Äthiopien (15.2.2020-2.3.2020)

 

 

 

 

Reiseroute

  • 15.2.20: Anreise von Wien nach Addis Abeba
  • 16.2.20: Addis Abeba
  • 17.2.20: Flug von Addis Abeba nach Bahir Dar - Tisissat-Wasserfälle (Nil-Fälle) - Bootsfahrt Tanasee - Zege Halbinsel (Ura Kidane Mihret Kloster) - Bahir Dar
  • 18.2.20: Bahir Dar - "Gottes Finger" - Gondar
  • 19.2.20: Gondar - Felasha Dorf - Simien Nationalpark - Debark
  • 20.2.20: Debark - Limalimo-Pass - Adi Arkay - Shire - Aksum
  • 21.2.20: Aksum
  • 22.2.20: Aksum - Flug nach Lalibela
  • 23.2.20: Lalibela - Asheten Mariam Kirche
  • 24.2.20: Lalibela - Flug nach Addis Abeba - Langano See
  • 25.2.20: Langano See - Sodo - Dorze Dorf - Arba Minch
  • 26.2.20: Arba Minch - Konso Dorf - Jinka
  • 27.2.20: Jinka - Mago Nationalpark - Mursi Dorf - Jinka - Key Afar - Demeka - Turmi
  • 28.2.20: Turmi - Omorate - Dassanech Dorf - Turmi - Hamar Dorf - Turmi
  • 29.2.20: Turmi - Konso - Chamosee - Arba Minch
  • 1.3.20: Arba Minch - Flug nach Addis Abeba
  • 2.3.20: Rückflug von Addis Abeba nach Wien

 

 

Fotogalerien

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ADDIS ABEBA
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AKSUM
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VOLK DER "MURSI"
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TISISSAT WASSERFÄLLE
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LALIBELA
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VOLK DER "DASSANECH"
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TANASEE
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ASHETEN MARIAM KIRCHE
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VOLK DER "HAMAR"
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GONDAR
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VOLK DER "DORZE"
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CHAMOSEE
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SIMIEN NATIONALPARK
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VOLK DER "KONSO"
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LAND & LEUTE
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Rundreise durch Äthiopien

 

URLAUBSPLANUNG


Nachdem wir mit Sepp Kaiser als Reiseleiter im Juni 2019 in Peru unterwegs waren, durchstöberten wir im Sommer seine Homepage (www.seppkaiser.at) nach weiteren Reisen. Dabei stießen wir auf die Äthiopien-Rundreise im kommenden Februar. Da uns ein Reisefreund bereits die Jahre zuvor immer wieder zu einer Reise in das Land am Afrikanischen Horn überreden wollte, entschlossen wir uns Anfang September die Reise zu buchen.
Im folgenden halben Jahr hörten wir immer wieder, wie Reisebekanntschaften von Äthiopien schwärmten. Selbst beschäftigten wir uns im Vorfeld der Reise sehr wenig mit dem für uns völlig fremden und unbekannten Land , so dass wir unvoreingenommen in das Abenteuer Äthiopien starten konnten.

 

ANREISETAG - Samstag 15.2.20


Das Abenteuer Äthiopien beginnt für uns um 18:30 Uhr. Vor der Haustüre werden wir von Franz und Mutter/Schwiegermutter Anni abgeholt. Kurz vor Guntramsdorf die erste Überraschung. Ein Unfall und sich anbahnender Stau werden auf den Autobahnüberkopf-Anzeigern angekündigt. Wir nehmen sicherheitshalber die Ausfahrt "Wr. Neudorf - IZ Süd". Bei Achau der nächste Schock. Die Zufahrt nach Schwechat ist gesperrt. Wir müssen auf die "S1". Danach geht es aber zügig bis zum Abflugterminal, wo wir um 19:30 Uhr ankommen. Der Flughafen wirkt heute relativ unbelebt. Sehr angenehm! Wir checken am Flugschalter von Ethiopian Airlines ein, und treffen hier auch Reiseleiter Sepp Kaiser. Danach gibt's die obligatorische Jause vor dem Abflug. Nach der gemütlichen Passkontrolle die lange Warteschlange beim Sicherheitscheck am Gate. Die Auswirkungen des Corona-Virus sind auch im Flugzeug zu bemerken. So tragen die Stewardessen Mundmasken.
Um 22:45 Uhr, mit 25 Minuten Verspätung, starten wir von Wien/Schwechat nach Addis Abeba. Ein sehr unruhiger Flug mit lediglich zweieinhalb Stunden Halbschlaf steht uns bevor.

 

1. Rundreisetag - Sonntag 16.2.20


Um 6:25 Uhr (MEZ +2) landen wir schließlich in Addis Abeba. Gleich nach der Ankunft im Flughafen-Terminal wartet ein Empfangskomitee mit weißen Mäntel auf uns. Grund auch hierfür das weltweit kursierende Corona-Virus.
Nach einem Irrweg über den Transitterminal erreichen wir schließlich doch noch die Visa-Schalter. Da wir unsere Visa bereits über das Internet beantragt haben, funktioniert die Abfertigung reibungslos und schnell.
Um 8 Uhr verlassen wir den Flughafen zum Hotel Jupiter Bole. Dort hinterlassen wir lediglich das Gepäck und trinken einen Schluck Fruchtsaft als Willkommensdrink. Danach fahren wir zum Hotel Venetian, wo es Buffetfrühstück gibt und gleichzeitig beim Agenturchef Geld gewechselt wird.
Um 10 Uhr beginnen wir schließlich mit der Stadtbesichtigung von Addis Abeba. Zuerst besuchen wir die Dreifaltigkeitskirche. So wie in allen Äthiopisch-Orthodoxen Kirchen muss man die Schuhe beim Betreten ausziehen. Frauen müssen ein Kopftuch tragen.
Der durch Kaiser Menelik II. 1887 als Klosterkirche der Dreifaltigkeit gegründete kreisrunde Vorgängerbau wurde am 22. Dezember 1931 nach einem europäischen Entwurf zu einer Kathedrale ausgebaut, jedoch befinden sich im Inneren Wandmalereien und Glasfenster im typisch äthiopischen Stil. Das 1943 vollendete Bauwerk gilt als die größte und prächtigste aller modernen Kirchen Äthiopiens und ist aufwändig mit Schnitzereien, Mosaiken, Glasmalereien von Heiligen und Aposteln sowie anderen Kunstwerken verziert.
Nach der intensiven Innen- und Außenbesichtigung wechseln wir ins Ethnologische Museum. Hier kann man in einem sehr einfachen Museum die Geschichte und vor allem die Vielschichtigkeit der unterschiedlichen Volksstämme verfolgen.
Es befindet sich im Hauptgebäude der Universität von Addis Abeba bzw. im Gannata Le'ul Palast, in dem einst Kaiser Haile Selassie I. residierte. Wir können mehrere (Einrichtungs-) Gegenstände sowie das aus heutiger Sicht schlicht eingerichtete Bad und Schlafzimmer von Kaiser Haile Selassie besichtigen.
Inzwischen macht sich die schlaflose Nacht im Flugzeug bemerkbar.
Ein Museum steht allerdings noch auf dem Programm - das Nationalmuseum Äthiopiens. Es enthält viele wertvolle lokale archäologische Funde wie die versteinerten Überreste früher Hominiden, von denen die berühmteste "Lucy" ist, das Teilskelett eines Exemplars von Australopithecus afarensis.
Im Anschluss geht es ins Restaurant "Lucy", wo wir im Gastgarten Pizza als auch Fish & Chips konsumieren. Ein erstes einheimisches Bier darf natürlich auch nicht fehlen.
Danach fahren wir ins Hotel Jupiter Bole, wo wir sogleich einchecken. Völlig erschöpft von Anreise und Besichtigungen erledigen wir noch die üblichen Vorbereitungen für den kommenden Reisetag. Denn dieser beginnt bereits um 4 Uhr Morgens.

