Tunesien (26.12.2019-5.1.2020)

 

 

 

 

Reiseroute

  • 26.12.19: Anreise von Wien nach Tunis.
  • 27.12.19: Tunis - Karthago - Le Bardo (Nationalmuseum) - Tunis
  • 28.12.19: Tunis - Kairouan - Mahdia
  • 29.12.19: Mahdia - El Djem - Sfax - Gabes
  • 30.12.19: Gabes - Matmata - Tamezret - Douz
  • 31.12.19: Douz - Camp Mars (Sahara)
  • 01.01.20: Camp Mars (Sahara) - Douz - Chott el Jerid - Tozeur - Bergoase Chebika - Nefta - Tozeur
  • 02.01.20: Tozeur - Sbeitla - Sufetula - Port El Kantaoui
  • 03.01.20: Port El Kantaoui - Monastir - Sousse - Port El Kantaoui
  • 04.01.20: Port El Kantaoui - Takrouna - Zaghouan - Tunis
  • 05.01.20: Tunis - Rückflug nach Wien

 

 

Fotogalerien

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TUNIS
TUNIS
EL DJEM
EL DJEM
SUFETULA
SUFETULA
KARTHAGO
KARTHAGO
MATMATA & TAMEZRET
MATMATA & TAMEZRET
MONASTIR & SOUSSE
MONASTIR & SOUSSE
SIDI BOU SAID
SIDI BOU SAID
SAHARA
SAHARA
TAKROUNA & ZAGHOUAN
TAKROUNA & ZAGHOUAN
KAIROUAN
KAIROUAN
BERGOASE CHEBIKA
BERGOASE CHEBIKA

 

Rundreise durch Tunesien

 

URLAUBSPLANUNG


Einem Weihnachtsmarktbesuch und der dazugehörigen Freundin haben wir diese Reise zu verdanken.
Anfang Dezember besuchten wir wie jedes Jahr die Wiener Weihnachtsmärkte. Spontan trafen wir uns mit Freundin Irene am Weihnachtsdorf Maria-Theresien-Platz. Im Gespräch stellte sich heraus, dass sie zu den Weihnachtsfeiertagen noch keine Reise geplant hat, aber eigentlich weg wolle. Ähnlich erging es uns auch. Sie hätte eine Tunesien-Rundreise mit dem Reiseleiter Sepp Kaiser entdeckt, wisse allerdings nicht, ob diese noch zu buchen sei.
Da Sepp wenige Monate zuvor unser Reiseleiter bei der Peru-Rundreise war, hatten wir seine Telefonnummer gespeichert. Ein Anruf genügte und die Dinge kamen ins Rollen.
Zwei Tage später hatten wir Gewissheit, dass es sowohl Flüge als auch Hotelzimmer für uns gab. Lediglich zwei zusätzliche Zelte für die Silvester-Übernachtung im Camp Mars in der Sahara waren nicht mehr zu bekommen. Aber dafür sollte es bei insgesamt elf Single-Reisenden auch eine Lösung geben.
Obwohl wir Tunesien als Reiseland bislang überhaupt nicht auf dem Radar hatten, buchten wir also drei Wochen vor Abreise diese 11-tägige Raiffeisen-Rundreise. Wie sich im nachhinein herausstellte ein Glücksfall.

 

ANREISETAG - Donnerstag 26.12.19


Um 13:10 Uhr beginnt das Abenteuer Tunesien. Verlässlich wie ein Uhrwerk wartet Freundin Monika bereits auf uns, die selbst am Weihnachtsfeiertag Bahnhofstaxi für uns spielt.
Um 13:30 Uhr besteigen wir in Wr. Neustadt den völlig überfüllten Fernzug von Zagreb nach Wien. Am Hauptbahnhof der Bundeshauptstadt dann einmal Umsteigen, und schon gehts weiter zum Flughafen, wo wir bereits um 14:30 Uhr aufschlagen. Hier treffen wir nicht nur unsere Freundin Irene - die uns auf der Reise begleitet - sondern auch Reiseleiter Sepp Kaiser.
Um 18:20 Uhr, mit 35 Minuten Verspätung, starten wir mit einem völlig verschmutzten Airbus A 320 der Fluglinie Tunisair nach Tunis. Überraschenderweise bekommen wir eine warme Mahlzeit serviert, obwohl der Flug lediglich 1:50 Stunde dauert. Originell auch der Bordverkauf. Der Alkohol geht wie die warmen Semmeln, und das buchstäblich bis zur Landung. Ja tatsächlich! Das Bordpersonal ist bis zum bitteren Ende am Verkaufen und vergisst dabei sogar auf's Anschnallen. Trotz optisch desolatem Flieger landen wir um 20:10 Uhr mit 15 Minuten Verspätung sicher in der tunesischen Hauptstadt. Eine Stunde später verlassen in voller Besetzung mit 24 Reiseteilnehmern das Flughafenareal und erreichen nur 15 Minuten später das 5* Hotel Africa im Zentrum der Stadt. Zuerst schreiten wir zum ausgezeichneten und umfangreichen Abendbuffet ins hoteleigene Restaurant, ehe wir das geräumige und schöne Zimmer im 22. und letzten Stockwerk beziehen. Langsam aber sicher wird es auch Zeit schlafen zu gehen, wartet doch am darauffolgenden Reisetag ein dichtes Programm auf uns.

 

