Island (28.7. - 12.8.2015)

 

 

 

 

Reiseroute

  • 28.7.15: Anreise von Wien nach Reykjavik (Keflavik)
  • 29.7.15: Reykjavik
  • 30.7.15: Ϸingvellir Nationalpark - Haukadalur (Geysire) - Gullfoss - Háifoss - Selfoss
  • 31.7.15: Ϸórsmörk (Stakkholtsgja, Valahnúkur) - Seljalandsfoss - Skógafoss - Vík í Mýrdal - Kirkjubaejarklaustur
  • 1.8.15: Skaftafell Nationalpark (Svartifoss, Skaftafellsjökull) - Gletscherlagune Jökulsárlón - Halbinsel Ingólfshöfði - Kirkjubaejarklaustur
  • 2.8.15: Lakagigar (Fagrifoss, Laki, Tjarnargigur) - Fjadrárgljúfur - Kirkjubaejarklaustur
  • 3.8.15: Eldgjá - Ófӕrufoss - Landmannalaugar - Kratersee Ljótipollur - Hella
  • 4.8.15: Sprengisandur-Hochlandpiste - Aldeyjarfoss - Húsavík
  • 5.8.15: Mývatn - Skútustaðir - Dimmuborgir - Tuffring Hverfjall - Kontinentalspalte bei Grjotagjá - Hverarönd - Krafla-Kraftwerk - Húsavík
  • 6.8.15: Jökulsárgljúfur Nationalpark (Dettifoss, Hljóðaklettar) - Halbinsel Tjörnes - Húsavík (Whale Watching)
  • 7.8.15: Goðafoss - Akureyri - Siglufjörður - Gröf - Sauðárkrókur
  • 8.8.15: Glaumbӕr - Halbinsel Vatnsnes (Borgarvirki, Hvitserkur, Illugastadir) - Stykkishólmur
  • 9.8.15: Halbinsel Snӕfellsness (Búðir, Arnarstapi-Hellnar, Lóndrangar, Djúpalón, Hólaólar, Kirkjufellsfoss) - Stykkishólmur
  • 10.8.15: Heißwasserquellen von Deildartunguhver - Reykholt - Hraunfossar - Kaldadalsvegur-Hochlandpiste - Reykjavik
  • 11.8.15: Reykjavik (Freilichtmuseum Árbæjarsafn)
  • 12.8.15: Rückflug von Reykjavik (Keflavik) nach Wien

 

 

Fotogalerien

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Reykjavik
Reykjavik
Skaftafell Nationalpark
Skaftafell Nationalpark
Landmannalaugar
Landmannalaugar
Freilichtmuseum Glaumbaer
Freilichtmuseum Glaumbaer
Pingvellir Nationalpark
Pingvellir Nationalpark
Gletscherlagune Jökulsárlón
Gletscherlagune Jökulsárlón
Mývatn-Region
Mývatn-Region
Halbinsel Vatnsnes
Halbinsel Vatnsnes
Geothermalgebiet Haukadalur
Geothermalgebiet Haukadalur
Halbinsel Ingólshöfdi
Halbinsel Ingólshöfdi
Húsavík & Whale Watching
Húsavík & Whale Watching
Stykkishólmur
Stykkishólmur
Island's Wasserfälle
Island's Wasserfälle
Lakagigar
Lakagigar
Jökulsárgljúfur Nationalpark
Jökulsárgljúfur Nationalpark
Halbinsel Snaefellsness
Halbinsel Snaefellsness
Pórsmörk
Pórsmörk
Eldgjá & Ófaerufoss
Eldgjá & Ófaerufoss
Akureyri
Akureyri
Land & Leute
Land & Leute

 

Rundreise durch Island

 

URLAUBSPLANUNG


Bereits im Februar - ungewöhnlich früh - entscheiden wir uns für Island als Reisedestination im Sommer.
Bereits im Jahr 2010 wollten wir die Insel aus Feuer & Eis bereisen, wie Island oft bezeichnet wird. Doch dann ereignete sich im Frühjahr der Ausbruch des Vulkans Eyjafjallajökull, der das Leben auf der Insel kaum beeinträchtigte, allerdings einen Großteil des Flugverkehrs über Europa Lahm legte.
Außer Zweifel steht diesmal der Reiseveranstalter Kneissl Touristk, der in Österreich seit Jahrzehnten als Island-Spezialist gilt, als auch die Rundreise über insgesamt 16 Reisetage, die eine Hochlandüberquerung der Sprengisandur-Piste beinhaltet, sowie Wanderungen in den Nationalparks vorsieht. Die instabile Witterung auf der Nordseeinsel nahe Grönlands auch in den Sommermonaten stellt uns vor die Aufgabe, die richtigen Klamotten in Bezug auf Regenbekleidung als auch Wanderausrüstung zu organisieren, um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein. Dies sollte sich noch bezahlt machen!

 

ANREISETAG, Dienstag 28.7.2015


Auch diemal nutzen wir die günstige Parkplatz-Variante am Mazur Parkplatz des Flughafens Wien/Schwechat. Über den Automobilclub ÖAMTC gibt es hierfür stark reduzierte Wertkarten.
Bereits am Vortag erledigen wir von zu Hause aus den Web-Check-In zum Ausdruck der Flugtickets, so dass wir lediglich das Gepäck am Terminal 3 aufgeben müssen, ehe wir uns noch vor dem Abendflug verköstigen.
Nachdem wir die strenge Sicherheitskontrolle hinter uns gebracht haben, treffen wir am Abflug-Gate Reiseleiter Enrico, der uns bereits vier Monate zuvor nach Myanmar begleitete.
Pünktlichst um 21 Uhr beginnt der vierstündige Flug mit Austrian Airlines nach Keflavik. Nicht anders als erwartet, präsentiert sich die Lufthansa-Tochter als Billigableger. So gibt es auf diesem mehrstündigen Flug kein Bordentertainment. Monitore Fehlanzeige! Informationen, wo man sich gerade befindet nicht vorhanden! Und dies im Zeitalter der Informationstechnik, auch über den Wolken. Lediglich die Verköstigung entspricht noch einer vernünftigen Fluglinie, welche noch vor gar nicht all zu langer Zeit als Flaggschiff der österreichischen Luftfahrt galt.
Nach dreiviertelstündiger Busfahrt von Keflavik nach Reykjavik mit insgesamt drei Kneissl-Reisegruppen, erreichen wir gegen 1 Uhr isländischer Zeit (MEZ-2) das Hotel Natura unmittelbar am Privatflughafen der Hauptstadt gelegen.
Schon bald darauf genießen wir das weiche Hotelbett in der Vorfreude auf spannende zwei Wochen in Island.

 

1. Rundreisetag, Mittwoch 29.7.2015


Nach kurzer Nacht, und einem von Hotelgästen überlaufenem Frühstücksbereich, finden wir uns um 9:30 Uhr vor dem Hoteleingang zum ersten gemeinsamen Treffen mit Reiseleiter und Gruppe ein. Lediglich 13 Teilnehmer umfasst die Reisegruppe.
Nach kurzer Begrüßung beginnt das Programm mit der ganztägigen Besichtigung der isländischen Hauptstadt per pedes, wobei der Vormittag geführt, der Nachmittag hingegen individuell gestaltet ist.
Bereits nach 20 Minuten erreichen wir die etwas ungewöhnliche Naturoase der 120.000 Einwohner zählenden Metropole des Landes - den Stadtteich Tjörnin, der 50 Vogelarten beheimatet. An dessen Ufer liegt das 1992 eingeweihte, sehr markante und nicht unumstrittene Rathaus, dem wir einen kurzen Besuch abstatten. In seinem Inneren befindet sich eine riesige Reliefkarte der gesamten Insel, anhand derer sich die anstehende zweiwöchige Route im Kleinformat nachvollziehen lässt.
Weiter geht's zum nahegelegenen zentralen Platz der Altstadt - dem Austurvöllur -, wo sich ringsum das Parlamentsgebäude Alþingishúsið als auch die eher kleine Domkirche befinden. Durch kleine Gassen gelangen wir schließlich zum alten Stadthafen, wo die Marine sowie Ausflugsschiffe zur Walbeobachtung ankern. Von hier erhascht man einen ersten Blick auf das moderne, neue Wahrzeichen der Stadt - das Konzerthaus Harpa (Harfe). Nähert man sich dem 2011 eröffnetem Bauwerk, wird man von der Fassade des isländischen Künstlers Ólafur Elíassondes im Bann gezogen. Diese besteht aus einer wabenartigen Struktur aus dichroitischem Glas, das je nach Wetter auf die wechselnden Tageslichtfarben reagiert. Ein imposantes Schauspiel, insbesondere bei Sonnenschein.
Vorbei am Stjórnarráðshús, dem Sitz des Ministerpräsidenten, schlendern wir leicht bergauf Richtung Hallgrimskirche, einem weiteren Wahrzeichen Reykjaviks. Entworfen wurde das Basaltsäulen nachgeahmte Gebäude vom isländischen Architekten Guðjón Samúelsson. Es dauerte über 40 Jahre bis die Kirche 1986 eingeweiht werden konnte. Nach kurzer Innenbesichtigung geht's mit dem kostenpflichtigen Aufzug den 74,5 m hohen Turm aufwärts, von wo man die beste Aussicht über die Stadt genießen kann. Ein Highlight für alle Fotografen! Bei der Hallgrimskirche endet schließlich der offizielle Teil der Stadtbesichtigung.
Den Nachmittag nutzen wir hauptsächlich für Sightseeing in der Haupteinkaufsstraße Laugavegur, wo wir nicht schlecht über die gesalzenen Preise vorallem auf dem Gastronomiesektor staunen.
Eher zufällig entdecken wir entlang der Küstenpromenade eines der beliebtesten Fotomotive der Stadt - die glänzende Edelstahlskulptur Sólfar (Sonnenschiff) von Jón Gunnar Árnason.
Nachdem wir uns zum Abendessen für keines der unzähligen Innenstadtlokale entscheiden können, "plündern" wir kurzerhand den nächstbesten Supermarkt, um am Rückweg zum Hotel ein abendliches Picknick bei tadellosem isländischem Wetter im Park rund um den Stadtteich Tjörnes abzuhalten. Erst kurz vor 18 Uhr erreichen wir nach einem langen, anstrengenden Tag zu Fuß unsere Unterkunft.