 

2. Rundreisetag - Montag 17.2.20


4 Uhr Tagwache! Zum Glück sind wir am Vorabend zeitig ins Bett gekommen. Bereits um 4:30 Uhr sitzen wir beim Frühstück, welches überraschenderweise umfangreich ausfällt.
Mit den beiden Kleinbussen fahren wir um 5:20 Uhr zum Flughafen von Addis Abeba, wo wir 10 Minuten später ankommen. Den Gruppen-Check-In erledigt Reiseleiter Amanuel. Zwei Sicherheitskontrollen und eine kurze Busfahrt auf dem Rollfeld später erreichen wir die Propellermaschine Bombardier Q400. Um 7:30 Uhr starten wir von der äthiopischen Hauptstadt zur ersten Etappe nach Bahir Dar in den Norden. Wir bekommen Biscuits, Kaffee und Saft, und landen nach nur 40 Minuten Flug um 8 Uhr morgens.
Direkt vom Flughafen starten wir mit zwei Kleinbussen in den Besichtigungstag. Die Strecke nach Tis Abay ist abenteuerlich. Zuerst führt die Fahrt entlang einer zweispurigen asphaltierten Straße, ehe ein Abzweiger auf eine Piste führt, die üblicherweise nur von Geländefahrzeugen befahren werden kann. Nach knapp 90 Minuten erreichen wir den Ausgangspunkt für die Rundwanderung zu den Tisissat-Wasserfällen - den Wasserfällen des Blauen Nil.
Alexandra, die sich auf dem äußerst steinigen Terrain unwohl fühlt, bekommt mit Samuel einen Gehilfen gestellt, der sie sicher zu den Wasserfällen führt. Durch die Trockenzeit bedingt fallen die Nil-Fälle mit nicht all zu viel Wasser 42 m in die Tiefe. Mit einer Breite von über 400 m während der Regenzeit sind sie die zweitgrößten Wasserfälle Afrikas. Die Gischt bildet einen wunderbaren Regenbogen. Ein Fotomotiv der Superlative, und das bei ca. 30 Grad. Nach eindreiviertel Stunden erreichen wir den Ausgangspunkt der Wanderung.
Zurück nach Bahir Dar gelangen wir über die gleiche rumpelige Straße.
Direkt am Tanasee, dem höchstgelegenen See Afrikas (1786 m) und größten See Äthiopiens nehmen wir im Lake Shore Resort unser Mittagessen zu uns. Alexandra Spaghetti mit Tomatensauce und ich gedünsteten Fisch.
Auch der Nachmittag steht ganz im Zeichen des Element Wasser. Auf dem Tanasee schippern wir mit einem Ausflugsboot zur Halbinsel Zege. Der See ist ca. 70 km lang und bis zu 65 km breit und hat eine Fläche von mehr als 3000 km². Seine Tiefe beträgt im Durchschnitt 8 m, maximal nur etwa 14 m.
Gegen 15:15 Uhr erreichen wir diese. Wir besteigen den Hügel, um zur Klosterkirche Ura Kidane Mehret zu gelangen.
Das Kloster Ura Kidane Mehret wurde im 14. Jhdt. vom Heiligen Betre Mariyam gegründet, obwohl die heutige kreisförmige Kirche aus dem 16. Jhdt. stammt. Sein Inneres ist mit zahlreichen Wandgemälden geschmückt, die vor 100 bis 250 Jahren gemalt wurden.
Spannende Geschichten des Äthiopisch-Orthodoxen Glaubens werden uns von Reiseleiter Amanuel Nahe gebracht.
Nach der Besichtigung geht es vorbei an unzähligen Verkaufsständen retour zum Anleger. Vor der Rückfahrt wohnen wir noch einer Kaffeezeremonie mit Blick auf den Tanasee bei.
Auf dem Rückweg erreichen wir zuerst die Mündung des Blauen Nil in den Tanasee, ehe wir noch einige Flusspferde aus der Distanz begegnen.
Zurück in Bahir Dar haben wir nur noch wenige Minuten bis zum Hotel Avanti Blue Nil. Dort dann eine Überraschung. Schwer bewaffnetes Militär bewacht die Hotelanlage direkt am Tanasee. Wie sich schon bald herausstelklt, ist eine hohe Politikerabordnung des Nachbarlandes Sudan wegen der Besprechung bezüglich eines Wasserkraftwerkes am Nil geladen. Laute Live-Musik begleitet uns den ganzen Abend bis 22 Uhr. Wir nutzen den Abend und genehmigen uns für insgesamt € 2,- jeweils ein Getränk an der Bar, ehe wir uns um 21 Uhr aufs Zimmer zurück ziehen. Ja das Leben in Äthiopien ist für uns Europäer sehr günstig.

 

3. Rundreisetag - Dienstag 18.2.20


Um 8 Uhr verlassen wir das Avanti Blue Nil Hotel in Bahir Dar und begeben uns auf die 180 km lange Fahrt in den Norden nach Gondar.
Nach einer Stunde verkosten wir bei einer Großfamilie des Amharen-Volkes das typische Sauerteig-Fladenbrot "Injera". Der säuerliche Geschmack ist für die meisten Europäer gewöhnungsbedürftig. So auch für uns. Auch wir werden hier von den Familienmitgliedern als Attraktion angesehen.
Ein paar Kilometer weiter erreichen wir eine Felsnadel mitten in der Landschaft, den sogenannten "Finger Gottes". Für mich hat es den Anschein, als würde uns Gott den Mittelfinger entgegen strecken. Ein kurzer Spaziergang mit Brunnenbesichtigung und Kaffeepause folgt. Die Brunnen der jeweiligen Orte sind nur zwei Mal täglich für je zwei Stunden für die Menschen geöffnet.
Die nächste Fotopause machen wir bei einem Anbaugebiet von "Kath", der Alltagsdroge in Äthiopien. Hier sind die Jugendlichen besonders lästig.
Um 13:10 Uhr erreichen wir das Zobel Resort in Gondar. Eine kurze Mittagsrast mit Tomaten-Lauch Suppe und einem kühlen Bier darf nicht fehlen.
Um 14:40 Uhr starten wir zur Stadtbesichtigung von Gondar, der Heimatstadt unseres Reiseleiters Amanuel. Erster Besichtigungspunkt ist der Palastbezirk Fasil Ghebbi. Ein Komplex mehrerer Gebäude. Wunderschöne Fotos bei tollem Wetter sind garantiert.
Nach 80 Minuten fahren wir weiter zur Kirche Debre Berhan Selassie (Dreifaltigkeitskirche). So wie tags zuvor erwarten uns auch hier im Inneren des Gotteshauses beeindruckende Wandmalereien. Höhepunkt ist allerdings die mit hunderten Engelsköpfen bemalte Holzdecke.
Letzter Programmpunkt des Tages ist der Rundgang beim Wasserschloss des Fasiledes, das wunderschön in einem Park eingebettet liegt. Die umliegenden Mauern werden teilweise von den Baumwurzeln vereinnahmt, was sehr stark an Angkor in Kambodscha erinnert.
Kurz vor 18 Uhr erreichen wir wieder unser Hotel auf einer Anhöhe über der Stadt gelegen. Eine Stunde Zeit zum Frisch machen, ehe das Abendessen im Hotelrestaurant in Buffetform auf uns wartet. Dieses ist durchaus von guter Qualität, auch wenn die Auswahl nicht riesig ist. Man sollte dabei aber immer den Fokus darauf legen, wir Arm das Land und seine Bevölkerung ist.

 

4. Rundreisetag - Mittwoch 19.2.20


Nach einer Nacht mit leichten Verdauungsproblemen, verlassen wir um 8 Uhr unser Hotel Zobel Resort in Gondar und fahren in die Simien-Berge.
10 Minuten nach Abfahrt halten wir in einem Felasha-Dorf, wo einige wenige "Schwarze Juden" ihre Handwerkskunst ausüben und verkaufen. So wird geschmiedet und Tongefäße hergestellt.
Anschließend fahren wir in Richtung Debark. Nach zwei Fotostops erreichen wir das Ras Dejen Hotel in Debark, wo wir die Koffer deponieren und einen schnellen Kaffee konsumieren.
Danach geht's zum UNESCO-Weltnaturerbe Simien Nationalpark. Der 179 km² große Nationalpark befindet sich im Norden von Äthiopien. Er ist vor allem der eindrucksvollen Berglandschaft wegen bekannt. Der Park umfasst Höhenlagen von 1900 bis über 4500 m.
In der Kleinstadt Debark müssen wir noch den Eintritt für den Nationalpark bezahlen. Zusätzlich bekommen wir pro Bus zwei Begleiter mit Schrotflinten und Maschinenpistolen im Pensionsalter gestellt. Wir fahren die Schotterpiste bis kurz nach der Simien Lodge auf 3260 m Meereshöhe. Der höchste Punkt unserer Reise. Gleich nebenan, auf einer riesigen freien Fläche, hält sich eine Herde der hier endemischen Blutbrustpaviane (Dscheladas) mit einigen hundert Tieren auf. Das auffälligste Merkmal der Dscheladas ist ein roter, haarloser Fleck auf der Brust. Dieser ist bei Männchen sanduhrförmig und in der Brunftzeit leuchtend rot. Dscheladas erreichen eine Kopfrumpflänge von 50 bis 75 cm. Mit einem Gewicht von bis zu 21 kg sind die Männchen um einiges größer als die Weibchen, die nur rund 14 kg erreichen, darüber hinaus tragen die Männchen eine eindrucksvolle Mähne.
Die Primaten sind dermaßen mit dem Fressen beschäftigt, dass sie uns praktisch nicht wahr nehmen und bis auf wenige Zentimeter problemlos an sich heran lassen. Ein atemberaubendes Erlebnis, vor allem auch wegen der vielen Jungtiere. Nach einiger Zeit mit den Pavianen begeben wir uns auf eine Wanderung mit herrlichen Ausblicken auf die Landschaft ringsum. Es geht einige Male bergauf und bergab, immer mit fantastischen Ausblicken bei angenehmen Temperaturen von 20-25 Grad und leichter Bewölkung. Im Anschluss treffen wir uns nochmals mit den Blutbrustpavianen, ehe wir wenige hundert Meter weiter zur Simien Lodge fahren. Während wir an der Bar sitzen beginnt es leicht zu regnen. Zu mehr als einem Aufspritzen der Schotterpiste reicht es allerdings nicht.
Eine halbe Stunde später erreichen wir unser Hotel in Debark, wo wir die Zimmer beziehen. Allerdings vorerst ohne Strom. Dieser soll wieder ab 18 Uhr vorhanden sein. Nicht der einzige Stromausfall auf dieser Reise. Wir nutzen die Zeit für eine Erfrischung an der Bar. Erst gegen 18:30 Uhr funktioniert das Licht, allerdings keine Steckdose. Diese funktionieren erst wieder nach dem Abendessen um 20:30 Uhr. Das Buffet am heutigen Abend ist etwas monoton aber durchaus genießbar. Dieser kurze Stromausfall im Hotel zeigt uns, wie abhängig wir mittlerweile von Elektrizität geworden sind. Der Tag in der Natur war anstrengend, so dass wir schon bald zu Bett gehen.