1. Rundreisetag - Freitag 27.12.19

Nach einer schlaflosen Nacht wegen Verdauungsproblemen, starten wir um 8 Uhr in den ersten Besichtigungstag. Gleich am Morgen fahren wir wenige Kilometer nördlich von Tunis in das historische Karthago.
Karthago wurde im 9. oder 8. Jhdt. v. Chr. von phönizischen Siedlern aus Tyros gegründet. In den ersten beiden Jahrhunderten ihres Bestehens war Karthago noch von der Mutterstadt Tyros (Tyros liegt im Süden des Libanons) abhängig. Als das phönizische Mutterland 539 v. Chr. von den Persern erobert wurde, löste sich Karthago aber vom tyrischen Einfluss. In der Folgezeit entwickelte sich die einstige Kolonie zu einer bedeutenden See- und Handelsmacht und gründete nun selbst Kolonien rund um die Mittelmeerküste. Die Drei Punischen Kriege gegen das aufstrebende Rom führten letztlich zum Niedergang Karthagos. Der Dritte Punische Krieg endete 146 v. Chr. mit der vollständigen Zerstörung Karthagos. Danach ging das karthagische Reich im römischen Imperium auf. Wobei das unter Gaius Iulius Caesar neu gegründete Karthago abermals zu einer bedeutenden Großstadt aufsteigen konnte.
Im 4. Jhdt. wurde Karthago von den Vandalen erobert, sie machten die Stadt zur neuen Hauptstadt ihres Reiches. Zwar wurde Karthago 533 von den Römern zurückerobert, doch ihre Blütezeit war nun endgültig vorbei. Mitte des 7. Jhdt. fielen die Araber in Nordafrika ein und gründeten mit Kairouan ihre erste afrikanische Stadt. So kam mit dem Ende der Antike auch das endgültige Ende von Karthago, dessen Ruinen ab sofort nur mehr als Steinbruch für die nahe gelegenen Städte Tunis, Kairouan und Sousse dienten.
Heute ist Karthago ein Vorort von Tunis. Sein archäologisches Ausgrabungsgelände wurde 1979 ihrer historischen Bedeutung wegen in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes aufgenommen. Allerdings ist nur mehr wenig alte Bausubstanz vorhanden, von den punischen Bauten ist so gut wie Nichts mehr übriggeblieben.
Wir beginnen die Besichtigung am Byrsa-Hügel, wo sich eine aus dem Ende des 19. Jhdt. erbaute katholische Kirche befindet - die Kathedrale des heiligen Ludwig von Karthago. Diese wurde bei der einstigen Akropolis der Punier von den Franzosen erbaut. Ab 1964 war der Sakralbau ungenutzt, so erhielt er 1994 als kulturelle Begegnungsstätte und Museum eine neue Funktion.
Zweiter Besichtigungspunkt in Karthago ist die Antonius-Pius-Therme, deren imposante Überreste direkt am Mittelmeer liegen. Die beeindruckende Antonius-Pius-Therme aus dem Jahr 162 n. Chr. zählte zu den größten und schönsten Wellnesstempeln des gesamten Römischen Reiches.
Nach 40 Minuten verlassen wir die Anlage und fahren ins benachbarte Städtchen Sidi Bou Said.
Sidi Bou Saïd liegt am Felsen von Karthago am Golf von Tunis und ist heute ein Künstlerdorf. Früher lebten hier Marabouts, religiöse Einsiedler.
Schon 1207 ließ sich der selbsternannte Mystiker Abou Saïd Khalafa ben Yahia hier nieder, um sich dem Sufismus zu widmen. Nach seinem Tod wurde er heiliggesprochen und der Hügel von Sidi Bou Saïd wird seither als heiliger Ort verehrt.
Die Architektur des heutigen Sidi Bou Saïd wurde aber von den Mauren geprägt, die sich im 16. Jhdt. in ganz Nordtunesien niederließen.
Das Wetter ist trotz strahlendem Sonnenschein relativ kühl, auch weil der Wind recht heftig weht.
Sidi Bou Said ist für seine weißen Häuser mit blauen Eingangstüren bekannt. Wir fühlen uns nach Griechenland versetzt. Insgesamt bleiben wir fast eineinhalb Stunden in den engen Gassen des Städtchen, und können dabei jede Menge an Fotomotiven einfangen.
Von Sidi Bou Said benötigen wir 50 Minuten bis wir Le Bardo wenige Kilometer westlich von Tunis erreichen. Hier besichtigen wir das Nationalmuseum, welches eine Unmenge, teils riesiger Mosaike aus dem ganzen Land beherbergt. Fantastisch das Farbenspiel der Mosaike an Böden und Wänden. Wir sehen auch einige byzantinische Taufbecken. Ein sehr schönes Museum. 2015 ereignete sich hier ein Terroranschlag mit knapp 30 Todesopfer, zu dem sich der Islamische Staat bekannte.
Zwanzig Minuten später sind wir zurück im Zentrum von Tunis.
Tunis ist die Hauptstadt und mit 1,1 Mio. Einwohnern die größte Stadt Tunesiens. In der Agglomeration wohnen mehr als doppelt so viele Menschen. Ihr historischer Kern, die Médina, steht auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Tunis ist eine der ältesten Städte am Mittelmeer und existierte bereits vor dem Eintreffen der ersten phönizischen Kolonisten im 9. Jhdt. v. Chr. Jedoch stand das numidische Tunes während der Antike stets im Schatten der mächtigen Zentren Karthago, Kairouan und Mahdia. Erst nach der arabischen Eroberung und der Zerstörung Karthagos Ende des 7. Jhdt. gelangte das bescheidene Dorf zu überregionaler Bedeutung. 1159 wurde Tunis unter der Regierung der Almohaden zur Hauptstadt ernannt und erblühte zu einem führenden Handelszentrum mit Europa.
Wir durchstreifen die Médina mit ihren unzähligen kleinen Läden, wobei der Gold- und Silberschmuck überwiegt. Schließlich gelangen wir auf die Hauptstraße und besichtigen dort die katholische Kathedrale, während sämtliche Moscheen des Landes für uns Ungläubige versperrt bleiben. Überraschend finden wir eine riesige Krippe und einen Weihnachtsbaum im Inneren vor. Während im deutschsprachigen Raum mittlerweile vehement gegen katholische Bräuche vorgegangen wird, ist dies in einem nordafrikanischen Land mit 98% muslimischen Anteil unter der Bevölkerung, und nur etwa 30.000 Katholiken kein Problem. Verkehrte Welt! Nur wenige hundert Meter weiter erreichen wir das Hotel Africa, wo zwei Stunden Zeit verbleiben, ehe es zum Abendessen ans Buffet des Hotelrestaurant geht. Im Anschluß genießen wir in unserem Zimmer im 22. Stockwerk die Aussicht auf das Zentrum der Stadt. Nach dem Essen wird Reiseleiter Sepp eine Geburtstagstorte aufgetischt, und wir stoßen mit tunesischem Wein auf seinen Festtag an. Bereits um 21:30 Uhr gehen wir zu Bett, da wir am Vortag recht wenig geschlafen haben.