 

2. Rundreisetag, Donnerstag 30.7.2015


Vor der Abfahrt um 9 Uhr morgens lernen wir Austildur, unsere robuste isländische Busfahrerin samt knallgelben, allradtauglichen "Mantra"-Kleinbus für insgesamt 16 Personen kennen. Wie sich bald herausstellt, beherrscht die zweifache Mutter die deutsche Sprache. Das allerdings bleibt unserem Reiseleiter und einem Großteil der Mitreisenden bis zum Ende der Reise verborgen. Im Schlepptau unseres etwas eng geratenen Kleinbusses führen wir während der zweiwöchigen Tour einen Anhänger mit dem Reisegepäck als steten Begleiter mit.
Wir starten unsere Rundreise mit dem sogenannten "Goldenen Ring" (Golden Circle), der die wichtigsten Sehenswürdigkeiten im Umland von Reykjavik verbindet.
Nur eine dreiviertel Stunde dauert der erste Ausritt mit dem markanten Gefährt von der Hauptstadt ins historisch bedeutendste Gebiet Islands - nach Þingvellir.
Hier wurde bereits um 930 einmal jährlich während zwei Wochen im Juni die traditionelle gesetzgebende Versammlung Althing abgehalten. Sie hatte sowohl gesetzgeberische als auch Gerichtsbarkeits-Funktionen. Es handelt sich um eines der ältesten Parlamente der Welt – nach denen in Griechenland und im Römischen Reich der Antike. Es bestand bis ins Jahr 1798, als die Dänen das Althing auflösten. An diesem historischen Ort wurde auch am 17. Juni 1944 die Republik Island ausgerufen. 2004 wurde der Nationalpark Þingvellir durch die UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen, und somit bis heute das einzige Kulturerbe Islands.
Wir spazieren die Allmänner-Schlucht hinab, wo das Auseinanderdriften der amerikanischen und europäischen tektonischen Platten durch imposante Felsspalten und Risse sichtbar wird. Unten angelangt breitet sich neben dem Lögberg der
Parlamentsplatz aus, der heutzutage durch ein Holzpodest und die isländische Flagge gekennzeichnet ist.
Eine weitere dreiviertel Fahrstunde später gelangen wir zum nächsten Höhepunkt des Tages. Das Geothermalgebiet Haukadalur mit ca. 500 m Länge und 100 m Breite ist vorallem durch den "Großen Geysir" (Stóri Geysir) weltweit ein Begriff. Dieser ist namensgebend für alle anderen geothermalen Quellen dieser Art, welche nur in ganz wenigen Regionen der Erde vorkommen. Heutzutage ist der Ursprungs-Geysir nicht mehr aktiv, allerdings die nur wenige Meter daneben gelegene Springquelle "Strokkur" um so mehr. In Abständen von nur wenigen Minuten stößt dieser unregelmäßig eine gewaltige Wasserfontäne in die Luft. Wir haben genügend Zeit um das Naturschauspiel mehrfach zu beobachten und fotografieren.
Nur wenige Kilometer entfernt machen wir erstmals auf unserer Rundreise Bekanntschaft mit einem der unzähligen namhaften Wasserfälle, die über die Grenzen Islands hinweg bekannt sind. Der Gullfoss besteht aus zwei Stufen, von denen die erste 11 m und die zweite 21 m Höhe besitzt. Diese beiden Kaskaden stehen etwa rechtwinklig zueinander.
Von der zweiten Stufe stürzt das Wasser in eine Schlucht, die eine Tiefe von 70 Metern erreicht. Unglaubliche Wassermengen stürzen die beiden Fälle hinab, so dass wir selbst am Spazierweg entlang der Schlucht einen heftigen Schauer der Wassergischt abbekommen. Die erste Bewehrungsprobe für unsere Regenjacken.
Dass es diesen beeindruckenden Wasserfall noch gibt, ist alleine dem Einsatz von Sigríður Tómasdóttir zu verdanken, die um 1920 gegen den Bau eines Elektrizitätswerks am Wasserfall kämpfte. Eine englische Gesellschaft hatte den Wasserfall gepachtet, um einen Staudamm zu errichten und Elektrizität zu erzeugen. Nach jahrelangem Rechtsstreit, und der Drohung mit dem Freitod in den Fluten, konnte der Vertrag schließlich aufgrund einer zu spät gezahlten Pacht aufgelöst werden und ging schließlich zurück an den isländischen Staat.
Bis zum letzten Besichtigungspunkt an diesem Tag sind wir beinahe zwei Stunden mit dem Bus unterwegs. Nicht wegen der großen Entfernung, sondern weil wir erstmals in den Genuss einer richtigen isländischen Piste am Rande des Hochlands kommen. Durchgerüttelt von den letzten Fahrkilometern erreichen wir den Háifoss in absoluter Abgeschiedenheit. Der "Hohe Fall" - so sein treffender Name auf deutsch - stürzt 122 m tief in das enge Fossardalur, in dessen Wänden ein deutliches Profil verschiedenster Lavaschichten zu erkennen ist. Wir haben das große Glück einen der höchsten Wasserfälle Islands bei strahlendem Sonnenschein inklusive zweier Regenbögen zu erleben. Mit Sicherheit einer der Höhepunkte der Reise.
Vorbei am Vulkan Hekla geht's schließlich zu unserem Tagesziel nach Selfoss, wo wir gegen 18 Uhr im gleichnamigen Hotel einchecken.

 