 

5. Rundreisetag - Donnerstag 20.2.20


Heute heißt es früher Aufstehen. Bereits um 6 Uhr ist Tagwache. Das Frühstück ist spärlich. Wir bekommen ein vorgefertigtes Teller, bestehend aus Omelette, Brot und Banane.
Um 7 Uhr verlassen wir die kleine Stadt Debark und begeben uns auf die 240 km Tagesetappe in die ehemalige Hauptstadt Aksum. Der erste Teil der Strecke ist Schotterpiste, die teilweise in Steinpiste ausartet. 40 km befahren wir steile Serpentinenstraßen, wo nebenan der Abgrund mehrere hundert Meter hinab führt. Fantastische Ausblicke auf die Berglandschaft Nordäthiopiens verleiten zu einem kurzen Spaziergang auf der kaum befahrenen Hauptverbindungsstraße und zu einem Fotostop bei einem Aussichtspunkt. Im Tal beginnt dann wieder die Asphaltstraße, die sich schon bald wieder in Serpentinen hochschraubt. Nach einem weiteren Fotostop halten wir in Adi Arkay zu einer Kaffeepause. Nachher geht es auf asphaltierter Serpentinenstraße durch wunderschöne Landschaft. Wir fahren beim riesigen Flüchtlingslager für Eritrear in Mai Aini vorbei, welches vor 20 Jahren während des Grenzkrieges zwischen Äthiopien und Eritrea entstand. Nächster Fotostop ist bei einem gewaltigen Baobab-Baum.
Um 14:20 Uhr halten wir in Shire beim Hotel Africa zur Mittagspause. Wir konsumieren Tomatensuppe und Thunfischpizza, und werden dabei vorzüglich bedient. Dafür gibt es auch dementsprechend Trinkgeld.
Auf der letzten, 60 km langen Etappe, halten wir bei einem Feld mit riesigen Euphorbien, die im Sonnenschein ein prächtiges Fotomotiv abgeben.
Um 17 Uhr erreichen wir das Sabean Hotel in Aksum, wo wir diesmal für zwei Nächte untergebracht sind. Nach der Körperpflege und etwas Erholung gehen wir um 19 Uhr zum Abendessen. Es gibt ein ausgiebiges Buffet, das wir wegen dem späten Mittagessen kaum nutzen können. Wir bleiben zweieinhalb Stunden sitzen und plaudern mit Mitreisenden sehr nett über das Reisen.

 

6. Rundreisetag - Freitag 21.2.20


Endlich Zeit zum Ausschlafen. Die Koffer bleiben heute am Zimmer und müssen nicht gepackt werden.
Erst um 9 Uhr verlassen wir das Hotel Sabean und machen uns auf den kurzen Fahrweg zum Stelenpark, dem Wahrzeichen von Aksum.
Neben der noch höchsten stehenden Stele mit über 20 m können wir eine 33 m hohe und 520 to schwere umgestürzte Stele bewundern. Der massive Monolith kippte wohl bereits während seiner Aufstellung um. Viele Stelen, die zwischen dem 3. und 10. Jhdt. errichtet wurden, dienten als Grabsteine, unter denen sich die Gräber von axumitischen Fürsten und Königen befinden. Anders als die ägyptischen Obelisken, die zu Zwecken des Sonnenkultes paarweise vor Tempeln errichtet wurden, gehörten die Stelen von Axum zu Grabbauten. Da das axumitische Volk die Vorstellung hatte, dass die Gräber als Haus für die Toten dienten, wurden die Stelen als Stockwerkstelen angelegt. Bei diesen kleinen „Wolkenkratzern“ sind komplette Balken, Türen und Fenster angedeutet.
Inklusive Besichtigung des Archäologischen Museums bleiben wir zwei Stunden in der archäologischen Anlage.
Nur 500 m vom Stelenpark entfernt gelangen wir zu einem großen Wasserbassin aus der Frühzeit der Stadt. Das sogenannte Mai Shum war das wichtigste Wasserreservoir und wird auch heute noch von vielen Stadtbewohnern genutzt. Die Legende beschreibt es als Bad der Königin von Saba, was sich jedoch historisch nicht belegen lässt.
Nach ca. 1,5 km gelangen wir zu den Königsgräbern von Kaleb und Gebra Maskal. Die beiden Grabanlagen wurden nie als solche genutzt. Durch stufenförmig angelegte Zugangsstollen gelangt man zu den Mausoleen. Im Grab des Gebra Maskal stehen noch drei Sarkophage. Allgemein ist die Anlage eher unscheinbar und wenig interessant zu besichtigen.
Am Rückweg in die Stadt gelangen wir zu einer unscheinbaren Wellblechhütte am Wegesrand, in deren Inneren sich der vielleicht bedeutendste Fund aus der Regierungszeit König Ezanas befindet. Der sogenannte Ezana-Stein belegt engen kulturellen Kontakt zum Römischen und Byzantinischen Reich, nachdem das Christentum von König Ezana im 4. Jhdt. zur Staatsreligion erklärt wurde. In dreisprachiger Inschrift (Griechisch, Sabäisch und Ge'ez) wird der erfolgreiche Feldzug Ezanas gegen die Nubier gepriesen.
Nun ist es an der Zeit für eine Mittagspause, die wir in einem Lokal der Stadt mit Suppe und Pommes verbringen. Im Anschluß geht sich noch eine einstündige Pause im Hotel aus, ehe wir um 14:30 Uhr wieder auf Besichtigungstour fahren.
Erster Programmpunkt am Nachmittag sind die Reste des Dungur-Palastes etwas außerhalb der Stadt. Der mit der Königin von Saba in Verbindung gebrachte Palast ist dieser jedoch nicht zuzuordnen. Die Ruinen sind vermutlich eher ein Bau eines Angehörigen der Oberschicht aus dem Reich von Aksum, entstanden zwischen 4. und 6. Jhdt. n.Chr.
Nun geht es zurück in die Innenstadt zum Kirchenareal. Bevor wir die neue Marienkathedrale Mariam Zion besichtigen, werfen wir noch einen fotografischen Blick in Richtung Haus der Bundeslade. Es gilt als heiligster Ort des Landes und ist keinem Besucher zugänglich. Ein auf Lebenszeit ernannter Mönch bewacht die Lade und das Gebäude. Ob es sich hierbei tatsächlich um das Original der Steintafeln mit den Zehn Geboten handelt, wird weltweit kontrovers diskutiert.
Nun statten wir aber der Mariam Zion-Kirche einen Besuch ab. Diese wurde unter Haile Selassie erbaut und 1965 in Anwesenheit Königin Elisabeth II. eingeweiht. Im Inneren zieren viele Wandmalereien das Gebäude. Uns wird von einem Mönch das angeblich 350 Jahre alte heilige Buch der Orthodoxen mit Bebilderung und Schriften vorgeführt. Der kirchliche Rundbau hat zudem eine fantastische Akkustik.
Im Anschluß geht es nur für die Herren der Schöpfung in die alte Marienkirche Enda Mariam Zion. Leider ist die Kirche völlig vernachlässigt. Der Teppichboden, den man wie in Äthiopien üblich, ohne Schuhe betritt, ist völlig verdreckt. Wir bekommen die verhangenen Wandmalereien presentiert, so dass wir diese auch fotografieren können.
Damit schließen wir die Besichtigung von Aksum ab und erreichen gegen 17 Uhr das Hotel. Zwei erholsame Stunden mit Bier und Cola sowie Körperpflege stehen bevor.
Danach geht es zum Buffet ins Hotelrestaurant. Wie am Vortag ist dieses durchaus vielfältig, so dass für Jeden etwas dabei ist.
Gegen 20:30 Uhr sind wir zurück am Zimmer. Am morgigen Samstag steht der nächste Inlandsflug nach Lalibela am Programm.