 

2. Rundreisetag - Samstag 28.12.19


Heute geht's schon früh los. Wir verlassen Tunis mit dem Bus um 7:30 Uhr, nachdem wir ausführlich gefrühstückt haben, und fahren Richtung Süden in die ehemalige Hauptstadt und das religiöse Zentrum des Landes - nach Kairouan. Entlang der Strecke prägen Olivenhaine das Bild. Insgesamt zieren etwa 70 Millionen Olivenbäume das Land, welches einen Großteil des Bio-Olivenöls weltweit produziert. Auch Störche und deren Nester auf den Strommasten sind entlang der Autobahn auszumachen.
Nach zwei Stunden Fahrt erreichen wir den Stadtrand von Kairouan, wo wir die Wasserbassins der Aghlabiden vom Dach der Touristeninfo fotografieren können. Die beiden kreisrunden Wasserspeicher stammen aus dem Jahre 862 n.Chr., damals wurden sie durch ein Aquädukt aus den naheliegenden Bergen Cherichera gespeist. Sie haben einen Durchmesser von 37,4 m bzw. 128 m und konnten 62.800 m⊃3; Wasser aufnehmen. Das kleinere Becken diente zum Filtern des Wasser. Das große Becken wurde für die Trinkwasserversorgung der Stadt genutzt.
Danach fahren wir weiter zur sogenannten "Barbiermoschee".
In der Zaouia Sidi Sahib, dem Grab des Prophetengefährten, außerhalb der Stadtmauern liegt ein Mitstreiter des Propheten Mohammed begraben. Maurische und osmanische Architektur vereinen sich in der eindrucksvollen Anlage zu einer faszinierenden Symphonie. Hier wurde der Heilige Abū Zamʿa al-Balawī, ein Gefährte („sahab”) des Propheten Mohammed, bestattet, deshalb ist die herrliche Moschee auch als „Grab des Prophetengefährten” bekannt. Eine weitere Bezeichnung der Zaouia Sidi Sahib ist „Barbiermoschee“. Dieser Name wird jedoch nur in europäischen Reiseführern verwendet und rührt von der Legende her, dass Abū Zamʿa al-Balawī immer drei Barthaare des Propheten Mohammed bei sich getragen habe. Diese Barthaare werden in der Barbiermoschee übrigens als Reliquien hoch verehrt. Die Moschee ist von einer Mauer umgeben, deren Innenwände mit Mosaiken reich geschmückt sind. Die zahlreichen Muster und Ornamente der Wandfliesen sind im türkischen Stil gefertigt, schlanke Minarette und opulente Stuckarbeiten zieren Wände und Kuppeln der Barbiermoschee. Mit Arabesken verzierte Säulengänge führen in den quadratischen Innenhof. Durch ein mit rotem und weißem Marmor verziertes Portal gelangt man vom Innenhof über Kuppelhallen und Terrassen zum eigentlichen Grab des Prophetengefährten. Beim Schrein, der die Barthaare des Propheten Mohammed enhält, bitten die Pilger um die Erfüllung ihrer Wünsche und singen Loblieder auf Abu Zam’a.
Nach der Besichtigung des Mausoleums halten wir an der alten Stadtmauer Kairouans, von wo aus wir die Sidi Oqba Moschee besichtigen, die einzige Moschee des Landes, die für Touristen zugänglich ist. Die Hauptmoschee wurde bereits gegen 670 vom arabischen Eroberer Nordafrikas Uqba ibn Nāfi neben dem Lagerplatz des muslimischen Heeres gegründet und ist heute immer noch das Wahrzeichen der Stadt. Die wesentlichsten Erweiterungen fanden mit Rückgriff auf das antike Baumaterial der Ruinen von Karthago unter den Aghlabiden im 9. Jhdt. statt. Bereits damals wurde der Betsaal in seiner heutigen Form angelegt. Er besteht aus 17 Längsschiffen, 7 Nischen und einem Querschiff. Wobei das mittlere Längsschiff zum Mihrab führt. Unmittelbar neben dem Mihrab steht das im Original erhaltene Minbar, die elfstufige Kanzel der Moschee. Die Seitenwände sind in den Jahren 862 und 863 mit kunstvollen Schnitzereien aus importiertem Zedernholz in Kassettenform gestaltet worden. Trotz mehrfacher Umbauten ist der Kern der Hauptmoschee aus der Zeit der Aghlabiden in seiner ursprünglichen Form heute noch erhalten. Sidi Oqbas große Bedeutung innerhalb des Islam stützt sich auf den Volksglauben, dass 7 Besuche von Kairouan einer Pilgerfahrt nach Mekka gleichzusetzen seien.
Von hier starten wir den Spaziergang durch die Medina. Ein Fotomotiv folgt dem Nächsten.
Kairouan, “die Lagerstadt“, liegt auf nur 100 m und ist einst aus einer Karawanserei hervorgegangen. Die Stadt wurde um 670 von muslimischen Heerscharen mit religiösem Sendungsbewusstsein als erste arabische Stadt in Nordafrika gegründet.
Mitte des 10. Jhdt. blühte Kairouan mit mehr als 100.000 Einwohner auf. Bis zum 11. Jhdt. war Kairouan ein wichtiges Zentrum der islamischen Gelehrsamkeit im arabischen Nordafrika.
100 Jahre später wurde die Stadt von Beduinenstämmen im Auftrag der Fatimiden nahezu vollständig zerstört. Die bis dahin rege muslimische Gelehrtentätigkeit kam allmählich zum Erliegen.
Die Stadt zählt heute 120.000 Einwohner. Nach dem Arabischen Frühling in Tunesien 2011 hatte sich Kairouan zu einer Hochburg der Salafisten (eine ultrakonservative Strömung innerhalb des Islam, die eine geistige Rückbesinnung anstrebt) entwickelt.
Um 12 Uhr verlassen wir Kairouan und fahren in eine weitere alte Hauptstadt des Landes - die Hafenstadt Mahdia. Am Weg dorthin stoppen wir an einem Olivenhain und tauschen uns mit den Pflückern aus. Das letzte Stück in die Stadt Mahdia erhalten wir Polizeischutz in Form einer Eskorte.
Die Stadt wurde unter dem Kalifen Abdallah al-Mahdi als Hauptstadt des Fatimiden-Reichs im Jahr 921 gegründet. Aus dem Mittelalter sind noch einige Gebäude erhalten. Im Jahr 1390 wurde die Stadt Ziel eines Kreuzzugs. Mahdia war Basis muslimischer Korsaren und wurde von einem franko-genuesischen Kreuzfahrerheer erfolglos belagert.
Mahdia zählt heute über 50.000 Einwohner und hat einen bedeutenden Fischereihafen und Industrien zur Verarbeitung von Fisch.
In der Altstadt haben wir eine dreiviertel Stunde Mittagspause. Diese nutzen wir für einen orientalischen Kaffeehausbesuch. Der Cappuccino spielt alle Stückerl. Serviert mit zwei Kit Kat und zwei Keksen sowie einer festen Creme als Schlag. Süß aber sehr köstlich. Danach besuchen wir das Ottoman Fort, welches am Meer gelegen ist, allerdings für eine Besichtigung wenig attraktiv. Schließlich bleiben uns noch 45 Minuten zu einem Spaziergang im Fischerhafen und der Medina, ehe wir dem Meer entlang zum Hotel Iberostar Royal Masnour weiterfahren. Um 16:45 Uhr treffen wir dort ein. Nach einem Begrüßungsdrink beziehen wir das Zimmer mit Meerblick, wo wir gerade noch den stimmungsvollen Wolkenhimmel fotografisch festhalten können. Um 18:30 Uhr gibt's dann das Abendbuffet im Hotelrestaurant. Eine unglaubliche Auswahl und fantastische Qualität. So kommen wir nach einem gemütlichen Abend erst gegen 22:30 Uhr auf das Zimmer.