3. Rundreisetag, Freitag 31.7.2015


Um 8:30 Uhr morgens beginnt der Reisetag mit einer etwas längeren und die letzten 20 km auch abenteuerlichen Bustour in das Tal von Ϸórsmörk. Hier beweist sich die Geländetauglichkeit des Busses in ganzer Breite, denn es geht auf der Piste nicht nur über Stock und Stein, sondern erstmals gilt es auch Gletscherbäche zu durchqueren.
Ϸórsmörk wird zurecht auch als "Paradies zwischen den Gletschern" bezeichnet. Das Tal liegt geschützt im Schatten der Gletscher Eyjafjallajökull und Myrdalsjökull, die eine imponierende Kulisse abgeben.
Wir unternehmen eine einstündige Kurzwanderung in die Schlucht Stakkholtsgja, wo bis zu 100 m hohe Steilwände eine beeindruckende Kulisse und spektakuläres Fotomotiv bei traumhaftem Wetter abgeben.
Nur eine halbe Stunde später starten wir von einer Berghütte aus eine etwas beschwerlichere Wanderung auf den Hügel Valahnúkur. Nach einer dreiviertel Stunde erreichen wir schließlich den höchsten Punkt, wo sich uns eine der großartigsten Aussichten des Landes bietet. Einerseits die gigantischen Schotterbette der Gletscherflüsse, andererseits die majästetischen Gletscher als Hintergrund. Wir genießen auch hier bei Traumwetter den 360-Grad-Rundumblick auf die fantastische Natur, die uns hier wahrlich ein Fünf-Sterne-Fotomotiv präsentiert. Durchgeschwitzt - auch das kann einem in Island passieren - erreichen wir nach insgesamt 90 Minuten wieder unseren "gelben Blitz" in der Talsohle.
Nach einer Stunde Rumpelpiste erreichen wir den Ausgang des Tales, wo der erste Wasserfall des Tages auf uns wartet. Der Seljalandsfoss bietet die Besonderheit, dass man auch hinter seine Kulissen blicken kann. Ein glitschiger, und deshalb nicht ganz ungefährlicher Weg, führt hinter dem herunterstürzenden Wasserfall vorbei, so dass sich einzigartige Fotos aus dem Wasserfall heraus ergeben. Dieses beeindruckende Wasserspiel sollte man keinesfalls versäumen.
Nur 15 Fahrminuten entfernt zweigt die Ringstraße zum nächsten mächtigen Wasserfall der Region ab. Wir spazieren vom Parkplatz zum Skógafoss, von welchem die Wassermassen auf einer Breite von 25 m 60 m in die Tiefe stürzen. Ein steilerer Anstieg führt an den Ursprung des Wasserfalls. Der Ausblick von Oben lohnt allerdings kaum.
Eine Stunde später halten wir außerprogrammmäßig im kleinen Ort Vík í Mýrdal, wo sich uns ein kilometerlanger, feinsandiger schwarzer Strand ausbreitet. Wir nutzen die Gelegenheit zu einem kurzen Strandspaziergang mit Ausblick auf die Wahrzeichen des Ortes, die Reynisdrangar. Bis zu 66 m ragen die Felszinnen in der Ferne aus dem Wasser.
Gegen 18:15 Uhr erreichen wir nach einem langen, traumhaften Tag das Icelandairhotel Klaustur in Kirkjubaejarklaustur, welches uns die kommenden drei Nächte beherbergen wird.

 

4. Rundreisetag, Samstag 1.8.2015


So wie tags zuvor verlassen wir um 8:30 Uhr das Hotel, um den südlichsten Teil der Rundreise zu erkunden. Nach über einer Stunde Fahrt auf der Ringstraße beginnt der Tag mit einer Wanderung im Skaftafell Nationalpark. Und wie kann es in Island auch anders sein, ist ein Wasserfall das erklärte erste Ziel. Vom Visitor Center geht's zwischen den beiden Gletscherzungen Skeiðarárjökull und Skaftafellsjökull stets bergauf zum Svartifoss, dessen Wasser über schwarze Basaltsäulen, die an Orgelpfeifen erinnern, gut 10 m in die Tiefe stürzt. Vom Bilderbuchmotiv spazieren wir auf der Anhöhe der Skaftafellsheidi zum Aussichtspunkt Sjonarnypa, wo sich vor- und unter uns ein grandioser Blick auf den Skaftafellsjökull mit seiner Gletscherlagune präsentiert. Wir genießen ein paar Minuten dieses beeindruckende Naturerlebnis, ehe wir den teils beschwerlichen Abstieg mit einigen kleinen "Hinfallern" - glücklicherweise alle ohne Verletzungen - retour zum Visitor Center bestreiten. Nach insgesamt 2,5 Stunden Fußmarsch dürfen wir 70 Minuten Busfahrt zur Regeneration nutzen.
Nun sind wir endlich da! Direkt an der Ringstraße tauchen linkerhand die majästetisch aus dem Wasser ragenden Eisberge des Gletschersees Jökulsárlón auf. Dieser ist der bekannteste und größte einer Reihe von Gletscherseen in Island. Er liegt am Südrand des Vatnajökull auf dem Breiðamerkursandur. Mit 248 m ist er der tiefste See Islands. Der Jökulsárlón ist bekannt für die auf ihm treibenden Eisberge, die eine Höhe von bis zu 15 m erreichen. Sie lösen sich von der Gletscherzunge des Breiðamerkurjökull ab, und treiben bei meerwärts gerichteter Strömung aus dem See den kurzen Fluss ins Meer und lagern sich am angrenzenden schwarzen Basaltstrand ab. Wir haben das große Glück dieses Schauspiel bei prächtiger Witterung mitverfolgen zu dürfen. Den achzigminütigen Aufenthalt nutzen wir zu einem Spaziergang vom See ans Meer und wieder retour, wobei eine Unzahl von fantastischen Fotos mit skurilen Eisbergformationen - zum Teil in kräftig blauen Farbtönen - entstehen. Für eine Fahrt mit einem Amphibienfahrzeug auf dem See bleibt leider keine Zeit mehr. Neben einer Robbe dürfen wir auch zwei verrückte Touristen bei ihrem illegalen Bad im Eissee beobachten. Jökulsárlón ist ein absolutes Highlight der Reise und eines der beeindruckendsten Naturschauspiele, die wir je zu Gesicht bekamen.
Aber leider hat auch dieser Abschnitt der Reise sein Ende und wir starten zum letzten Abenteuer an diesem Tag.
Eine Wattfahrt mit Traktor und Anhänger auf die Halbinsel Ingólfshöfði steht als Tagesabschluss auf dem Programm. Das Hochplateau des Vogelfelsen ist 76 m hoch, 1200 m lang und 750 m breit, nur bei Ebbe zugänglich und über eine große Düne besteigbar. Die Halbinsel hat auch Historisches zu bieten. Laut Legende kam hier um das Jahr 874 der erste Siedler Ingólfur Arnarson an Land und siedelte später in Reykjavík. Uns wird die Insel von einem Nachfahren der Familie Arnarson nähergebracht.
Als Belohnung für den anstrengden Anstieg im tiefen schwarzen Sand präsentieren sich jede Menge Papageientaucher in unmittelbarer Nähe am Felshang. Noch dazu ist gerade Brutzeit, so dass wir diese außergewöhnlich fotogenen Vögel mit Fisch im Maul erhaschen. Nach 2,5 Stunden kehren wir mit dem Traktor an den Rand des Watts zurück, von wo uns der Bus zum Ausgangsort der Tagestour, nach Kirkjubaejarklaustur bringt.
Wie wir von der Busfahrerin Austildur erfahren, findet am späten Abend am Ortsrand beim Wasserfall Stjórnarfoss eine Feier zum isländischen Feiertag Verslunarmannahelgi statt. Dazu braucht man uns nicht zweimal einzuladen. Um 21:45 Uhr düsen wir zum Lagerfeuer an den Wasserfall. Begleitet von Live-Rockmusik erleben wir die ausgelassene und feuchtfröhliche Feier der Isländer mit abschließendem Feuerwerk.
Eine Stunde später sind wir auch schon wieder in unserem Hotelzimmer, so dass nicht all zu viel von der Nachtruhe verloren geht.

 