 

7. Rundreisetag - Samstag 22.2.20


Heute heißt es Ausschlafen und gemütlich Frühstücken. Erst um 10 Uhr fahren wir vom Hotel Sabean zum winzigen Flughafen von Aksum. Dennoch durchlaufen wir zwei Sicherheitskonztrollen. Um 12 Uhr, 15 Minuten vor der geplanten Abflugzeit, verlassen wir mit einem Bombardier Q400 von Ethiopian Airlines die Stadt Aksum, die nur 50 km südlich zur Grenze von Eritrea gelegen ist.
Bereits 35 Minuten später landen wir am kleinen Flugplatz von Lalibela, der etwa 20 km außerhalb der Kleinstadt liegt. Mit den beiden Kleinbussen erreichen wir um 13:30 Uhr das Tukul Village, unsere lodgeähnliche Unterkunft. Nach dem Zimmerbezug gönnen wir uns eine Gemüsesuppe mit Fladenbrot und Bier, um uns für die nachmittägliche Besichtigungstour zu stärken.
Diese starten wir um 15 Uhr mit den seit 1978 unter UNESCO-Weltkulturerbe stehenden Felsenkirchen der sogenannten Nördlichen Kirchengruppe.
Lalibela oder Neu-Jerusalem ist eine heilige Stadt und Wallfahrtsort mit langer christlicher Tradition. Die Stadt liegt auf etwa 2500 m und hateine stark wachsende Bevölkerung mit ca. 30.000 Bewohner, die fast vollständig äthiopisch-orthodoxe Christen sind.
Weltweit bekannt sind die 11 monolithischen Kirchen, die - überwiegend mehrgeschossig und bis zu 10 m hoch - in roten Tuffstein gemeißelt sind. Nach dem Zusammenbruch des spätantiken Reichs von Aksum war im 12. Jhdt. um Lalibela herum das Königreich Äthiopien entstanden. Die Kirchen entstanden im 12./13. Jhdt. beginnend mit der Regentschaft von Kaiser Gebra Maskal Lalibela.
Gleich zu Beginn besuchen wir die Welterlöserkirche, die mit 33,50 m x 23,50 m die größte monolithische Kirche der Welt ist.
Weiters besichtigen wir die Marienkirche mit 13 m x 9 m, welche deutlich kleiner als die Welterlöserkirche ist, aber wahrscheinlich die älteste der Lalibela-Kirchen. Sie besitzt im Inneren schöne Fresken und Ornamente.
Anschließend besuchen wir noch die Kreuzkapelle, die Debre-Golgota-Kirche sowie die hinter dem symbolischen Grab von Adam in die Wand eingelassene Selassie-Kapelle.
Zwei Stunden benötigen wir für den religiösen Spaziergang durch die äthiopisch-orthodoxe Vergangenheit. Wir sind schwer beeindruckt von der Meisterleistung der Baukunst.
Danach machen wir in Lalibela eine Erfrischungspause mit Softdrinks, ehe wir den kurzen Weg zum Hotel gehen, wo wir knapp vor 18 Uhr ankommen.
Um 19 Uhr gibt es das à la carte-Abendessen im Hotelrestaurant. Auch diesmal ist die Qualität ausgezeichnet. Eine längere Gesprächsrunde lässt die Zeit schnell verstreichen. Erst um 21:45 Uhr sind wir zurück im geräumigen Zimmer.

 

8. Rundreisetag - Sonntag 23.2.20


Heute müssen wir zeitig aus den Federn. Ohne zu Frühstücken fahren wir bereits um 7 Uhr zum Nördlichen Kirchenkomplex von Lalibelas Felsenkirchen, wo wir der frühmorgendlichen Messe beiwohnen, die sich vor den Sakralbauten abspielt. Hierbei lässt sich die strenge Gläubigkeit der Äthiopier wunderbar beobachten. Wir bleiben 75 Minuten - die meiste Zeit im Bereich der Marienkirche -, währenddessen die Menschenmassen immer größere Dimensionen annehmen. Ein Gottesdienst in Äthiopien dauert mindestens drei Stunden.
Danach geht es zurück zum Hotel Tukul Village, wo ein karges Frühstück auf uns wartet.
Um 9:30 Uhr machen wir uns wieder auf den Weg zu weiteren Besichtigungen.
Wir widmen uns der berühmtesten Felsenkirche Äthiopiens. Nach wenigen Gehminuten gelangen wir zur kreuzförmigen, monolithischen Georgskirche. Die höchst anspruchsvolle Architektur deutet darauf hin, dass sie die letzte Kirche war, die in Lalibela erbaut wurde. Sie ist 12,5 m lang und breit sowie 10,5 m hoch und wurde völlig freistehend aus dem Felsen herausgearbeitet. Im Gegensatz zu der schönen äußeren Form, ist das Innere der Georgskirche eher schlicht. Wir sind beeindruckt von diesem Meisterwerk der äthiopischen Baukunst. Die ohnehin hohen Erwartungen werden noch übertroffen.
Danach wechseln wir zu Fuß zur Südlichen Kirchengruppe, wo sich fünf weitere Felsenkirchen befinden, die auch als "Himmlisches Jerusalem" bezeichnet werden. Komplett umgeben von einem Graben mit teilweise bis zu zwanzig Meter hohen Wänden, ähnelt die Anlage eher einer Burg. Die einzelnen Felsenkirchen sind mittels Gräben miteinander verbunden. Zuerst besichtigen wir die Doppelkirche Gabriel & Raphael. Diese diente wahrscheinlich einst als Königspalast.
Anschließend folgt dem Rundweg verlaufend die Kirche Bet Merkorios, die eine zu einer fünfschiffigen Halle ausgegrabene Höhle ist. Sie war wohl ursprünglich keine Kirche und wird manchmal auch als ehemaliges Gefängnis bezeichnet. In den Nischen im Vorhof wurden Mumien verstorbener Mönche abgelegt.
Eine der schönsten Felsenkirchen Lalibelas ist die Emanuel Kirche, welche vermutlich die Hofkapelle und Klause von König Lalibela war.
Als letzte Kirche folgt jene von Abba Libanos, welche seitlich in den Fels gearbeitet ist. Leider ist diese bereits zur Mittagspause geschlossen - früher als geplant. So bleiben uns nur Fotos von der Außenfassade.
Den Rückweg aus dem Kirchenkomplex Richtung Hotel beschreiten wir zu Fuß. Allerdings kehren wir auf einem der zentralen Plätze in einem kleinen Lokal ein und genehmigen uns eine Erfrischung. Danach geht's zurück ins Hotel, wo wir eine köstliche Tomaten- bzw. Zwiebelsuppe mit Fladenbrot als Mittagessen verzehren. Nun bleibt noch etwas Zeit zum Rasten, ehe es um 14:30 Uhr mit den Bussen weiter geht.
Letzter Besichtigungspunkt des Tages ist die Asheten Mariam Kirche außerhalb von Lalibela. Diese liegt am Fuße des Tafelberges Asheten auf ca. 3100 m. Die Strecke dorthin entspricht einer holprigen Steinpiste. Irgendwann, auf ca. 3000 m, dann das Ende der Befahrbarkeit. Die letzten paar hundert Meter müssen wir zu Fuß gehen. Der Weg ist teils steil und steinig, und führt ein Stück schmal neben der Felswand mit steiler Abbruchkante. Die kleine, halbmonolithische Felsenkirche thront am Ende des Weges. Nicht nur die Kirche lohnt, sondern auch die Aussicht über die Landschaft. Der Priester zeigt seine sakralen Schätze, wie wertvolle alte Schriften und fein verarbeitete Edelmetallutensilien der Felsenkirche. Der Abstieg wird zum rutschigen Abenteuer. Doch die Ausblicke am Wegesrand entlohnen allemal. Nach fast zwei Stunden sind wir wieder bei den Bussen angekommen, und fahren die selbe Schotterpiste retour zum Hotel.
Um 19 Uhr verlassen wir ein weiteres Mal das Tukul Village, da wir heute im Restaurant Kana zu Abend essen wollen. Wir sind über das tolle Ambiente und das umfangreiche Buffet positiv überrascht. Aufgrund der körperlichen Hochleistung am Nachmittag gönne ich mir heute ein zweites Bier. Im Dunkeln watscheln wir zurück zum 10 Minuten entfernten Hotel. Es folgt ein halbstündiger Plausch mit Mitreisenden im Freien, ehe wir aufs Zimmer gehen. So endet ein langer, anstrengender Reisetag, ehe es Morgen per Flugzeug und Bus in den Süden von Äthiopien geht.