 

3. Rundreisetag - Sonntag 29.12.19


Nach einem köstlichen und umfangreichen Frühstück im Iberostar Hotel von Mahdia fahren wir um 8 Uhr Richtung El Djem. Während der einstündigen Fahrt regnet es, so dass wir das Programm umdrehen. Nun fahren wir zuerst zum Archäologischen Museum mit fantastischen Mosaiken. Wir kommen aus dem Staunen nicht heraus. Und siehe da, das Wetter schlägt zum Positiven um. Die Sonne durchbricht die Wolkendecke.
Schon aus der Entfernung sehen wir das Amphitheater auftauchen. Das beeindruckendste römische Bauwerk Nordafrikas präsentiert sich bei bewölktem und sehr kühlem Wetter.
Mit einem Fassungsvermögen von 35.000 Zuschauern war das Amphitheater von El Djem nach dem Kolosseum von Rom und jenem von Capua (Kampanien) das drittgrößte des Römischen Reiches. Es wurde 238 gebaut, jedoch nicht von den Römern, sondern von den reichen Einwohnern von El Djem. Die Römer selbst hatten ein Amphitheater für nur 2000 Personen errichtet, dessen Reste heute noch zu sehen sind.
Wahrscheinlich sollte das große Amphitheater dazu dienen Kämpfe von Gladiatoren, sowie öffentliche Hinrichtungen und Zirkusspiele abzuhalten, wozu es aber nie gekommen sein soll. Die Einwohner von El Djem nutzten die Stätte wohl stattdessen, um sich vor den römischen Steuereintreibern zu verbarrikadieren. Um genau das zu verhindern, rissen die Römer eine Seitenfront ab. Trotz der teilweisen Zerstörung durch die Nutzung als Steinbruch für die Errichtung El Djems ist das Amphitheater noch erstaunlich gut erhalten. Es wird angenommen, dass es bis zum 17. Jhdt. gänzlich unzerstört geblieben war.
Eine Stunde besichtigen wir das gut erhaltene Koloseum, ehe wir uns in einem Lokal direkt davor einen frisch gepressten Orangensaft gönnen.
Um 12 Uhr verlassen wir El Djem und begeben uns auf die Fahrt nach Sfax.
Die Stadt ist heute eine Hafen- und Industriestadt mit rund 270.000 Einwohnern. Seit der Gewinnung von Phosphat in den 1960er Jahren erlebte Sfax einen wirtschaftlichen Aufschwung.
90 Minuten später erreichen wir das Zentrum der Stadt. Gleich nach dem Eingang zur Medina treffen wir auf den Fischmarkt, wo Oktopus dominiert. Es folgt der Fleischmarkt, Gemüsemarkt sowie die kleinen Geschäfte mit Bekleidung. Das Gewusel ist gigantisch und die Medina frei von jeglichem Tourismus. Dementsprechend freundlich und offen sind die Händler uns gegenüber.
Gemäß dem traditionellen Aufbau einer Medina, thront die Große Moschee im Zentrum der Mitte des 9. Jhdt. errichteten Altstadt von Sfax, die zu den authentischsten Medinas Tunesiens zählt.
Durch ein Stadttor verlassen wir wieder die Medina und statten einem Kaffeehaus einen Besuch ab, wo wir zu Dritt zwei Kaffee und ein Cola für gesamt € 2,50 konsumieren.
Kurz vor 15 Uhr verlassen wir die interessante Stadt Sfax und fahren knapp 140 km zum Tagesziel nach Gabes. Langsam verlassen wir die feuchtere Region Nordtunesiens, wo die Olivenbäume dominieren und erreichen den trockeneren Süden, wo die Dattelpalmen diese ablösen. Auch heute begleitet uns die Polizei von der Stadtgrenze bis zum Hotel Oasis, welches wir um 17:10 Uhr erreichen. Für ein 4* Hotel hinterlässt es einen etwas schmuddeligen ersten Eindruck. Heute haben wir genug Zeit zum Entspannen. Erst um 19:30 Uhr wird für uns das Abendessen zubereitet. Nach dem Buffetessen wechseln wir die Location. An der Bar lädt Reiseleiter Sepp mit seiner Gitarre zu einem Gesangsabend ein. Erst um 23 Uhr kommen wir auf's Zimmer. Kein Problem! Der anstehende Reisetag beginnt auch etwas später.

 