5. Rundreisetag, Sonntag 2.8.2015


Auch am Sonntag starten wir die Tagestour um 8:30 Uhr. Nach nur wenigen Kilometern auf der asphaltierten Ringstraße bewegen wir uns auch heute großteils auf Allradpiste für hochgestellte Fahrzeuge.
Erster Halt am Weg nach Lakagigar ist beim Wasserfall Fagrifoss - dem "schönen Wasserfall" -, an dem der Fluss Geirlandsa in die Tiefe stürzt.
Auf der einstündigen Fahrt zur Kraterreihe Lakagigar durchqueren wir anfangs noch grüne Landschaft, die allerdings schon bald karger und unwirtlicher wird.
Die Laki-Krater waren im Jahr 1783 Schauplatz des größten Vulkanausbruchs in geschichtlicher Zeit auf der Erde. Im sogenannten Spaltenland zwischen den Gletschern Mýrdalsjökull und des Vatnajökull öffnete sich eine 25 km lange Feuerspalte, deren über 100 Krater eine Gesamtmasse von 14 Milliarden Kubikmeter Lava förderten. Als die Lava acht Monate später endlich zum Stillstand kam, hatte der größte Lavastrom seit Menschengedenken mehr als 300 km⊃2; Land unter sich begraben. Doch die größte Katastrophe geschah erst nach Ende der eigentlichen Ausbrüche, denn die giftigen Schwefelwolken überzogen große Teile Islands mit hochgiftigem Staub. Als Folge davon starben fast alle Pferde und Schafe, und auch die Ernteerträge gingen dramatisch zurück. In den folgenden Jahren wurde rund ein Viertel der Bevölkerung ein Opfer der größten Hungersnot, die Island je erlebt hat.
Das heutige Hauptziel ist der Gipfel des 818 m hohen Berges Laki, von dem man die beste Aussicht auf die Kraterreihe erhascht. Erst tags zuvor wurde die Piste zur Laki für den Verkehr freigegeben. Ein Zeichen des ungewöhnlich kalten Sommers in Island. Der Anstieg auf den Berg ist relativ anspruchslos, der steile Abstieg hat es jedoch in sich. Dazwischen genießen wir am Gipfel den 360-Grad-Ausblick auf die vielen Vulkankegeln, die sich in einer Reihe auffädeln.
Eine halbe Stunde später unternehmen wir die nächste Kurzwanderung zu einer weiteren Besonderheit. Der Tjarnargigur ist ein Vulkankrater, in dessem Inneren sich ein See gebildet hat. Hier kann man wunderbar das mit Moos überwucherte Lavagestein bewundern, dass sich im See wiederspiegelt.
Nach zweistündiger Rückfahrt auf der Piste quer durch die Lavamassen gelangen wir kurz vor der Ringstraße zur Fjadrárgljúfur-Schlucht. Diese ist an einigen Stellen bis zu 100 m tief und hat eine Länge von etwa 2 km. Durch sie fließt der namensgebende Fluss Fjaðrá. Entstanden ist die Schlucht durch die Kraft des fließenden Wassers, das sich von den Gletschern kommend einen Weg bahnte und im Laufe der Jahrtausende immer tiefer hineingrub. Wir spazieren den Grat der beeindruckenden Schlucht entlang Richtung Ausgang zum Meer. Von hier geht's mit dem Bus direkt zum Hotel in Kirkjubaejarklaustur.
Wir nutzen das prächtige Wetter und die zwei Stunden bis zum Abendessen zu einer weiteren Wanderung. Entlang dem Systrafoss führt der Weg steil hinauf zur Abbruchkante des Hochplateaus mit schöner Aussicht auf Klaustur und dem Badesee Systravatn. Entlang der Kante führt der Weg bis zum Abstieg ins Tal und durch den Ort wieder zurück zum Hotel.
Trotz kurzer Orientierungslosigkeit und dementsprechendem Umweg kommen wir pünktlich zum Abendessen.

 

6. Rundreisetag, Montag 3.8.2015


Nach drei Nächten verlassen wir Kirkjubaejarklaustur und verbringen den letzten Reisetag im Süden Islands mit weiteren Wanderungen.
Nach zweistündiger Fahrt - fast ausschließlich auf Pisten - erreichen wir die Eldgjá-Schlucht im Süden des Hochlandes. Sie ist mit einer Länge von ca. 8 km zentraler Teil der gleichnamigen Vulkanspalte, welche übersetzt "Feuerspalte" bedeutet. Diese gehört zum Vulkansystem des Zentralvulkans Katla und ist mit einer Länge von fast 40 km, einer Breite bis zu 600 m und einer Tiefe von teilweise 200 m die derzeit größte Erruptionsspalte der Erde.
Ein relativ steiler Pfad führt vom Rand der Schlucht hinunter zum Wasserfall Ófӕrufoss. Auf Grund des ungewöhnlich kalten isländischen Sommers in diesem Jahr ist ein Teil des Weges durch eine gewaltige Schneewechte verdeckt. Aber auch dieses Hindernis kann uns vom Abstieg in die Schlucht nicht abhalten. So stapfen wir über die etwa 20 m breite Wechte wie geübte Bergfexe und erreichen schließlich die Talsohle, von der wir einen guten Blick auf den Wasserfall erhaschen. Von hier spazieren wir ca. 30 Minuten entlang der Ófӕra ("Unbezwingbare"), ehe der Bus am Parkplatz bereits auf uns wartet.
Die anschließende zweieinhalbstündige Anfahrt zur Landmannalaugar erweist sich als teils anspruchsvolle Piste in durchaus reizvoller Landschaft. Nach einigen durchquerten Furten erreichen wir den Campingplatz mit einer Hütte des Wandervereins, dem Ausgangspunkt unserer zweistündigen Wanderung.
Der Name - übersetzt "heiße Quellen der Männer vom Land" - erklärt sich einerseits aus den heißen Quellen, andererseits aus der Tatsache, dass es sich um die Hochweiden der Leute aus dem Bezirk Landssveit handelt. Die unter Naturschutz stehende Gegend gilt als eine der schönsten der Insel, was sie den zahlreichen vulkanischen Erscheinungen und den sehr farbigen Bergen zu verdanken hat. Diese sind Auswirkungen der Nähe eines aktiven Zentralvulkans, des Torfajökull. Aus graublauem Pechstein besteht der Vulkan Bláhnjúkur. Rötlich-braune Hänge (Rhyolithgestein) sind am Vulkan Brennisteinsalda zu finden, die auch streckenweise wegen Schwefel- und Kalkausfällungen graue, bläuliche und weiße Farbgebungen zeigen. Grüne Moose und weiße Schneereste, die selbst im Hochsommer vorhanden sind, setzen weitere Farbakzente. Ein schwarz glänzendes Obsidianlavafeld, das Laugahraun, reicht bis zur Wanderhütte heran.
Nach kurzer Kaffeepause begeben wir uns auf den Rundwanderweg, der über den Laugavegur, an den Schlammtöpfen beim Vulkan Brennisteinsalda vorbei, auf das Lavafeld Laugahraun führt, und am Fuße des Aussichtsberg Bláhnjúkur entlang durch die Schlucht Grænagil wieder zurück nach Landmannalaugar. Bei herrlichem Wetter können wir die verschiedenen Naturschauspiele um so mehr genießen, auch wenn die für isländische Verhältnisse hohen Temperaturen bei der Krakselei durch das stark zerklüftete Lavafeld drückend wirken.
Nur 15 km von Landmannalaugar entfernt legen wir einen Fotostop ein, der sich allemal lohnt. Beim Ljótipollur handelt es sich um einen Explosionskrater, dessen See im Krater aus Grundwasser besteht.
Gegen 18 Uhr erreichen wir das heutige Tagesziel, das Hotel Highland in Hrauneyjar, in absoluter Abgeschiedenheit am Rande des Hochlands. Das Abendessen eine Stunde später birgt dann eine besondere Überraschung für uns. Als Hauptgericht bekommen wir gekochte Lammkeule serviert. Obwohl optisch eher abschreckend, schmeckt das butterweiche Fleisch überraschend gut.

 

7. Rundreisetag, Dienstag 4.8.2015


Knapp vor Halbzeit der Rundreise verlassen wir den südlichen Teil Islands und überqueren auf der Sprengisandur-Piste das Hochland. Auf einer Höhe von 700 bis 800 m ü.M. ist sie mit knapp 200 km die längste der isländischen Hochlandpisten. Im Süden führt sie am Vulkan Hekla vorbei, in nördlicher Richtung verläuft die Schotterpiste über die Hochlandwüste zwischen den Gletschern Vatnajökull und Hofsjökull.
Bereits am Vortag hat Enrico vor den Strapazen dieses Tages für Mensch und Maschine gewarnt. Um kein zeitliches Risiko einzugehen brechen wir bereits um 8 Uhr bei stürmischem aber sonnigen Wetter auf, da man im Vorhinein nie sagen kann wie Pistenbeschaffenheit als auch Wetterverhältnisse sein werden. Noch dazu erzählt unsere Driverin Austildur, dass die Piste erst drei Wochen zuvor für den Verkehr freigegeben wurde.
Nach einem Drittel der zurückgelegten Strecke schlägt die Witterung um. Der Sturm steigert sich auf Spitzengeschwindigkeiten über 100 km/h, so dass wir uns ohne Weiteres gegen den Wind lehnen können, ohne dabei umzufallen. Bei Erreichen der Wanderhütte Nýidalur, etwa zur Halbzeit der Strecke, ist die Temperatur bis auf 1,5 Grad gesunken, leichter Regen hat eingesetzt und Nebel ist eingefallen. Nach 45-minütiger Mittagsrast inklusive Stärkung mit Eigenproviant in der sehr gemütlichen und urigen Hütte, begeben wir uns auf die zweite Teilstrecke. Ein Großteil der Gruppe nutzt das trieste Wetter zum Mittagsschlaf, ehe Austildur feststellt, dass der Bus durch den extrem rumpeligen Untergrund einen Federbruch davongetragen hat. Nichts Besonderes hier im Hochland von Island. Bis zu unserem Tagesziel stellt dies auch weiters kein großes Problem dar.
Kurz vor Ende der Hochlandpiste - nach knapp sieben Stunden - erreichen wir etwas Abseits den Wasserfall Aldeyjarfoss. Dieser erweist sich wegen des Kontrastes zwischen den ihm umrahmenden schwarzen Basaltsäulen und dem schäumenden weißen Wasser als sehr reizvoll. Insofern erinnert er an den viel kleineren Svartifoss im Skaftafell-Nationalpark, zu dem wir einige Tage davor gewandert sind.
Gegen 17:15 Uhr gelangen wir ans Etappenziel, dem Fosshotel im Ortszentrum von Húsavík, das für die kommenden drei Nächte unser zu Hause sein wird, und Ausgangspunkt für die Erkundungen im Norden der Insel.

