeigeschafft, und die edelsten Marmorsorten und Metalle kamen zur Verwendung, so dass der Kostenaufwand 360 Zentner Gold, die Zahl der Werkleute 10 000 betragen haben soll. Der rund 75 m lange und 70 m breite, von einer 58 m hohen Kuppel überragte Bau enthält unter anderem in der inneren Vorhalle wertvolle altchristliche Mosaiken, die erst seit 1931 größtenteils wieder freigelegt wurden.
Als christliche Kirche war sie 1000 Jahre das geistliche Zentrum des Byzantinischen Reiches; die Osmanen machten sie zur Hauptmoschee der Stadt am Goldenen Horn.
Seit 1935 ist die Hagia Sophia ein staatliches Museum.
Trotz der vielen baulichen Schäden überwiegt der gewaltige Eindruck sobald man im Inneren steht. Ein wirklich beeindruckender Bau mit interessanter Geschichte und zahlreichen Fotomotiven.

Nachdem wir unsere Mittagspause samt ausgiebigem Essen am Schiff verbracht haben, ging es per Bus Richtung Sultan-Ahmet-Moschee, besser bekannt unter der touristischen Bezeichnung "Blaue Moschee".
Sultan Ahmet I. ließ die Moschee mit sechs Minaretten, die zudem von einer mächtigen Hauptkuppel überragt wird (43 m Höhe, 23,5 m Durchmesser), von 1609-1616 erbauen. Man gelangt aus dem von kuppelgedeckten Säulenhallen umgebenen Vorhof mit einem prächtigen Marmorbrunnen in das Innere der Moschee (72 m x 64 m), das in seiner heiteren Raumgestaltung und Farbgebung eine der besten Schöpfungen der türkischen Baukunst ist. Das nach der Hagia Sophia bekannteste Bauwerk Istanbuls, wird im Nordwesten durch Türben und eine Koranschule, im Osten durch den zum Gesamtkomplex Ahmediye gehörenden Markt flankiert.
Diese einzigartige Moschee mit sechs Minaretten beeindruckt beim Betreten durch ihre Größe und Helligkeit, die durch die Farbgebung der ringsum angebrachten Kacheln resultiert.
Gleich unmittelbar hinter der "Blauen Moschee" schließt ein über 300 m langer Platz - der Atmeydani (Rossplatz) - an, der einen Teil des im Jahr 203 n. Chr. von Septimius Severus begonnenen, 330 von Konstantin vollendeten Hippodroms einnimmt. Der ehemalige Mittelpunkt byzantinischen Hof- und Volkslebens war Schauplatz glänzender Spiele, aber auch blutiger Parteikämpfe.
Auf unserem Spazierweg zum nächsten Besichtigungspunkt machten wir Fotostops beim Ägyptischen Obelisken, der einst aus Luxor seinen Weg hierher fand, und beim Kaiser-Wilhelm-Brunnen, auch Deutscher Brunnen genannt, den Kaiser Wilhelm II. 1898 stiftete.

Nur unweit des belebten Ayasofya Maydani, der einst der vornehmste Platz von Konstantinopel war, betraten wir die Yerebatan Zisterne (Versunkenes Schloss), die unter Kaiser Justinian erbaut wurde. Sie ist die bedeutendste der gedeckten Zisternen Istanbuls, ist 140 m lang, 70 m breit und hat in zwölf Reihen 336 Säulen.
Dem Besucher erschließt sich ein beeindruckendes unterirdisches Labyrinth aus unter Wasser stehenden Säulen in schwachem Licht der Scheinwerfer.

Am Ende unseres Tagesausflugs durch Istanbul nutzten wir die zur Verfügung stehende Zeit für einen kurzen Spaziergang über die von Fischern gesäumte Galatabrücke zurück Richtung AIDAdiva.

Am Montag Vormittag verzichteten wir dann zum Zwecke der Erholung vom Schiff zu gehen, so dass wir bei unserem ersten Besuch in Istanbul lediglich die Hauptsehenswürdigkeiten der Stadt kennenlernen durften. Der asiatische Teil Istanbuls blieb uns somit völlig verwehrt, ein guter Grund um bald Mal wieder diese einzigartige Stadt auf zwei Kontinenten zu besuchen.

Genau eine Woche nach unserem Istanbul-Besuch ereignete sich auf dem Taksim-Platz, nur unweit unserer Schiffsanlegestelle, ein Selbstmordattentat. Mindestens 22 Menschen wurden dabei verletzt. Damit war es der schwerste Anschlag in Istanbul seit sieben Jahren.

 


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