4. Rundreisetag - Montag 30.12.19

Erst um 9 Uhr verlassen wir das Oasis Hotel in Gabes.
Gabes liegt mit ihren 120.000 Einwohnern an der Mittelmeerküste am Golf von Gabes.
Bereits die Phönizier hatten hier einen Handelsplatz errichtet. Unter den Römern wurde der Ort unter dem Namen Tacapae zur Colonia ernannt und gehörte zu Tripolitanien.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Stadt sehr stark zerstört, als es 1943 zu Kämpfen zwischen den Achsenmächten und den Alliierten kam. Gabes ist das Zentrum einer Küstenoase mit über 500.000 Dattelpalmen und Fruchtbaumkulturen wie z. B. Granatäpfeln.
10 Minuten später befinden wir uns bereits beim Gewürzmarkt der Stadt. 45 Minuten Rundgang im Innenhof mit kleinen Geschäften bei sehr frischer Temperatur.
Um 10 Uhr machen wir uns auf den Weg nach Matmata. Auf unserer Tunesien-Reise jene Stadt, die mit ca. 170 km am Nächsten zur libyschen Staatsgrenze liegt. Auf der 50 km langen Fahrt geht es die Hänge des Dahar-Gebirges bis auf 500 m Höhe. Nach einer Stunde besuchen wir eine Höhlenwohnung, wo uns eine Einheimische Brot mit Honig so wie Tee kocht. In der in den Stein gehauenen Wohnung ist es bei dieser Außentemperatur ausgesprochen warm. Hier bieten sich fantastische Fotomotive. 35 Minuten besichtigen wir die Berberwohnung.
Nach einem Fotostop beim Aussichtspunkt erreichen wir den Ort Matmata.
Der Berberort Matmata liegt mit seinen etwa 2.500 Einwohnern auf knapp 600 m im Norden des Djebel-Dahar-Berglandes und ist vor allem für die Höhlenwohnungen in der Region bekannt. Die mündliche Überlieferung berichtet, dass in römischer Epoche Stämme aus dem Osten in der Region Matmata angesiedelt wurden, vor denen sich die bereits ansässige Berberbevölkerung in Felsspalten und Gruben des Sandsteinhügellandes versteckte.
Aufständische Tunesier fanden hier während der Kolonialkriege Anfang des 20. Jhdt's. ebenfalls Unterschlupf. Und auch während des Zweiten Weltkriegs, als Gabes von deutschen Truppen besetzt war und beschossen wurde, nahmen die Berber Matmatas in ihren Höhlenwohnungen Flüchtlinge auf. 1959 begann die tunesische Regierung mit dem Bau von Nouvelle Matmata, doch viele Berber wollten ihre traditionellen Quartiere nicht aufgeben. 1967 kam es jedoch nach schweren Regenfällen, die 22 Tage andauerten, zum Zusammenbruch einiger der Bauten. Die Bewohner errichteten ihre gewohnten und dem Wüstenklima adäquaten Bauten neu, statteten sie wo möglich mit neuerer Technik aus. Etwa die Hälfte der ursprünglich 700 Wohnquartiere ist heute noch bewohnt. Insgesamt leben in der Region etwa 5.000 Menschen in Erdhäusern.
Wir halten beim Hotel Marhala, welches als Höhlenunterkunft fungiert, besichtigen dieses und Essen eine etwas schärfere Suppe sowie eine Teigtasche gefüllt mit Spiegelei und Kartoffel - Brik genannt. Beides ausgezeichnet!
Nach einer Stunde verabschieden wir uns von Matmata und fahren in das Berberdorf Tamezret nur 20 Minuten entfernt.
Tamezret wurde auf einem Hügel auf 460 m Höhe erbaut, der von einer Moschee und einem Café gekrönt wird. 500 Menschen leben permanent dort, diese Zahl kann im Sommer und in den Schulferien mit zehn multipliziert werden.
Hier besuchen wir das kleine Berbermuseum, welches von einer Privatperson geführt wird.
Ein paar hundert Meter abseits der Stadt machen wir eine Kaffeepause, wo wir die Berbersüßigkeit aus Nüssen ausprobieren, und anschließend auch in einer Box zum Mitnehmen kaufen. Eine köstliche Nachspeise mit dem dazugehörigen Cappuccino. Nun geht es endgültig in die Sahara. Durch die Halbwüste haben wir noch eine Fahrstrecke von 85 km zurück zu legen, ehe wir das Tagesziel in Douz erreichen, welches als Tor zur Sahara gilt.
Um 15:45 Uhr kommen wir im Hotel Sahara an, wo wir die verbleibende Zeit zum Packen für die nächsttägige Wüstentour nutzen. Körperpflege und sogar Lesen lässt sich in den drei Stunden bis 19 Uhr unterbringen. Abendessen gibt es wie die letzten Tage auch im Hotelrestaurant. Das Buffet ist nicht nur umfangreich sondern qualitativ auch sehr gut.

 

5. Rundreisetag - Dienstag 31.12.19


Nach einer durchwachsenen Nacht, in der meine Verkühlung von zu Hause wieder aufgefrischt hat, beginnt der letzte Tag des Jahres erst um 10 Uhr.
Wir fahren vom Hotel Sahara nur wenige Minuten in die Stadt Douz. Wir bleiben bei sehr schönem aber nach wie vor kühlem Wetter im Souk der Stadt, trinken gemütlich einen Kaffee und beobachten die Einheimischen.
Um 13 Uhr werden wir von sechs Toyota Landcruiser abgeholt, mit denen wir zirka 105 km von Douz in die Sahara zum Camp Mars transferiert werden.
Die Sahara ist mit über neun Millionen Quadratkilometern die größte Trockenwüste der Erde. Das entspricht knapp der Fläche der gesamten USA. Sie erstreckt sich von der afrikanischen Atlantikküste bis zur Küste des Roten Meeres und bildet annähernd ein Trapez von 4500 - 5500 km in westöstlicher und 1500 - 2000 km in nordsüdlicher Ausdehnung.
Nach einer Strecke auf Asphalt geht es schließlich immer tiefer in die größte Trockenwüste der Welt. Der letzte Streckenabschnitt zum Camp zeigt die Wüste von der schönsten Art - den Sanddünen - die lediglich 8 % der Wüste einnehmen. Hier bleiben dann auch einige Geländefahrzeuge stecken. So dauert die Anreise drei Stunden. Als wir im Camp ankommen bläst der Wind recht ordentlich. So ziehen wir uns schon bald in unser Zelt zurück, welches sogar eine chemische Toilette besitzt. Um 18 Uhr versammeln wir uns rund ums Lagerfeuer, wo Sepp bereits eifrig mit Gitarre und Gesang für gute Stimmung sorgt. Um 20 Uhr, nachdem die Temperatur immer mehr sinkt, verschwinden wir im großen Zelt, wo wir das Silvester-Gala-Menü serviert bekommen. Dieses besteht aus mehreren Gängen, beginnend mit gefüllten Teighäppchen, Suppe, Rindfleisch mit Kartoffeln und Gemüse, Wachtel mit Gemüse, Süßspeise sowie Datteln und Mandarinen. Dazu spielt eine Gruppe Schwarzafrikaner auf Trommeln mit Begleitgesang. Zusätzlich legt ein DJ etwas zu laute Musik auf. Nachdem die Reisegruppe vier Flaschen Sekt verdrückt, verlassen wir noch vor Jahreswechsel die Feierlichkeit. Wir ziehen uns ins eisige Zelt zurück. Mit kompletter Bekleidung, Haube und Handschuhe versuchen wir unter einer dicken Tuchent zu schlafen. Doch nicht nur die Kälte bereitet uns eine schlaflose Silvesternacht, die wir nicht so schnell vergessen werden, sondern auch mein mittlerweile starker Husten. Die Nachttemperatur im Zelt beträgt lediglich 6 Grad, während es im Freien unter den Gefrierpunkt abkühlt, wie wir am nächsten Morgen feststellen werden.