 

9. Rundreisetag - Montag 24.2.20


Die zweite Reisewoche beginnt äußerst entspannt. Von Weitem hören wir den Gesang des orthodoxen Priesters aus einer der unzähligen Kirchen. Dieser begleitet uns den ganzen Vormittag in der schönen Anlage des Tukul Village. Wir nutzen die Freizeit für ein karges Frühstück, etwas Internetrecherche und zum Lesen.
Erst um 11 Uhr fahren wir mit den beiden Bussen die mehr als 20 km lange Strecke zum Flughafen von Lalibela. Diesmal geht es bergab. Die erste Passkontrolle durchlaufen wir bereits bei der Flughafeneinfahrt, eine weitere folgt beim Eingang des Terminals. Der angenehm kleine Flughafen fertigt zu diesem Zeitpunkt lediglich zwei Inlandsflüge ab. Sehr gemütlich. Wir dürfen - wie bereits bei der Ankunft vor zwei Tagen - über die Rollbahn zum Flugzeug stapfen. Ein seltenes Erlebnis, welches in Europa undenkbar scheint. Der Bombardier Q400 von Ethioian Airlines startet um 13:20 Uhr mit 10 Minuten Verspätung Richtung Hauptstadt Addis Abeba, wo wir um 14:10 Uhr pünktlich landen.
Bereits um 15 Uhr verlassen wir die Millionenmetropole in Richtung Süden. Zirka 220 km Fahrstrecke in unseren beiden Bussen liegen vor uns. Nach anfänglichem Stau in der Innenstadt wird es in den neu entstehenden Vorstädten, wo abertausende Wohnungen gebaut werden, verkehrsärmer. Schließlich fahren wir auf eine dreispurige Autobahn, die europäischer Qualität entspricht, und uns die lange Strecke vorerst erleichtert. Der von chinesischen Firmen erbauten Autobahn folgen wir etwa 80 km.
Nach einer kurzen Labepause fahren wir an einer holländischen Gewächshaus-Blumenzucht vorbei, die ca. 1 km² Fläche ein nimmt und das wenig vorhandene Wasser aufbraucht. Wir folgen dem Afrikanischen Grabenbruch, der sich ca. 1200 km durch Äthiopien zieht. Langsam aber sicher beginnt es zu Dämmern. Die vielen motorisierten Fahrzeuge als auch Eselkarren und Fußgänger werden zu fast unsichtbaren Hindernissen.
Wir sind glücklich, als wir um 19:30 Uhr das Sabana Beach Resort am Langano See unbeschadet erreichen. Gleich nach Zimmerbezug schreiten wir zum Abendessen ins Hotelrestaurant. Da das Essen a-la-carte ist, konsumieren wir jeweils eine Zwiebelsuppe so wie eine Pizza. Leider ist das Restaurant auch der einzige Platz der Anlage wo das Internet funktioniert. Deswegen ist praktisch die ganze Gruppe während dem Abendessen Online und es gibt nur ein Thema: Smartphone und Internetempfang. Deswegen verabschiede ich mich höflich auf das Zimmer und genieße hier die Ruhe.

 

10. Rundreisetag - Dienstag 25.2.20


Erst um 7 Uhr, als wir die Vorhänge zur Seite schieben, sehen wir über die Terasse hinweg zum Langano See. Ein herrlicher Platz zum Entspannen. Nach dem Frühstück nutzen wir die verbleibende Freizeit, um die fantastische Vogelwelt in der Anlage bildlich festzuhalten.
Um 9 Uhr starten wir in den Reisetag, der in Arba Minch enden wird. Im Gegensatz zum Norden des Landes, ist das Verkehrsaufkommen im Süden sehr hoch. Trotz zahlreicher LKW's, Busse und Vans dominieren die Eselkarren das Straßenbild. Diese sind mit Allem beladen, was für das tägliche Leben von Nöten ist. Vorwiegend sind es gelbe Plastikkanister für den Wassertransport von den Wasserstationen nach Hause. In vielen Ortschaften, die wir durchfahren, ist ein Aussteigen nicht möglich, da die Bevölkerung teilweise aggressiv auf Fremde reagiert. So wird die vor uns liegende Fahrstrecke ziemlich lange. Je weiter wir Richtung Süden unterwegs sind, wird die Banane zum vorrangigen Anbauprodukt. Die gesamte Landschaft ändert sich. Der Baumbewuchs wird stärker, die bislang braunen Bodenflächen werden immer grüner.
Gegen 13:15 Uhr halten wir im Garten des Ababe Zeleke Hotel in Sodo unsere Mittagspause. Eine Suppe zu Zweit und ein kühles Bier für den Elektrolythaushalt stehen am Programm. 75 Minuten brauchen wir für die Kleinigkeit, obwohl wir bereits per Anruf vorbestellt hatten.
Kurz vor Arba Minch verlassen wir die asphaltierte Straße und begeben uns auf einer schlechten und sehr steilen Bergstraße zu unserem Ziel - dem Volk der Dorze.
Die Dorze sind eine kleine ethnische Gruppe mit etwa 30.000 Mitgliedern. Sie leben vor allem im Süden des Landes in Dörfern um Chencha und Arba Minch. Eine ihrer wesentlichen Beschäftigungen besteht im Weben. Einzigartig sind ihre Hütten, die, wie sonst nicht in Äthiopien, aus Bambus in Elefantenform gebaut werden. Da an den Bambusstangen im Boden ständig Termiten knappern werden die ursprünglich bis zu 4 m hohen Rundhütten jährlich ein Stück kleiner. Als Grundnahrungsmittel extrahieren die Dorze aus der Stammbasis der sogenannten Falschen Bananenstaude Stärke, aus der eine besondere Form von Fladenbrot gebacken aber auch Bier gebraut und Schnaps gebrannt wird.
Wir spazieren einen Abhang zu einer Familie, die uns das Verarbeiten der Wolle sowie das Backen ihrer täglichen Speise vorführt. Wir kosten ein Stück des Brotes ("Kocho") sowie Maisschnaps. Bevor wir die Bergregion der Dorze wieder verlassen, schenkt Alexandra einer junden Mutter einen Stapel mitgebrachter Kinder-Shirts. Die überschwängliche Freude ist der 18-jährigen ins Gesicht geschrieben.
Nach 70 Minuten machen wir uns auf den Weg ins Tal und die wenigen Kilometer zu unserem Hotel Haile Resort in Arba Minch. Ein ganz besonderes Hotel, gehört es doch zu einer kleinen Hotelkette, die dem besten Langstreckenläufer aller Zeiten - Haile Gebreselassie - gehört. Er stellte insgesamt 26 Weltrekorde auf, dominierte als mehrfacher Olympiasieger und Weltmeister ein Jahrzehnt lang die Distanzen von 3000 m bis 10.000 m und war von 2007 bis 2011 Inhaber des Weltrekordes im Marathon.
Ein fantastisches Hotel, welches man in Äthiopien nicht vermuten würde. Gleich nach Ankunft um 19:30 Uhr begeben wir uns ins Restaurant, wo es heute wieder einmal Buffet-Essen gibt. Nach dem sehr guten Abendessen gehen wir müde auf das geräumige Zimmer.

 