 

8. Rundreisetag, Mittwoch 5.8.2015


Ein Blick aus dem Fenster bestätigt leider die Wettervorhersage der letzten Tage. Die Wolken hängen tief über Húsavík und es regnet teils intensiv. Mit der Überquerung des Hochlandes hat das bislang durchwegs schöne Wetter ins Gegenteil umgeschlagen.
Aber heute steht ohnehin zuerst ein Fahrzeugwechsel am Programm. Nach der Abfahrt vom Hotel um 9 Uhr geht's zur KFZ-Werkstatt außerhalb der Stadt. Für die kommenden zwei Tage bekommen wir einen Mercedes-Bus zugewiesen, der bei weitem geräumiger und komfortabler ist, allerdings die Allradtauglichkeit vermissen lässt. Die gebrochene Feder beim "Mantra" muss erst in Reykjavik organisiert, in den Norden der Insel transportiert und anschließend eingebaut werden. Hier malen die Mühlen eben noch etwas Langsamer.
Die erste Ausfahrt mit dem Mercedes führt uns in die Mývatn-Region. Knapp 50 km südlich von Húsavík liegt der See Mývatn, der eine Fläche von 37 km⊃2; aufweist und mit höchstens 4 m Tiefe sehr flach ist.
In Skútustaðir unternehmen wir bei trockenem, aber stark bewölktem Wetter den ersten Spaziergang des Tages. Bekannt ist der Ort für seine Pseudokrater. Diese entstanden, als aus dem nahen Krafla-Vulkansystem stammende Laven vor 3600 bzw. 2500 Jahren über die Gegend strömten und aufgrund des hohen Wassergehalts des sumpfigen Bodens phreatische Explosionen ausgelöst wurden. Die Krater haben keinen Zugang zu den Magmareservoiren im Erdinneren.
Wenig später erreichen wir Dimmuborgir. Hierbei handelt es sich um ein Lavafeld und die Überreste eines Lavasees. Die bizarr geformten Steinformationen des Lavafelds erinnern an verfallene Ruinen von Burgen und Türmen. Durch die düstere Wettersituation wirkt die Szenerie während des Spaziergangs äußerst mystisch.
Nach 45-minütiger Mittagsrast geht's in unmittelbarer Nähe auch schon wieder bergan. Der Tuffring Hverfjall bildete sich vor etwa 2500 Jahren in gewaltigen Wasserdampfexplosionen, die ausgelöst wurden, als das heiße Magma auf das Grundwasser stieß. Die Lava am Hverfjall ist durch Wasserdampf glasig erstarrt. Am Rande einer mächtigen Wasserdampfsäule, in der nichts absinken konnte, rieselte vulkanisches Lockermaterial herab, das diesen Ring von 1 km Durchmesser und 90-150 m Höhe bildete. Das ausgeworfene Material betrug insgesamt ca. 250 Millionen m⊃3;. Weltweit existieren nur wenige Krater dieses Typs, etwa auf Hawaii und in Oregon.
Beim Abstieg von diesem beeindruckenden Naturphänomen beginnt es erneut zu regnen, so dass wir auf den Spaziergang zur nahegelegenen Höhle Grjotagjá verzichten und diese mit dem Bus in wenigen Minuten ansteuern. Die Höhle liegt direkt auf der hier sogar an der Oberfläche sichtbaren geologischen Verwerfungszone zwischen den Kontinentalplatten von Amerika und Europa. Hier besteht die theoretische Möglichkeit mit nur einem Schritt von Europa nach Amerika zu gelangen.
Gemächlich schlängelt sich die Ringstraße den Námaskarð-Pass in der Nähe des Mývatn hinauf und anschließend wieder hinab. Am Fuße des Berges Námafjall findet sich das Hochtemperaturgebiet Hverarönd, in dem allerlei Thermalquellen, Schlammtöpfe, Fumarolen und Solfatare ihr schwefelhaltiges Unwesen treiben. Auch hier spielt das Wetter mit leichtem Niederschlag den Spielverderber. Dennoch lässt sich bei einem kurzen Spaziergang zwischen thermalischer Aktivität die Schönheit dieser Gegend erahnen.
Ein weiterer Besichtigungspunkt fällt buchstäblich dem Schlechtwetter zum Opfer. Der Leirhnjúkur ist ein Berg, der auf einer vulkanischen Spalte sitzt. Bei dermaßen dichten Nebel auf knapp 600 m verzichten wir auf die Auffahrt.
Als Ersatzprogramm besichtigen wir das kleine Besucherzentrum des Geothermalkraftwerks am aktiven Zentralvulkan Krafla. Neben Toiletten, abschäulichem Gratis-Automatenkaffee sowie trockenen Räumlichkeiten bekommen wir anhand einer Filmvorführung den Kraftwerksbetrieb erklärt.
Anschließend bringt uns der Bus zurück nach Húsavík, wo wir die frühe Ankunft am Hotel für eine individuelle Stadttour mit Besichtigung der hiesigen Kirche nützen.

 

9. Rundreisetag, Donnerstag 6.8.2015


Als wir um 8 Uhr das Hotel in Húsavík verlassen sieht das Wetter leider nicht besser als tags zuvor aus. Wie angekündigt regnet es auch heute, und der Ort präsentiert sich erneut Grau verhangen.
Wir fahren die gleiche Strecke wie am Vortag in Richtung Mývatn, von wo es ostwärts vorbei am Vulkan Krafla geht, der sich auch heute in einer Wolkenhaube verbirgt, zum ersten Tagesziel in den Jökulsárgljúfur Nationalpark.
Dieser liegt am Ufer des Flusses Jökulsá á Fjöllum und erstreckt sich von der hufeisenförmigen Schlucht Ásbyrgi im Norden bis zum Wasserfall Dettifoss im Süden. Seit der Gründung des Vatnajökull-Nationalparks 2008 gehört er zu diesem.
Nach 75-minütiger Fahrt, während der sich glücklicherweise eine Wetterbesserung einstellt, erreichen wir auf asphaltierter Straße den Dettifoss („stürzender Wasserfall“), der durch die Kombination aus Volumenfluss und Fallhöhe, knapp vor dem Rheinfall, der leistungsstärkste Wasserfall Europas ist.
Der Fluss Jökulsá á Fjöllum stürzt hier, etwa 30 km vor der Mündung in den Arktischen Ozean, in die Schlucht Jökulsárgljúfur. Der Fluss entwässert den Nordteil des Gletschers Vatnajökull. Über eine Breite von etwa 100 m ergießen sich hier die grau-braunen Wassermassen über 45 m in die Tiefe. Durchschnittlich setzen die Wassermassen am Dettifoss eine Leistung von etwa 85 Megawatt um. Bei trockener Witterung spazieren wir durch das Lavagebiet zum beeindruckenden, allerdings schwierig zu fotografierenden Wasserfall und anschließend retour zum Bus. Dabei können wir in einiger Entfernung auch den Wasserfall Selfoss erkennen.
Nur wenige Kilometer entfernt über eine schmale und holprige Piste zu erreichen, ungefähr in der Mitte des Nationalparks, befindet sich Hljóðaklettar, das nächste Tagesziel. Eine einstündige Wanderung zu den Echofelsen führt durch eine imposante Vulkanlandschaft mit bizarr erodierten Überresten von Vulkanen, eigenartigen Basaltformationen, "versteinerten Trollen" und einer Höhle. Auch hier hat der Wettergott Einsicht mit uns. Trotz tief hängender Wolken bleibt Niederschlag aus.
Die Rückfahrt nach Húsavík erfolgt über die Halbinsel Tjörnes, wo wir bei einem Zwischenstop jede Menge Papageientaucher in den Fluten des Arktischen Meeres beobachten können.
Gegen 13:45 Uhr erreichen wir wieder das Hotel, wo uns eine Stunde Zeit zur Stärkung für das Nachmittagsprogramm bleibt.
Um 15 Uhr steht eine dreistündige Whale Watching-Tour, praktisch direkt vor der Haustür, auf dem Programm. Der kleine Ort Húsavík schmückt sich schließlich mit dem Titel "Europas Hauptstadt der Walbeobachtung". Auf einem ehemaligen Walfangschiff - eingemurmelt in einen Eismeeranzug - durchkreuzen wir die nährstoffreiche Skjálfandi-Bucht auf der Suche nach den Riesensäugern. Es dauert lange, ehe wir in relativ großer Entfernung die erste Walbeobachtung machen. Ein Buckelwal mit einer Länge von etwa 12 m taucht das eine oder andere Mal auf. Fotografieren fast unmöglich, sind die Tauch-Abstände unterschiedlich lange, und ein Verfolgen des Meeressäugers dementsprechend schwierig. Auch eine zweite Beobachtung ergibt sich bald darauf. Ein etwas kleinerer Minkewal gibt uns die Ehre.
Die Rückfahrt in den Ausgangshafen erweist sich als regnerisch mit hohem Wellengang, so dass ich mir eine leichte Seekrankheit einhandle. Schließlich sind wir froh in Húsavík wieder festen Boden unter den Füßen vorzufinden. Schon beim anschließenden Abendessen geht es mir glücklicherweise wieder besser, so dass ich nicht auf das leckere Essen verzichten muss.