 

6. Rundreisetag - Mittwoch 1.1.20


Bereits um 6:30 Uhr müssen wir aufstehen. Die Meisten von uns sind nach der durchfrohrenen Nacht im Zelt nicht traurig. Das Frühstück im Hauptzelt des Camps fällt erwartungsgemäß spärlich aus. Kurz nachdem wir um 7:30 Uhr das Camp Mars mit den Geländefahrzeugen verlassen, schickt sich auch die Sonne an den Jahresbeginn zu versüßen. Dies ergibt gleich zu Beginn wundervolle Fotomotive, teils mit Raureif auf den Sanddünen. Leider streikt gerade hier das Zoom meiner Kamera. Die Rückfahrt nach Douz verläuft ohne steckengebliebener Fahrzeuge, so dass wir eine halbe Stunde eher um 10 Uhr beim Hotel Sahara einlangen. Hier bleibt eine Viertelstunde zum frisch machen, ehe wir auch schon wieder die nächste Etappe mit dem Bus in Angriff nehmen. Erstes Ziel ist die Stadt Tozeur. Den ersten Teil der Strecke begleiten uns Oasen mit unzähligen Dattelpalmen, die Wirtschaftsgrundlage der Region sind. Ein wunderschönes Bild. Nach dem Städtchen Kebili beginnt langsam die Salzwüste Chott el Jerid, die riesige Ausmaße einnimmt. Wir queren diese mit dem Bus auf einer sehr gut ausgebauten Straße. Bei einem Fotostop können wir den hohen Salzgehalt feststellen.
Um 12:30 Uhr erreichen wir Tozeur im Norden des Chott el Jerid gelegen.
Tozeur, das römische Tusuros, zählt heute gut 35.000 Einwohner und bildet das Zentrum der Region “Land der Dattelpalmen“. In römischer Zeit bildete die Stadt einen Teil des Limes Sahariensis und fungierte als wichtiger Handelsplatz für Datteln und Sklaven. Eine Besonderheit von Tozeur ist die Lehmziegelarchitektur, die für diese Gegend Tunesiens charakteristisch ist. Wir unternehmen in der interessanten Medina mit seinen verzierten Ziegelsteinbauwerken einen fast einstündigen Spaziergang mit unzähligen Fotomotiven. Im Anschluss warten bereits die Geländefahrzeuge für den Ausflug in den Atlas zu den Bergoasen der Region. Nach 20 km stoppt die PKW-Karawane plötzlich unerwartet. Eine ältere Mitreisende, die schon seit Tagen gesundheitliche Probleme hat und im Hotel zurückgeblieben ist, musste angeblich ins Krankenhaus gebracht werden. Sepp muss sofort zurück in die Stadt. Für uns geht die Fahrt bis zur Bergoase von Chebika weiter. Als wir dort die Fahrzeuge verlassen die schockierende Nachricht. Ingrid, die 80-jährige Mitreisende, ist vermutlich an einem Herzinfarkt verstorben. Wir sind fassungslos und können die fantastische Landschaft der Oasenumgebung verständlicherweise nicht genießen. Glücklicherweise hält der Fotoapparat alles fest. Quellen speisen einen kleinen Bach, der über kleine Wasserfälle durch schmale Schluchten fließt. Das Wasser ermöglicht den Anbau von Palmen. Das üppige Grün zwischen außergewöhnlichen Gesteinsformationen sorgt für spektakuläre Ausblicke.
Nach 35 Minuten machen wir uns durch die kurvige Berglandschaft zum "Großen Wasserfall" auf. Dieser erweist sich als eher kleiner Rinnsal inmitten der Bergwelt. Nebenbei gönnen wir uns ein gefülltes Fladenbrot, das ein wenig scharf anmutet. Sehr lecker!
Von hier fahren wir eine Stunde retour, wobei wir vor Tozeur nach Nefta abzweigen. Wir halten beim Aussichtspunkt oberhalb der Oase La Corbeille, von wo aus man einen wunderbaren Blick auf die Umgebung genießt.
Nach kurzem Aufenthalt fahren wir zurück nach Tozeur. Zum Abschluss des langen und sehr schwierigen Reisetages besichtigen wir hier das Museum Dar Cherait, welches uns Einblick in die Welt der Sufis gewährt.
Nur unweit davon befindet sich das Hotel Ksar Rouge. Beim Abendessen um 19 Uhr erfahren wir vom Reiseleiter mehr über den tragischen Tod unserer Reisekollegin. Von der Polizei aus wird uns vorläufig die Weiterreise verweigert. Aus diesem Grund wird die Abfahrt für Morgen auf 8:30 Uhr nach Hinten verlegt. Hoffen wir das Beste nach diesem schwierigen Jahresstart.

 

7. Rundreisetag - Donnerstag 2.1.20


Kurz nach 8:30 Uhr verlassen wir das Hotel in Tozeur. Sepp und Otman lassen wir bei der Polizeistation zurück, um die rechtlichen Belange bezüglich unserer verstorbenen Ingrid zu klären.
Wir nutzen die Freizeit in Tozeur, um nochmals in die Medina zu gehen. Auch ein schneller Espresso geht sich am Rückweg zum Bus aus.
Um 9:45 Uhr sind die beiden Reiseleiter zurück von der Polizei, und wir dürfen Richtung Sbeitla weiter fahren. Nach einem Kaffeestop erreichen wir erst um 13:45 Uhr Sbeitla. Hier speisen wir hervorragend gefüllte Pizzateigtaschen, ehe es zu den angrenzenden römischen Ausgrabungsstätten von Sufetula geht. 75 Minuten besichtigen wir die interessante und teils gut erhaltene historische Stätte.
Erst gegen 16 Uhr verlassen wir Sbeitla und fahren die lange Strecke nach Port El Kantaoui bei Sousse ans Mittelmeer.
Um 19 Uhr erreichen wir das 5* Strandhotel Concorde Green Park Palace, wo es gleich nach Ankunft zum Abendessen gibt. Ein fantastisches Buffetessen mit riesiger Auswahl. Nach der leckeren Mahlzeit verbringen wir noch einen lustigen Abend an der Hotelbar. So wird es schließlich 23 Uhr ehe wir auf das Zimmer kommen. Doch der morgige Reisetag zählt ohnehin zur erholsamen Kategorie.