11. Rundreisetag - Mittwoch 26.2.20


Geburtstag in Äthiopien! Wir wachen um 7 Uhr im wunderschönen Haile Hotel auf, und genießen das ausnahmsweise umfangreiche Frühstück.
Um 8:30 Uhr machen wir uns auf die 260 km lange Tagesetappe von Arba Minch nach Jinka. Schon nach wenigen Kilometern entdecken wir auf zwei Bäumen riesige Marabus, die das erste Fotomotiv des Tages darstellen. Diese bilden eine Gattung innerhalb der Familie der Störche. Die Vögel sind 110 bis 150 cm lang und haben eine Flügelspannweite von 210 bis 250 cm.
Gleich danach sitzen zwei Paviane am Straßenrand. Klick! Klick! Und es geht weiter.
Nach 90 Minuten Asphaltstraße zweigen wir auf Schotterpiste ab. Auch die Unmengen Bananenplantagen weichen langsam Maisfeldern. Eine knappe Stunde später wechseln wir glücklicherweise wieder retour auf Asphalt, auch wenn Schlaglöcher die Fahrqualität kaum verbessern.
Wir erreichen das Gebiet des Konso-Volkes, welches von Rundhütten geprägt ist. Schon bald sind wir in jenem Dorf der Konso, welches wir heute besichtigen.
Die Konso sind vor allem für ihre terrassenförmigen Felder und ihre hölzernen Stelen bekannt. Diese Stelen zeigen zumeist berühmte Krieger, die einen phallusartigen Kopfschmuck tragen. Die Dörfer der Konso sind sehr dicht verbaut und mit hohen und massiven Steinwällen umzäunt. Früher dienten diese Mauern zur Abwehr von Feinden und wilden Tieren. An Getränken ist der Honigwein sehr verbreitet, und aus Mais wird ein Bier gebraut, das ebenfalls den ganzen Tag über, vor allem am späteren Nachmittag in richtigen Gelagen, getrunken wird.
Anfangs ist die Athmosphäre noch entspannt, jedoch wird das Verhalten der Kinder - deren Anzahl grenzenlos erscheint - immer aggressiver. So oft wie in diesem Dorf habe ich das Wort "give" noch nie gehört, vor allem von Kleinkindern, die sonst kein Wort Englisch sprechen. Diese 75 Minuten werden zu einer Ewigkeit. So viele Kinder, die noch dazu Betteln, haben wir noch Nirgends erlebt. Jeder in der Gruppe ist froh, dieses Dorf wieder verlassen zu dürfen. Auf einen Besuch bei den Konso kann man also getrost verzichten.
Nur wenige Kilometer entfernt kehren wir in der Kanta Lodge zum Mittagessen ein. Heute gibt es nur Karottensuppe zur Auswahl. Und das zu meinem Geburtstag! Dafür gönne ich mir ein großes Bier. Nach einer Stunde machen wir uns auf zur Nachmittagsetappe nach Jinka. Im südlichen Omotal folgen wir Baumwollfeldern bei geschätzten Temperaturen von 37 Grad. Das erste Mal bei dieser Reise, das wir derart hohe Temperaturen haben. Mehrfach geht es bergauf und bergab bis wir endlich das Tagesziel Jinka erreichen. Mittlerweile ist es 18 Uhr. Durch einen kurzfristigen Hotelwechsel landen wir im Zentrum der Stadt in der Pension Nasa. Welcher Kontrast zum Vortag, wo wir im Hotel von Haile Gebreselassie luxuriös einquartiert waren.
Um 19 Uhr fahren wir zum Abendessen ins nahegelegene Restaurant Besha, wo wir Buffet-Essen bekommen. Sehr bemühtes Personal und gutes Essen. Und dann die große Überraschung! Sepp und Amanuel - unsere beiden Reiseleiter - haben trotz Stromproblemen des Restaurants eine große Torte für meinen Ehrentag gezaubert. Die Freude ist groß, da es gerade hier in Äthiopien nicht einfach ist, etwas spontan zu organisieren. Die große Torte wird natürlich auf die ganze Gruppe aufgeteilt.
Um 21 Uhr fahren wir den kurzen Weg zurück zur Pension. Wie durch ein Wunder scheint das Stromproblem gelöst worden zu sein. Doch leider nur für wenige Sekunden. Wir wissen nun, wie es sich bei einem längeren Stromausfall anfühlt. Trotz Geburtstag begeben wir uns bald ins Bett mit Moskitonetz. Wofür wir dieses benötigen bleibt uns allerdings ein Rätsel.

 

12. Rundreisetag -Donnerstag 27.2.20


Nach einer stromlosen Nacht - der Strom ging nicht wieder an - fahren wir um 6:20 Uhr ins Nahe gelegene Restaurant Besha zum Frühstück, in dem wir bereits am Abend davor gegessen haben. Die unzähligen Spiegeleier und Omlettes sind bereits vorbereitet, so dass wir bereits um 7 Uhr am Weg zum Volk der Mursi sind. 60 km Schotterpiste warten auf uns. Der Weg führt durch den Mago Nationalpark, der üppigen Pflanzenbewuchs aufweist. Deswegen können wir von der Tierwelt recht wenig entdecken. Wir fahren bis 75 km an die Südsudanesische Grenze. Nach zweieinhalb Stunden holpriger Schotterpistenkilometer erreichen wir den Stamm der Mursi.
Die Mursi zählen weniger als 10.000 Angehörige. Sie sind vor allem wegen der Lippenteller der Frauen bekannt. Um diese einzusetzen, wird bei den Mädchen am Ende der Pubertät die Unterlippe aufgeschnitten und es werden zwei der unteren Schneidezähne ausgeschlagen. Die Tonteller werden von dem jeweiligen Mädchen selbst geformt und gebrannt. Immer größere Exemplare werden eingesetzt, um die Unterlippe langsam zu dehnen. Auf dieselbe Art werden auch häufig die Ohrläppchen in die Länge gezogen und verziert. Der Tellerlippen-Brauch ist ein Schönheitsideal. Je größer der Lippenteller, desto mehr Respekt kann die Frau erwarten. Es gibt Lippenteller bis zu einem Durchmesser von 15 cm. Mit entsprechend höherem Status geht auch ein höherer Brautpreis für die junge Frau einher. Dabei glauben manche Forscher heute, dass diese ungewöhnliche Tradition ursprünglich nicht als Schönheitsideal diente, sondern dazu, die Frauen für arabische Sklavenjäger unattraktiv zu machen. Im Alltag trägt eine Mursi-Frau den Lippenteller selten. Heutzutage ist die Tradition auch eine Geldquelle, denn Mursi-Frauen lassen sich gegen Bezahlung von Touristen mit ihren Lippentellern fotografieren.
Bei den Mursi-Männern findet man vor allem bei Ritualen und in Gegenwart von Touristen weiße Bemalungen.
Jeder Fotograf aus der Gruppe muss eine Gebühr von umgerechnet € 6,- bezahlen, um ungehindert Personen und Dorfleben fotografieren zu dürfen. Ich überlasse die "Arbeit" diesmal Alexandra. Während sie mit Begeisterung auf Motivjagd geht, spiele ich mit den Kleinsten des Stammes. Besonders viel Spaß haben die Kids, wenn man sie aufhebt und durch die Luft segeln lässt. Das dürften sie nicht kennen. Dadurch gewinne ich die Herzen der Jungs. Wir bleiben eine dreiviertel Stunde, durchstreifen währenddessen das Dorf mit seinen runden Strohhütten, in denen meist Familien mit bis zu sieben Personen wohnen, und kaufen den Damen drei Tellerscheiben als Souvenier und Mitbringsel ab. Etwa 500 Personen dürfte das Dorf umfassen.
Zurück geht es nach Jinka, wo wir nach zwei Stunden beim Hotel Nasa die Koffer in die Busse verladen. Wenige Fahrminuten später erreichen wir unser "Stammlokal" Besha, wo es wie am Vorabend Buffet gibt. Ich habe Glück! Meine liebgewonnene scharfe Gulaschsuppe gibt es auch heute wieder.
Mit vollen Bäuchen verlassen wir Jinka um 13:45 Uhr zu unserer Nachmittagsetappe nach Turmi.
Zwischenstop machen wir in Key Afar beim Wochenmarkt. Äußerst anstrengend für uns, da wir von Verkäufern, Kindern und Stammesmitgliedern gleichermaßen bedrängt werden. Am Ende nehmen wir noch einen Erfrischungsdrink, der uns für die restlichen Fahrkilometer frisch hält. Nun geht es wieder auf die Schotterpiste. Insgesamt legen wir an diesem Tag ca. 200 km auf Schotterpiste zurück.
In Demeka hat der zweite Gruppenbus gleich zwei platte Reifen. Wir entschließen uns zu einem Spaziergang durch das Dorf und in die Einöde des Omo-Tals. Anschluss finden wir ganz leicht. Ein paar Frauen und Kinder des Hamar-Stammes begrüßen uns freundschaftlich und lassen sich für ein paar Birr - der äthiopischen Währung - auch bereitwillig ablichten. Etwas außerhalb von Demeka entdecken wir Colobus-Affen - eine relativ seltene Gattung - hoch Oben in einem Baum. Etwa drei Kilometer sind wir entlang der Hauptstraße unterwegs, ehe der Bus uns wieder einsammelt.
In der hereinbrechenden Finsternis erreichen wir die Paradise Lodge etwas außerhalb von Turmi im Dreiländereck zu Kenia und Südsudan. Die Lodge ist nur etwa 30 km von Kenia entfernt.
Um 20 Uhr gehen wir zum Buffetessen, wo es erneut ein sehr anspruchsvolles Essen gibt. Für ein armes Land wie Äthiopien eine beachtliche touristische Serviceleistung. Da die Lodge stromtechnisch nur von einem Aggregat lebt, wird dieses spätabends bir frühmorgens abgedreht. Deswegen müssen wir schleunigst aufs Zimmer, um alle Akkus für den kommenden Reisetag wieder auf zu laden.