 

10. Rundreisetag, Freitag 7.8.2015


Nach drei Nächten im Fosshotel in Húsavík verlassen wir um 8:30 Uhr den netten kleinen Ort im Norden Islands bei erneut trübem und regnerischem Wetter.
Eine halbe Stunde später erreichen wir den in Sichtweite der Ringstraße gelegenen Wasserfall Goðafoss ("Götterfall"). Hier stürzt der Fluss Skjálfandafljót über einer Breite von ca. 30 m etwa 12 m in die Tiefe. Durch sein fotogenes Motiv und die Nähe zur Hauptverkehrsstraße zählt er zu den meistbesuchten Wasserfällen des Landes.
Nur 45 Minuten und einen Buswechsel später - wir bekommen den reparierten Mantra wieder zurück - erreichen wir die viertgrößte Stadt Islands und Hauptstadt des Nordens Akureyri. Der Regen hat inzwischen aufgehört, so dass wir den zweistündigen Aufenthalt im Trockenen genießen können. Erste Anlaufstelle ist die das Stadtbild prägende Evangelisch-Lutherische Kirche Akureyrarkirkja („Akureyris Kirche“) auf einem Hügel oberhalb der Stadtmitte.
Diese kleine Version der Hallgrimskirche in Reykjavik wurde vom isländischen Architekten Guðjón Samúelsson entworfen und 1940 eingeweiht. Im kahlen Inneren stechen die bunten Glasfenster sowie die ansehnliche Orgel ins Auge.
Vorbei an der kleinen aber netten Katholischen Kirche Péturkskirkjan gelangen wir zum Botanischen Garten der Stadt. Obwohl Akureyri nur 50 km südlich vom Nördlichen Polarkreis liegt kann man auf 3,6 ha Gartenfläche etwa 400 isländische sowie insgesamt 7000 Pflanzenarten bewundern. Nach kurzem Spaziergang durch den Garten nutzen wir die Freizeit in der Haupteinkaufsstraße zu einer Rast im Kaffeehaus mit isländischer Mehlspeise und anschließendem Besuch einer Würstel-Bude (Hütte) - die schon der amerikanische Präsident Bill Clinton bei seinem Aufenthalt in der Stadt unsicher gemacht hat - mit einem typisch isländischen Hot Dog.
Gesättigt geht's eineinhalb Fahrstunden weiter in die nördlichste Stadt Islands nach Siglufjörður. Mit den riesigen Heringsschwärmen Anfang des 20. Jhdt's setzte im kleinen Fischerdorf Goldgräberstimmung ein. Nowegische Unternehmer siedelten sich an, so dass Siglufjörður innerhalb von 40 Jahren auf 3000 Einwohner anwuchs und zur berühmtesten Heringsstadt der Welt avancierte. In 23 Fangstationen wurde Hering gesalzen und in Fässern eingelegt, sowie zu Tran und Mehl verarbeitet. Doch im Jahre 1969 verschwand der Hering plötzlich, die Bestände waren überfischt. Fabriken mussten schließen, und so rasch die Einwohnerzahl stieg sank sie auch wieder. Heute erinnert das Heringsmuseum an die glorreichen Zeiten des Ortes. In drei Gebäuden können wir recht anschaulich die damalige Zeit des Heringsfangs nachvollziehen. Sowohl Arbeitsbedingungen in den Fabriken als auch Lebensbedingungen kann man sehr authentisch erleben. Ein durchaus sehenswertes und informatives Museum.
Nach einer Stunde machen wir uns auf den verbleibenden Weg zu unserem Tagesziel nach Sauðárkrókur. Allerdings darf ein außerplanmäßiger Halt nicht fehlen. In Gröf, südlich des Ortes Hofsós, besichtigen wir die kleine sehenswerte Grassodenkirche, die in den 1670er Jahren erbaut wurde und 1953, nachdem sie verfallen war, renoviert wurde. Sie zählt zu den ältesten erhaltenen Gotteshäusern Islands.
Gegen 17:15 Uhr erreichen wir das Hotel Mikligardur in Sauðárkrókur. Da an diesem Wochenende ein großes Nachwuchs-Fussballturnier in der Stadt ausgetragen wird, sind jede Menge Knirpse mit überschüssiger Energie im Hotel einquartiert, die bis spät Abends ausharren und uns den Schlaf rauben.

 

11. Rundreisetag, Samstag 8.8.2015


Wir verlassen das Hotel in Sauðárkrókur erst um 9 Uhr und sind bereits 10 Minuten später beim ersten Besichtigungspunkt angelangt.
Bei passablem Wetter besuchen wir das bekannteste und meistbesuchte Freilichtmuseum des Landes in Glaumbӕr.
Die Gründung des Gehöftes geht wahrscheinlich auf das isländische Entdeckerehepaar Thorfinn Karlsefni und Guðríður Þorbjarnardóttir zurück, die sich nach ihrem Kolonisationsversuch im neufundländischem "Vinland" hier im 11. Jhdt. niedergelassen haben. An den Ausmaßen des Museumshofs erkennt man wie wohlhabend die Kaufmannsfamilie durch den Grönlandhandel gewesen sein muss. Die ältesten erhaltenen Gebäudeteile des Torfhofes stammen aus dem beginnenden 19. Jhdt. Wir nutzen die einstündige Besichtigungszeit zur genaueren Erkundung als auch zum Besuch des Kaffees, welches in einem 1870 erbauten, zweistöckigen Gebäude untergebracht ist. Dieses sollte man keinesfalls versäumen, da noch weitere Zimmer im damaligen Stil eingerichtet sind. Der Besuch des Freilichtmuseums Glaumbӕr ist lohnenswert, um Einblick in die rauhen Lebensgewohnheiten der damaligen Zeit auf Island zu gewinnen.
Nach 80-minütiger Busfahrt erreichen wir die Halbinsel Vatnsnes, wo wir bei der Umrundung und einigen interessanten Zwischenstops an die drei Stunden verbringen.
Der erste kurze Spaziergang im Osten der Halbinsel führt zu einer der wenigen bisher entdeckten Festungsanlagen in Island nach Borgarvirki. Sie ruht in 177 m Höhe auf einem natürlichen Bollwerk aus Basaltsäulen. Die 10–15 m hohen Säulen bilden in sich schon einen festungsartigen Aufbau mit einer 5–6 m tiefen Senke in der Mitte. Auf diesen hat man weitere Gesteinslagen von 1-2 m Höhe und bis zu 30 m Länge aufgeschichtet. Die Festung stammt vermutlich aus dem 10. oder 11. Jhdt.
Wenig später schon der nächste kurze Fußmarsch zum Basaltfelsen Hvítserkur („weißes Nachthemd“). Der etwa 15 m hohe Felsen ist Nistplatz verschiedener Vogelarten. Einer isländischen Sage nach soll es sich bei dem Felsen um einen Troll handeln, der von der Sonne versteinert wurde, als er das Kloster Þingeyrar mit Steinen bewarf. Dieser gilt als eines der markantesten Fotomotive des Landes. Auch für uns öffnet sich die leichte Wolkendecke, so dass sonnigen Aufnahmen nichts im Wege steht.
Ein letzter Spaziergang im Westen der Halbinsel Vatnsnes rundet die Besichtigungstour ab. In Illugastadir stapfen wir zu den Felsen vor der Küste, wo man Robben, die sich in der Brandung räkeln beobachten kann. Trotz einiger Entfernung lassen sich die Tiere mit einem guten Objektiv auch vernünftig ablichten.
Anschließend verlassen wir wieder die interessante Halbinsel Vatnsnes und durchqueren das unwirtliche Laxárdalur. Auf der letzten Tagesetappe können wir bei einem Fotostop wundervolle Aufnahmen der berühmten Island-Pferde machen.
Schließlich erreichen wir gegen 18 Uhr das auf der Halbinsel Snӕfellsness am Breiðafjörður gelegene Städtchen Stykkishólmur, wo wir im gleichnamigen Hotel für die kommenden zwei Nächte Quartier beziehen. Nach dem Abendessen nutzen wir die lange, helle Sommernacht im hohen Norden, um einen Verdauungsspaziergang im Fischerei- und Handelszentrum der Region zu unternehmen.