 

8. Rundreisetag - Freitag 3.1.20


Eigentlich wäre der heutige Reisetag als Erholungstag im Badehotel Concorde Green Park Palace von Port El Kantaoui geplant gewesen. Durch die Verzögerung durch den Todesfall zwei Tage zuvor, haben wir jedoch das Programm etwas verändern müssen. So nutzen wir den Tag für die Besichtigung der Küstenstädte Monastir und Sousse.
Um 11 Uhr starten wir den Ausflug in den Süden. Knapp eine Stunde später sind wir am Ziel angelangt.
Monastir liegt mit seinen 73.000 Einwohnern am Golf von Hammamet. Die Stadt gehört neben Kairouan und Sousse zu den ersten in Ifrīqiya gegründeten arabischen Siedlungen und wurde auf den Ruinen der alten phönizisch-römischen Stadt Ruspina erbaut.
In Monastir besichtigen wir zuerst die Festung. Der Ribat wurde von einem Abbasiden-Kalifen Ende des 8 Jhdt. als Schutz gegen Angriffe der byzantinischen Flotten am Mittelmeer errichtet und galt mit dem Ribat von Sousse als die bedeutendste Festung entlang der tunesischen Küste. Die Festung galt unter den Kämpfern und Asketen gleichermaßen als eine Art Wallfahrts- und Meditationsort zu religiösen Anlässen, wie dem Aschura-Fest und im Fastenmonat Ramadan.
Vom Turm der Anlage genießen wir bei tollem Wetter den Rundumblick auf die Stadt und seine Sehenswürdigkeiten.
Zweiter Besichtigungspunkt ist das gewaltige Mausoleum des ehemaligen Staatspräsidenten Habib Bourguiba, des Vaters der tunesischen Unabhängigkeit, der am 6. April 2000 verstarb.
Das Mausoleum wurde 1963 zu Lebzeiten von Bourguiba im modernen arabisch-muslimischen Stil erbaut. Es befindet sich im westlichen Teil des Friedhofs von Sidi El Mézeri, der Hauptbestattungsstätte der Stadt. Das Gebäude wird von zwei 25 Meter hohen Minaretten flankiert und von einer goldenen Kuppel zwischen zwei grünen Kuppeln gekrönt. Neben dem ehemaligen Präsidenten und seiner ersten Frau beherbergt das Mausoleum die Leichen seiner Eltern, seiner Geschwister und anderer Familienmitglieder in zwei weiteren Hallen. Im Inneren des Mausoleums befindet sich ein kleines Museum, in dem einige persönliche Gegenstände von Präsident Bourguiba aufbewahrt werden. Ein imposantes Gebäude eines ansonsten genügsamen Präsidenten.
Nach 75 Minuten verlassen wir die sehr schöne Hafenstadt Monastir und begeben uns retour nach Sousse.
Sousse ist eine Hafenstadt am Golf von Hammamet und mit über 500.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt in Tunesien. Der Name ist berberischen Ursprungs. Die Stadt wurde bereits im 9. Jhdt. v. Chr. von den Phöniziern als Handelsstützpunkt mit dem Namen Hadrumetum gegründet und ist seitdem durchgehend besiedelt. Im 3. Punischen Krieg entging die antike Stadt der Zerstörung durch die Römer, weil es sich rechtzeitig von Karthago losgesagt hatte. Unter römischer Herrschaft erlebte Sousse bis ins 3. Jhdt. n. Chr. eine wahre wirtschaftliche Blütezeit. Im 5. Jhdt. folgte die Herrschaft der Vandalen und die Umbenennung in “Hunerikopolis“ (nach König Hunerich). Nach der byzantinischen Rückeroberung im 6. Jhdt. wurde die Stadt in “Justinianopolis“ (nach Kaiser Justinian I.) umbenannt. Im 7. Jhdt. erfolgte schließlich die arabische Eroberung durch Uqba ibn Nāfi. Um 800 wurde sie von den Aghlabiden unter “Sūsa“ neu gegründet und erlebte einen raschen Aufstieg als Hafen von Kairouan und Ausgangsbasis für die arabische Eroberung Siziliens. Im 12. Jhdt. wurde Sousse von den Normannen besetzt, ehe es den Osmanen gelang, sich die Macht an der afrikanischen Mittelmeerküste zu sichern. Die Medina von Sousse geht auf das 9. Jhdt. zurück und wird von einer 2,25 km langen Stadtmauer umgeben. Sie gehört seit 1988 zum Weltkulturerbe der UNESCO.
Hier unternehmen wir einen kurzen Spaziergang, ehe wir uns in einem Restaurant auf der Dachterasse eines Einkaufszentrums einen Eiskaffee und eine heiße Schokolade gönnen.
Um 15 Uhr fahren wir retour zum Hotel nach Port El Kantanoui. Ich spaziere gemeinsam mit einer Mitreisenden den Strand entlang zum Hard Rock Cafe. Das obligatorische Schnapsglas muss erworben werden. Zusätzlich genehmigen wir uns einen Drink an der Bar. Gegen 17:30 Uhr erreichen wir wieder das Hotel Concorde Green Park Palace. Nach einem heißen Bad geht es um 18:30 Uhr zum Abendessen, auf das wir uns bereits sehr freuen. So wie am Vortag ist die Speisenauswahl hervorragend. Nach dem Abendessen gehen wir wieder an die Bar und leisten uns noch einen Schlummertrunk.

 

9. Rundreisetag - Samstag 4.1.20


Der Samstag Morgen beginnt um 8 Uhr mit der Fahrt mit Geländefahrzeugen von Port El Kantaoui in das Berberdorf Takrouna. Knapp eine Stunde dauert die Fahrt. Das letzte, kurze Stück ist ein steiler Anstieg auf ca. 200 Höhenmeter. Das Örtchen wirkt auf den ersten Blick verlassen, obwohl hier durchaus Menschen leben. Nach einigen Fotos gönnen wir uns einen Kaffee in einem sehr netten Lokal am höchsten Punkt des Ortes. Leider hat sich das Wetter wieder verschlechtert. Eine dichte Wolkendecke dominiert und eine kühle Briese trägt ihres dazu bei, dass wir nochmals Frösteln.
Nach einer Stunde Busfahrt erreichen wir die Kleinstadt Zaghouan mit etwa 16.000 Einwohner. Hier unternehmen wir einen Stadtspaziergang mit unzähligen Fotomotiven. Danach besichtigen wir den Neptuntempel, die Wasserquelle von Karthago. Die Stadt mit Namen Ziqua war im Altertum Ausgangspunkt eines vom römischen Kaiser Hadrian errichteten Aquädukts, durch den das mehr als 60 km entfernte Karthago mit Wasser versorgt wurde. Die Quelle wurde in römischer Zeit in einem noch teilweise erhaltenen Quellheiligtum gefasst, welches von zahlreichen Statuen geschmückt war, die sich heute im Bardo-Museum von Tunis befinden.
Um Punkt 12 Uhr verlassen wir Zaghouan in Richtung Tunis. Am Weg dorthin bestaunen und fotografieren wir Teile des alten römischen Aquäduktes.
Bereits um 13:30 Uhr treffen wir im Hotel Africa im Zentrum von Tunis ein. Leider sind die Zimmer noch nicht bezugsfertig, so dass wir uns an der Hotelbar einen Kaffee gönnen. Um 14:20 Uhr erhalten wir die Freigabe des Zimmers.
Für 15 Uhr haben wir mit Freundin Irene vereinbart in die Altstadt zu spazieren. Nach einiger Zeit verzetteln wir uns in den schmalen Gässchen der Medina, und gelangen so in die entlegendsten Winkel. Sehr interessant! Ein kleiner Imbis am Hühner-Fast Food-Lokal darf natürlich nicht fehlen, bevor wir um 17:30 Uhr zurück ins Hotel Africa gelangen.
Während wir sich für das Abendessen frisch machen klopft es überraschend an der Zimmertüre. Reiseleiter Otman und unser Busfahrer überreichen uns zwei Flaschen hochwertiges, tunesisches Olivenöl als Present der Reiseagentur.
Um 19 Uhr gehen wir zum abschließenden Abendessen ins Buffetrestaurant des Hotels. Zwei Stunden später kehren wir zurück auf's Zimmer, da wir am darauffolgenden Tag früh Morgens zum Flughafen aufbrechen müssen.