 

13. Rundreisetag -Freitag 28.2.20


Mitten in der Nacht entdecken wir eine große Spinne am Moskitonetz. Also wechseln wir die beiden großen Einzelbetten, und lassen die Spinne vorerst weiterleben. Am Morgen aktivieren wir allerdings den Insektenspray, der angeblich auch gegen Spinnen wirkt. Und siehe da, die Spinne gibt den Geist auf. Das anschließende Frühstück ist als spärlich zu bezeichnen.
Um 8 Uhr starten wir von der Paradise Lodge in Turmi mit den beiden Kleinbussen zum Halbtagesausflug ins knapp 80 km entfernte Omorate. Wir sind von der einigermaßen guten Asphaltstraße überrascht. Wenige Kilometer nach Turmi ein Wechsel der Landschaft. Buschsavanne soweit das Auge reicht. Dazwischen jede Menge extrem spitze Termitenhügel. Bei einem machen wir einen Fotostop, wo wir erst feststellen, wie hoch diese Hügel tatsächlich sind. Nach einigen Kilometern erneut ein Landschaftswechsel. Die Vegetation wird niedriger und geringer. Steppensavanne und Ackerbau dominieren nun das Landschaftsbild.
Wir erreichen Omorate gegen 9:45 Uhr. Hier müssen wir uns mit Reisepass und Visum identifizieren, da wir nur mehr 25 km von Kenia entfernt sind und den Omo-Fluss überqueren.
Die Überfahrt erfolgt mittels Holzkanus. Wir staunen über den Wasserreichtum des Omo-Flusses zur Trockenzeit.
Nach wenigen Gehminuten entlang des Flusses erreichen wir eine Primary School, die wir nicht nur besuchen sondern auch mittels Schreibartikel aus der Heimat fördern. Interessant ist die Altersdurchmischung in den Schulklassen. Rasch gewinne ich einen jungen Freund als privaten, englischsprachigen Reiseleiter.
Wir wandern ein Stück weiter zum Volksstamm der Dassanech, wo wir € 6,- für das Fotografieren und € 3,- pro Person für die Tanzvorführung zahlen müssen.
In dem sehr armseligen Dassanech-Dorf mit aus Wellblechresten und Abfall zusammengeflickten niedrigen igluförmigen Hütten leben etwa 400 Menschen in der schmachtend heißen Steppe auf weniger als 400 m Seehöhe. Die Dassanech sind ein Hirtenvolk, das im Flachland am Unterlauf des Omo lebt, aber auch am nördlichen und nordöstlichen Ufer des Turkana-Sees in Kenia. Sie zählen insgesamt etwa 80.000 Angehörige.
Mein junger Freund zeigt mir die Behausung seiner Mutter, die insgesamt neun Kinder aufzieht. Wir durchstreifen das Dorf nach Fotomotiven und bekommen schließlich auch die bezahlte Tanzvorführung. Eine halbe Stunde bleiben wir bei den Dassanech, ehe wir bei Temperaturen von knapp 40 Grad retour zum Omo-Fluss spazieren. Diesen überqueren wir wieder mit den Kanus. Danach gönnen wir uns ein erfrischendes Bier sowie eine Cola, ehe es retour zur Paradise Lodge nach Turmi geht. Im Bus spielen wir den Song "Atemlos" von Helene Fischer. Sowohl Reiseleiter Amanuel als auch der Busfahrer gehen begeistert mit.
Um 13:30 Uhr erreichen wir die Lodge, wo wir sogleich zu Mittag essen. Für mich gibt es lediglich Gemüsesuppe, für Alexandra ein riesiges Thunfischsandwich mit Pommes. Dazu ausnahmsweise "Sparkling Water". Ein Genuß!
Danach gibts nach zwei Wochen wieder eine Rasur. Schließlich bleibt auch noch etwas Zeit zum Lesen auf der schattigen Terasse der Lodge, ehe wir um 17 Uhr zu einem Dorf der Hamar-Volksgruppe aufbrechen. Nur wenige Kilometer außerhalb des Städtchen Turmi biegen wir von der Hauptstraße ab. Wir spazieren die letzten paar hundert Meter zum Dorf der Hamar.
Die Hamar im Südwesten von Äthiopien hängen noch sehr stark ihrer Naturreligion nach. Sie glauben an die barjo (die “Treibende Kraft“), der sie sich durch Gruppengesänge und Gruppengespräche zu nähern versuchen. Die Hamar leben wie die meisten pastoralen Gruppen der Region vor allem von ihren Herden sowie angebauter Hirse und anderen Landwirtschaftsprodukten. Berühmt sind die Hamar für das Sprung-über-die-Rinder-Initiationsritual, bei dem ein junger heiratswilliger Mann über eine aneinandergereihte Schar von Kühen laufen muss, um als Erwachsen angesehen zu werden. Als umstritten gilt das mit dem Sprung über die Rinder einhergehende Ritual der Auspeitschung-der-Mädchen, welches von europäischen Beobachtern wegen dessen Brutalität und subjektiv wahrgenommener Unmenschlichkeit kritisiert wird. Deshalb wird von vielen Außenstehenden die Abschaffung dieses Rituals gefordert, von den Hamar allerdings allerseits abgelehnt, da es eine wichtige Tradition darstellt. So sind es die Mädchen selbst, welche die Auspeitscher immer wieder dazu drängen, sie mit ihren Ruten zu schlagen, da möglichst viele und große Narben bei den Mädchen, aber auch bei verheirateten Frauen Mut, Zähheit und Robustheit demonstrieren.
In jenem Dorf, welches wir besichtigen, leben in etwa 400 Menschen, großteils Kinder und Jugendliche. 50 Minuten nehmen wir uns für Fotografieren und Besichtigen Zeit. Die Fotomotive gehen uns jedenfalls nicht aus.
Um 18:30 Uhr erreichen wir gerade rechtzeitig zum Sonnenuntergang die Lodge. Ein erstes und wahrscheinlich letztes Sonnenuntergangsfoto von Äthiopien ist geschossen.
Eine Stunde später gibt es im Hotelrestaurant Buffetessen. Während dem Essen bekomme ich Schmerzen in der linken Rückenhälfte. Nach einer Viertelstunde ist der Hokuspokus wieder vorbei. Dachte ich zu diesem Zeitpunkt zumindest.

 

14. Rundreisetag -Samstag 29.2.20


Um 3 Uhr Nachts erwache ich schmerzverzerrt aus dem Schlaf. Die Rückenschmerzen sind noch schlimmer als am Abend zuvor. Mit der Zeit kommt durch den starken Schmerz Übelkeit und Erbrechen hinzu. Ich kann mir zu diesem Zeitpunkt eine Tagesfahrt von über 300 km, davon 80 km auf Schotterpiste, in diesem Zustand nicht vorstellen. Kurz vor der Abfahrt von der Paradise Lodge in Turmi nehme ich noch ein Novalgin und ein Pakemed, übergebe mich allerdings gleich darauf. Unsere junge Krankenschwester Elisabeth verabreicht mir daraufhin noch eine in Wasser aufgelöste Tablette Novalgin. Im Bus, wo ich heute eine Bankreihe für mich alleine habe, bekomme ich von einer Mitreisenden noch ein muskelentspannendes Medikament. Eineinhalb Stunden leide ich Höllenqualen, egal wie ich sitze oder liege. Ich starte sogar den Versuch im Kleinbus zu stehen. Aber auch das hilft nicht. Danach zimmere ich mir eine Liegeposition, die mir Erleichterung bringt. Welches Medikament jetzt tatsächlich geholfen hat weiß ich nicht.
Um 11:45 Uhr erreichen wir die Kanta Lodge in Konso, wo wir Mittagspause machen. Ich fühle mich überraschend fit, der Rückenschmerz ist beinahe gewichen. Die Erleichterung wird mir von den Reisekollegen angesehen. Wir essen gemeinsam eine Tomatensuppe und trinken jeweils ein Cola. Mein Appetit hält sich trotz ausgefallenem Frühstück in Grenzen.
Danach geht's im zügigen Tempo zum Chamosee. Dort angekommen starten wir kurz nach 15 Uhr zur 90-minütigen Bootstour.
Der Chamosee liegt auf etwa 1200 m, ist 13 km lang und 2 km breit. An seiner tiefsten Stelle ist er 14 m seicht. Neben der reichhaltigen Vogelwelt ist der See, der als Nationalpark ausgewiesen ist, für seine Flusspferde und Krokodile bekannt. Obwohl das Fischen im See eigentlich verboten ist, sterben jedes Jahr etliche Fischer, die auf winzigen Flößen den See befahren, durch Krokodilangriffe.
Nach einigen Vogelsichtungen folgt das Highlight der Fahrt. Wir entdecken im Schilf des Ufers ein riesiges Nilkrokodil mit aufgerissenem Maul. Trotz landschaftlicher Schönheit ist die Bootstour nicht aufregend. Eine Nilpferdsichtung bleibt uns leider verwehrt.
Um 17:15 Uhr erreichen wir zum zweiten Mal innerhalb von vier Tagen das Haile Resort von Arba Minch. Ich bin froh nach diesem Endlostag heil und fast schmerzfrei im Hotel angekommen zu sein.
Bereits um 18:30 Uhr gehen wir im Hotelrestaurant zum Buffetessen. Es schmeckt vorzüglich.
Danach besuchen wir in der Hotelanlage noch eine Tanz- und Akrobatikveranstaltung, ehe wir um 21 Uhr suf das Zimmer taumeln. Wir sind beide hundemüde. Kein Wunder, sind wir doch seit 3 Uhr Früh munter.