 

12. Rundreisetag, Sonntag 9.8.2015


Auch am Sonntag müssen wir früh aus den Betten, startet doch schon um 8:30 Uhr von Stykkishólmur die ganztägige Besichtigungstour rund um die Halbinsel Snӕfellsness.
Los geht's auf der Südseite der Halbinsel mit einem Strandspaziergang beim Weiler Búðir, der heute nur noch aus einer Kirche und einem Hotel besteht, jedoch bis etwa 1930 eine wichtige Rolle als Handelsplatz spielte. Hier befanden sich in dänischer Herrscherzeit im 16. Jhdt. Winterfischerdörfer und auch Handelsniederlassungen. Wir schlendern durch die schöne Lavalandschaft, durchsetzt mit Grasflächen als auch Sandanhäufungen entlang der Küste.
Weiter westlich befindet sich auf der Südseite des Vulkans Snæfellsjökull der kleine Fischerort Arnarstapi, Ausgangspunkt einer etwas längeren Küstenwanderung. Auf der 3 km langen Route in den Nachbarort Hellnar treffen wir auf eine auffallend erodierte schwarze Steilküste mit Höhlen und Felsentoren. Das Meer hat die Basaltsäulen am Strand umgeformt und unterschiedlichste Buchten und Höhlen gebildet. Verschiedenste Felssäulen, ehemalige Lavakanäle und Reste von Kratern, stehen im Meer und dienen den zahlreichen Seevögeln als Nistplätze. Trotz stürmischem Wetter genießen wir die fantastische Küstenlandschaft mit ihren schier endlosen Fotomotiven.
Wenig später gelangen wir in den Snæfellsjökull-Nationalpark, dem jüngsten des Landes. Hier unternehmen wir eine weitere Küstenwanderung zu den beiden markanten Felstürmen von Lóndrangar. Steht man direkt unter ihnen sind sie mit einer Höhe von 75 bzw. 61m eindrucksvolle Erscheinungen. Hier am Fuße des Gletschervulkans Snæfellsjökull reißt auch die Wolkendecke auf, so dass sich der 1446 m hohe Berg prima ablichten lässt.
Aus der Bucht Djúpalón ruderten früher die Fischer aufs Meer hinaus, da dieses hier ruhiger ist und das Rudern einfacher. Trotzdem mussten die jungen Männer zuvor eine Kraftprobe bestehen und die drei unterschiedlich großen Steine in der Bucht heben. Nur wer den Größten stemmen konnte, durfte mit auf's Meer. Heute versucht sich Reiseleiter Enrico an der Kraftprobe und besteht diese mit einiger Mühe. Am Strand, der übersäht von rostigen Bootsteilen eines gestrandeten Schiffes ist, überrascht uns eine Welle, so dass wir für einen Moment bis zu den Knien im Wasser stehen.
Auch der Vulkankegel Hólaólar bietet eine Besonderheit. Hier kann man mit dem Fahrzeug direkt ins Kegelinnere fahren, was wir mit unserem knallgelben Gefährt auch gleich ausprobieren, um ein witziges Foto zu schießen.
Letzter Programmpunkt der Erkundungstour um die Halbinsel Snӕfellsness ist der Besuch des Wasserfalls Kirkjufellsfoss, ehe es wieder retour nach Stykkishólmur geht.
Da es noch zu früh für Hotel und Abendessen ist, nutzen die meisten der Gruppe den angebrochenen Nachmittag für einen Spaziergang im hiesigen Ort. Auf Empfehlung von Enrico besuchen wir die "Bibliothek des Wassers" im ehemaligen Bibliotheksgebäude auf einer Anhöhe in der Stadt, welches die New Yorker Künstlerin Roni Horn gekauft hat. Bäumen gleich stehen in den lichtdurchfluteten Räumen 24 Glaskörpersäulen von 2,90 m Höhe und 300 mm Durchmesser, die mit Wasser von isländischen Gletschern gefüllt sind. Ihren vollen Reiz entfalten die Stelen, wenn der Blick hindurch in die Natur schweift. Wie durch Hohlspiegel erscheint das vom erhöhten Standort erlebbare Panorama mit Hafen, Meer, Häusern und Himmel verzerrt. Auf der gegenüberliegenden Seite des kleinen Hafens besteige ich den Hügel und bestaune den hiesigen Leuchtturm, ehe es leicht zu regnen beginnt und ich den Rückmarsch zum Hotel antrete.

 

13. Rundreisetag, Montag 10.8.2015


Am Montag Morgen um 8:30 Uhr verlassen wir nach zwei Nächtigungen das Hotel in der netten Gemeinde Stykkishólmur und gleichzeitig auch die landschaftlich spektakuläre Halbinsel Snӕfellsness, um die letzte Etappe zurück nach Reykjavik in Angriff zu nehmen.
Erster Programmpunkt nach zweistündiger Fahrt ist die Deildartunguhver, die wasserreichsten Heißwasserquellen des Landes. Sie haben einen Ausstoß von etwa 180 Liter/Sek. an 100 Grad heißem Wasser. Isolierte Pipelines führen das heiße Wasser bis in die etwa 60 km entfernten Gemeinden. In dieser Region befinden sich daher auch zahlreiche Gewächshäuser, in welchen verschiedenstes Obst und Gemüse angepfnazt wird. Man sollte es in der Nähe des nördlichen Polarkreises nicht für möglich halten, doch haben wir tatsächlich ein Gewächshaus mit Erdbeerplantagen besucht.
Im Anschluss legen wir in der nur wenige Kilometer entfernten kleinen Gemeinde Reykholt einen außerplanmäßigen halbstündigen Zwischenstop ein, wo wir sowohl die alte Holzkirche als auch die neue Kirche besuchen.
Nach zehnminütiger Fahrt erreichen wir schließlich den heutigen Höhepunkt. Die Hraunfossar sind Wasserfälle des Flusses Hvítá. Auf einer Länge von ca. 700 Meter strömt in über hundert kleinen Wasserfällen schäumend und sprudelnd Wasser aus dem schwarzen Gestein des ca. 1000 Jahre alten Lavafeldes Hallmundarhraun. Der Grund liegt etwas weiter flussaufwärts. Der vom Langjökull-Gletscher gespeiste Fluss gräbt sich sein Flussbett entlang der Grenze des zum Hallmundarhraun gehörigen Lavastromes Gráhraun, der dort zum Stehen gekommen ist. Ein kleiner Seitenarm versickert in der porösen Lava und fließt unterirdisch auf einer etwas tiefer gelegenen, wasserundurchlässigen Basaltschicht weiter. Zirka ein Kilometer flussabwärts kommt das Wasser in Form von unzähligen kleinen Wasserfällen und Rinnsalen wieder zu Tage. Das Wetter zeigt sich bei unserem 45-minütigem Spaziergang entlang der kleinen Schlucht des schäumenden Flusses Hvítá von seiner feinsten Seite. Die Wolkendecke öffnet, so dass die Sonnenstrahlen das spektakuläre Szenario in das richtige Licht setzen können. Das Gletscherwasser schimmert teilweise in hellblauen Farben, welches an das karibische Meer errinnert. Wir genießen unsere letzten Wasserfälle auf der Rundreise durch Island, einen der Höhepunkte der letzten beiden Wochen.
Die kommenden zweieinhalb Stunden bewegen wir uns mit dem Bus wieder auf äußerst unwegsamen Terrain über die Kaldadalsvegur-Hochlandpiste. Das Kaldidalur ist ein Tal zwischen dem Vulkan Ok und dem Gletscher Þórisjökull, wo die kürzeste Hochlandpiste Islands mit 40 km Länge verläuft. Bei einem Fotostop mit Blick auf den Gletscher, können wir einen kurzen "Ausflug" auf eine riesige Schneewechte wagen. Ein weiteres Indiz, wie kalt der heurige Sommer in Island verlaufen ist. Im Þingvellir Nationalpark endet die Strecke über das Hochland und der Kreis unserer Rundreise schließt sich.
Gegen 15 Uhr erreichen wir nach beinahe zweiwöchiger Island-Durchquerung die Hauptstadt Reykjavik und das altbekannte Hotel Natura, welches uns für eine weitere Nacht beherbergt. Nach dem Einchecken nutzen wir den verbleibenden Nachmittag zu einem Fußmarsch zum Kringlan-Einkaufzentrum, dem größten seiner Art in der Stadt. Auf Empfehlung des Reiseleiters geht's nach dem Shoppen in die Hamburger-Fabrik (Islenska Hamborgarafabrikkan), einer Lokalität ähnlich den Hard Rock Cafes. Mit herrlichen Burgern beenden wir diesen erholsamen Reisetag.