 

15. Rundreisetag -Sonntag 1.3.20


Endlich wieder lange und schmerzfrei Schlafen. Doch bereits in der Früh merke ich, dass nach wie vor Schmerzen vorhanden sind. Nach dem Frühstück können wir im Resort eine Menge Vögel beobachten und fotografieren. Auch ein Pavian gesellt sich hinzu.
Gegen 11 Uhr verlassen wir das wunderschöne Haile Resort und fahren die wenigen Kilometer zum Flughafen von Arba Minch. Nun steht noch Einiges an Wartezeit an bis wir mit einem Bombardier Q400 von Ethiopian Airlines in Richtung Addis Abeba abheben. Fünf Minuten vor der offiziellen Abflugzeit begeben wir uns in die Luft.
Bereits um 14 Uhr, nach nur 50 Minuten Flugzeit und 15 Minuten vor Planankunft setzt das Propellerflugzeug in der Millionenmetropole auf.
Eine dreiviertel Stunde später sind wir im Jupiter Bole Hotel, wo wir bereits zwei Wochen zuvor genächtigt haben. Nun beginnt das lange Warten. Insgesamt stehen uns fünf Tageszimmer für die 24-köpfige Reisegruppe zur Verfügung. Wir nutzen sowohl das Restaurant für einen Mittagssnack als auch das Zimmer, welches wir mit einem zweiten Paar teilen. Glücklicherweise gibt es auch gut funktionierendes WLAN, um sich die verbleibende Zeit bis zum Abschiedsdinner zu vertreiben.
Um 18:30 Uhr werden wir von den beiden Bussen abgeholt und ins nahe gelegene Restaurant Yod Abyssinia Cultural Ambassador gefahren. Hier verweilen wir zweieinhalb Stunden. Leider haben meine Rückenschmerzen wieder begonnen, so dass ich auf das einheimische Essen verzichte. Die Tanz- und Gesangsaufführungen sind auch für mich sehr interessant.
Bereits nach 21 Uhr fahren wir zum Flughafen, wo das Einchecken beim Internationalen Terminal sehr gut funktioniert. Allerdings vergesse ich bei einer der drei Kontrollen meinen Rucksack. Erst nach zehn Minuten bemerke ich diesen Umstand. Glücklicherweise ist der Rucksack an Ort und Stelle liegen geblieben. Als wir beim Gate ankommen haben wir noch drei Stunden bis zum Abflug. Meine Rückenschmerzen haben sich während dem Folkloreabend nach Einnahme schmerzlindernder Mittel wieder beruhigt.

 

ABREISETAG, Montag 2.3.2020


Um 1:40 Uhr hebt der Airbus A350-900 von Ethiopian Airlines mit 10 Minuten Verspätung von Addis Abeba ab. Schon bald stellen sich wieder Rückenschmerzen bei mir ein. Schmerzmittel lindern das Ganze wieder. Da das Flugzeug zu einem größeren Teil leer ist, begebe ich mich auf einen fußfreien Platz. Schließlich komme ich noch zu zweieinhalb Stunden Schlaf, bevor wir um 5:25 Uhr, eine halbe Stunde vor Planankunft, in Wien/Schwechat landen. Durch die frühe Ankunft können wir sogar den ersten direkten Zug um 6:35 Uhr nach Wr. Neustadt erreichen. Nach 55 Fahrminuten sind wir endlich in der Heimat angekommen. Am Bahnhof kehren wir in der Bäckerei zu einem Frühstück ein. Danach gehen wir gemütlich zu Fuß nach Hause, wo wir um 8:30 Uhr hundemüde ankommen.

 

RESÜMEE ZUR REISE


Mit Sepp Kaiser vom Veranstalter Raiffeisen Reisen hatten wir so wie bereits in Peru und Tunesien einen äußerst erfahrenen und kompetenten Reiseleiter an unserer Seite. Hinzu kam der äthiopische Reiseleiter Amanuel. Mit 26 Jahren noch sehr jung, berichtete er uns mit viel Begeisterung und voller stolz von seinem Land. Ein junger Mann, der trotz schwieriger Voraussetzung zielstrebig seinen Weg geht.
Die Reisegruppe bestand aus insgesamt 24 Personen, so dass wir während der Fahrstrecken auf zwei Kleinbusse aufgeteilt waren. Dies war den teilweise schlechten Schotterpisten geschuldet, wo ein großer Bus unmöglich vorankommen würde. So wechselten die beiden Reiseleiter täglich die Busse, dass wir Informationen aus österreichischer und äthiopischer Sicht erhielten. Dies trug jedenfalls zur Abwechslung bei.
Die Wetterverhältnisse waren hervorragend. Sonnenschein begleitete uns die gesamte Reise über. Während es zu Beginn im Norden des Landes angenehme Besichtigungstemperaturen von 20-25 Grad hatte, änderte sich dies südlich der Hauptstadt Addis Abeba, wo die Höhenlage auch zusehends abnahm, auf über 30 Grad und steigerte sich bis ins Omo-Tal an der kenianischen Grenze auf fast 40 Grad.
Alle sechs Flüge (4 Inlandsflüge) absolvierten wir mit Ethiopian Airlines. Auffallend dabei vor allem die Pünktlichkeit der Flüge. Auch wurden wir bei den kurzen Inlandsflügen mit Snack und Getränk verköstigt.
Überrascht waren wir von der relativ hohen Qualität der Hotels und der durchaus umfangreichen und qualitativ sehr guten Verköstigung während der gesamten Reise in einem der ärmeren Länder der Erde.

Äthiopien ist ein Vielvölkerstaat mit 120 ethnischen Gruppen auf einer Fläche von 1,1 Mio. km². Mit 112 Mio. Einwohnern (Stand 2020) ist Äthiopien der bevölkerungsreichste Binnenstaat der Welt sowie das zweit menschenreichste Land am afrikanischen Kontinent nach Nigeria.
Da Äthiopien als einziges afrikanisches Land nie kolonialisiert werden konnte, besteht die Bevölkerung zu Recht aus sehr stolzen Menschen.
1984 gelangte Äthiopien durch eine Reportage des BBC-Fernsehens in den Blickpunkt der Weltöffentlichkeit. Über Jahre ausbleibende Niederschläge in der Sahelzone führten in zwanzig afrikanischen Ländern zu Missernten und Hungersnöten. Auch wegen des anhaltenden Bürgerkrieges war Äthiopien am schlimmsten von dieser Katastrophe betroffen. Die Hungersnot in Äthiopien 1984/85 forderte eine halbe bis eine Million Opfer. Die sozialen Folgen sind noch heute zu bemerken. So wucherten seinerzeit die Hilfsleistungen von diversen NGO's, die noch heute im Land sitzen. Die Menschen lernten zu Betteln, ohne dafür arbeiten zu müssen. Dies lässt sich natürlich nicht verallgemeinern. So lernten wir genügend fleißige Menschen im Dienstleistungsgewerbe kennen. Heute kann sich das Land trotz Bevölkerungsexplosion gut selbstversorgen. Wer Äthiopien besucht, erkennt wie fruchtbar und wasserreich das Land im Süden ist. Anders als wir das erwarten würden.
Unsere Reise begann im Norden Äthiopiens, wo wir die kulturellen Highlights des Landes besuchten. Dazu zählen die ehemaligen Hauptstädte Gondar, Aksum und das äthiopisch-orthodoxe Zentrum Lalibela mit seinen Felsenkirchen. Aber auch die Natur im Simien Nationalpark mit fantastischen Berglandschaften und den Blutbrustpavianen konnte uns begeistern.
Den zweiten Teil der Reise verbrachten wir im Süden Äthiopiens bis ins Dreiländereck zu Kenia und Südsudan. Hier standen die unzähligen Volksstämme im Mittelpunkt. Wir besuchten fünf dieser Volksgruppen in Dörfern und Familien. Dabei lernten wir die unterschiedlichen Lebensweisen und Traditionen kennen. Eine durchwegs interessante Erfahrung, mit einer Ausnahme - der "Konso". Diese Volksgruppe ist dem Alkoholkonsum zu stark zugeneigt, was dem Besucher leider auch nicht verborgen bleibt. Spektakulär die "Mursi" mit den Tellerlippenfrauen, äußerst gastfreundlich die "Dorze" und die "Hamar".
Ein wesentlicher Faktor in Äthiopien sind die vielen Kinder. So hat jede Familie 5-6 Kinder, der Bevölkerunganteil der bis 14-jährigen beträgt 45%. Egal in welcher scheinbaren Einöde man den Bus verlässt, strömen binnen weniger Minuten - oft auch nur Sekunden - massenweise Kinder aus allen Himmelsrichtungen heran. Diese Bevölkerungsexplosion stellt eine große Herausforderung für das Land dar. Leider steht auch schon bei den kleinsten Kindern das Betteln im Vordergrund, da sie es von den älteren Kindern vorgelebt bekommen. Manche Kinder reagieren auch durchaus aggressiv, wenn sie Nichts bekommen.

Eine Reise durch Äthiopien ist eine Reise durch eine andere Welt!
Wir haben mittlerweile schon einige Länder (zu diesem Zeitpunkt 78) auf allen Kontinenten bereist. Äthiopien war bislang das abenteuerlichste Reiseziel.
Ein faszinierendes Reiseland, das durch unterschiedlichste Ethnien, strenggläubige Menschen im Norden und faszinierende Landschaften zwischen fruchtbaren Ebenen und Gebirgslandschaften geprägt ist.

 


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