 

14. Rundreisetag, Dienstag 11.8.2015


Der letzte Reisetag beginnt ungewöhnlich erholsam. Da wir auf einen Ausflug verzichten können wir einmal richtig Ausschlafen. Nach dem Frühstück um 10 Uhr packen wir die Koffer und geben diese bis zum Abend zur Gepäcksaufbewahrung bei der Rezeption ab. Hier erhalten wir auch Gratis-Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel in Reykjavik.
Diesen angenehmen Umstand nutzen wir sogleich, um mit dem öffentlichen Bus vom Hotel zum Freilichtmuseum Árbæjarsafn zu gelangen, welches sich außerhalb des Zentrums befindet. Ohne umzusteigen, und nach wenigen Gehminuten, erreichen wir das Museum.
Auf dem Gelände eines ehemaligen Bauernhofs sind über 40 Stadt-, Dorf- und Bauernhäuser zu bewundern, die aus der Stadtmitte Reykjaviks so wie von anderen Orten Islands hierher gebracht und saniert wurden. Durch die alten Gebäude wird man ins Island des 19. Jhdt's zurückversetzt. Zweieinhalb Stunden benötigen wir um das große Areal samt Gebäuden ausführlich und ohne Zeitdruck zu besichtigen. Dabei darf auch ein Besuch im Café in Dillon’s Haus aus dem Jahr 1835 nicht fehlen.
Am frühen Nachmittag nehmen wir den Bus retour ins Zentrum Reykjaviks, wo wir nochmals einen Bummel in der Haupteinkaufsstraße unternehmen und auf den Hügel zur Hallgrimskirche stapfen. Schließlich entscheiden wir spontan der Hamburger-Fabrik im Einkaufszentrum Kringlan einen weiteren Besuch abzustatten. Den Entfernung dorthin unterschätzen wir jedoch, so dass wir ein Stück per Bus zurücklegen.
Unser letztes Abendessen in Island genießen wir in vollen Zügen, ehe wir uns auf den Weg zum Hotel begeben. Dabei überqueren wir den Hügel Öskjuhlíð, auf dem sich die sogenannte "Perle" (Perlan) befindet. Sechs Aluminiumtanks wurden hier mittels Glaskuppel überdacht und dienen als Warmwasserspeicher, der von Ingimundur Sveinsson entworfen und 1991 eröffnet wurde. Von hier aus wird die Stadt mit Warmwasser versorgt, auch die im Winter beheizten Gehwege und Straßen. Wir nutzen das herrliche Sommerwetter für den Besuch der Aussichtsplattform am Dach eines der Tanks, die einen Rundumblick über Reykjavík und weit in das Land hinein erlaubt. Mit diesem Eindruck beenden wir gleichzeitig die Besichtigung der Insel im Hohen Norden, ehe wir um 21 Uhr mit dem Bus vom Hotel zum Flughafen in Keflavik transferiert werden, wo eine schier endlose Warteschlange an den Schaltern auf uns wartet. Mit 30-minütiger Verspätung hebt der Flieger um 0:45 Uhr in Richtung Heimat ab, wo wir nach knapp vierstündigem Flug um 6:30 Uhr Ortszeit wohlbehalten landen.
Nach der Ankunft in Wr. Neustadt müssen wir uns erst einmal von der schlaflosen Nacht erholen.

 

RESÜMEE ZUR REISE


Nach 14 Rundreisetagen zu den wichtigsten Plätzen sowie entlegeneren Regionen von Island, können wir von einer Reise in eine andere Welt berichten. Und das, obwohl wir uns auf europäischem Boden bewegten. Kein anderes Land auf dem Kontinent ist mit dieser Vielfalt an Naturphänomenen vergleichbar. Nicht um sonst wird Island in der Reiseliteratur als auch bei Reiseveranstaltern als "Insel aus Feuer und Eis" gepriesen. Diesem Image wird die Insel am Nördlichen Polarkreis voll und ganz gerecht. Einerseits prodelnde Heißwasserquellen, Geysire und aktiver Vulkanismus, andererseits die größten Gletscher Europas und Schnee auch noch in den Sommermonaten im Hochland.
Zudem ist Island das Land der unzähligen Wasserfälle, die in Ursprung und Form nicht unterschiedlicher sein könnten, und sicherlich die schönsten und mächtigsten Europas sind.
Die Insel im Hohen Norden ist auch ein Land der großen Gegensätze. Die Hauptstadt Reykjavik als Ballungszentrum, sowie die grenzenlose Einsamkeit, abseits jeglicher Zivilisation, in Großteilen des übrigen Landes, wo Orte mit mehr als 1000 Einwohner bereits größere Städte darstellen. Andererseit Supermärkte, die selbst in kleinen Ortschaften bis spät abends oder gar 24 Stunden geöffnet haben, als auch bargeldloses Zahlen mittels Kreditkarte. So haben wir während des zweiwöchigen Aufenthalts keine einzige Isländische Krone gewechselt und sämtliche Beträge, ob groß oder klein, mit Kreditkarte beglichen. Selbst die Toilettengebühr bei einer Lokalität in Dimmuborgir konnten wir an einem Automaten mit Plastikkarte berappen, worauf wir einen Ausdruck mit Barcode erhielten, der uns wiederum Zutritt zu den Toiletten gewährte.
Mit Enrico Gabriel hatten wir einen alten Bekannten als Reiseleiter an unserer Seite, der uns bereits vier Monate zuvor durch Myanmar lotste. Für ihn war kein Anstieg zu steil und kein Felsen zu hoch, um ihn nicht zu erklimmen.
Die relativ kleine 13-köpfige Reisegruppe erwies sich bei den vielen Wanderungen als geländegängig, ebenso unser knallgelber Offroad-Bus, der trotz Federbruchs bei der Hochland-Überquerung - mit kurzer Unterbrechung in Húsavík - bis ans Ende der Rundreise durchhielt.
Für die Highlights auf Island sorgt ganz alleine Mutter Natur, insbesondere die vielen attraktiven Wasserfälle. Hervorzuheben hierbei sind rein subjektiv Gullfoss, Háifoss, Aldeyjarfoss und die Hraunfossar. Traumhaft schöne Landschaften erlebten wir bei den Wanderungen in der Region von Ϸórsmörk und Landmannalaugar im Süden der Insel als auch entlang der Küste auf der Halbinsel Snӕfellsness im äußersten Westen.
Als absolutes persönliches Highlight in den zwei Wochen dürfen wir bei Bilderbuchwetter den Besuch bei der Gletscherlagune Jökulsárlón hervorheben. Aber auch die Wattfahrt zur Halbinsel Ingólfshöfði, wo wir aus unmittelbarer Nähe Papageientaucher beobachten und fotografieren konnten, zählt zu den bleibenden Erinnerungen.
Für alle Naturliebhaber, die etwas Abenteuerlust mitbringen, ist Island genau das richtige Reiseziel. Dabei sollte man darauf achten die richtige Kleidung mit dabei zu haben. Auch im Hochsommer kann es im Hochland Temperaturen an den Gefrierpunkt geben, wie wir selbst erleben durften. Wenn man individuell unterwegs ist unbedingt ein Allradfahrzeug anmieten, ansonsten kann man die Insel nur auf der gut asphaltierten Ringstraße umrunden und gelangt nicht in das interessante Landesinnere. Zu beachten ist auch die günstigste Reisezeit. Aus unserer Erfahrung ist das Zeitfenster hierfür mit Mitte Juli bis Ende August recht eng bemessen. Ansonsten kann es schon passieren, dass die eine oder andere Piste, speziell im Hochland für Fahrzeuge gesperrt ist.

 


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