 

ABREISETAG, Sonntag 5.1.2020


Um 5 Uhr läutet der Wecker unerbärmlich. Viel Zeit bis zur Abfahrt zum Flughafen bleibt nicht.
Um 5:30 Uhr wird für unsere Gruppe das Frühstück extra früher eröffnet. Und siehe da: Alles ist bereits frühzeitig vorhanden. Der Appetit hält sich am frühen Morgen jedoch in Grenzen.
Bei der Busfahrt zum Flughafen Tunis erfahren wir vom tunesischen Reiseleiter Otman die zurückgelegten Kilometer. Zirka 2200 km verbrachten wir an den neun Reisetagen in Bus oder Geländefahrzeugen.
Um 6:30 Uhr erreichen wir das Flughafenareal. Nun beginnt ein Spießroutenlauf. Wir warten, so wie viele hundert andere Reisende, eine gefühlte Ewigkeit bei den Check-In-Schaltern, da das Bodenpersonal um diese Zeit scheinbar noch schläft. Danach geht es in einer Mega-Schlange zur Paßkontrolle und anschließend auch noch durch die Sicherheitskontrolle. Einen Vorteil hat die Verspätung dann doch. Wir steigen sofort in die Busse, welche uns zum Flugzeug bringen.
Mit 90 Minuten Verspätung starten wir um 10 Uhr mit einem Airbus A-320 von Tunisair in Richtung Heimat. Das Flugzeug ist genau so verdreckt wie beim Hinflug. Allerdings bekommen wir bereits nach 15 Flugminuten das Frühstück serviert. Und das ist diesmal ausgesprochen süß. Kipferl, Weckerl, Marmelade und Joghurt.
Um 12:20 Uhr setzen wir mit 90 Minuten Verspätung wohlbehalten am Flughafen Wien/Schwechat auf.
Bereits um 13:30 Uhr haben wir einen direkten Zug nach Wr. Neustadt, der um 14:30 Uhr am Bahnhof ankommt. Dort werden wir verlässlich wie immer von Freundin Monika abgeholt und bis vor die Haustüre gebracht.

 

RESÜMEE ZUR REISE


Unsere Reisegruppe bestand bei der Abreise aus Wien aus 23 Teilnehmern. Leider sind wir nicht vollzählig Heim gekehrt. Wie im Tagesbericht vom 1.1.2020 bereits erwähnt, ist unsere Reisekollegin Ingrid während der Reise an einem Herzinfarkt verstorben. Der erste Todesfall in 16 Jahren Gruppenreisen.
Mit Sepp Kaiser - unserem Reiseleiter mit Weltenbummler-Qualität - waren wir bereits in Peru unterwegs. Durch seine langjährige Erfahrung als Reiseleiter, seinen Humor, seine Gabe aus Individualisten eine Gruppe zu formen und nicht zuletzt durch sein Wissen über die Reisedestination trägt er das seine zum Erfolg der Reise bei. Zusätzlich hatten wir mit dem tunesischen Reiseleiter Otman eine kompetente und umtriebige Ergänzung zu Sepp.
Witterungstechnisch erwischten wir es weniger gut. Zwar blieb uns bis auf paar Tropfen der Regen erspart, jedoch waren die Temperaturen im Durchschnitt wesentlich niedriger als üblich zu dieser Jahreszeit. In der Sahara, wo die Temperatur in der Nacht unter Null Grad viel, waren wir darauf vorbereitet. Dass im Rest des Landes Werte im Bereich von 10-15 Grad mit teils eisigem Wind vorherrschten, entsprach nicht unseren Erwartungen.
Enttäuschend war die Fluglinie Tunisair. Mittlerweile haben wir über 170 Flüge absolviert, aber derart verschmutzte Flugzeuge sind uns noch nie begegnet.
Das Reiseland Tunesien präsentierte sich von seiner schönsten Seite. Oft als reine Badedestination in Europa bekannt, hat der Maghrebstaat in Nordafrika weit mehr zu bieten. Eine wechselhafte Geschichte mit diversen Kolonialherren hat das für afrikanische Verhältnisse kleine und dünn besiedelte Land geprägt. Erst seit 1956 existiert Tunesien als unabhängiger Staat, welcher unmittelbar davor französisches Protektorat war. Auch heute noch ist der Einfluss auf Wirtschaft und Finanzen vom ehemaligen Kolonialherren dominant. Bautechnisch haben jedoch die Römer einen bleibenden Eindruck hinterlassen.
Zu den Höhepunkten einer Tunesien-Rundreise zählt mit Sicherheit das Römische Amphitheater in El Djem, welches eine kleinere Ausgabe des Kolosseum von Rom darstellt. Tunis als Hauptstadt der jungen Nation hat vorallem in seinem Umland eine Menge an Attraktionen. So konnten wir Einblick in das historische Karthago gewinnen, dessen Bausubstanz allerdings die nachfolgenden Kolonialisten nicht überlebt hat. Mit Sidi Bou Said existiert ein Künstlerdorf am Mittelmeer, welches durch seine weißen Häuser mit meist blauen Türen und Balkonen eine Ähnlichkeit zu Griechenland herstellt. Das Bardo-Museum, welches durch seine gewaltige Mosaiksammlung aus dem ganzen Land glänzt, kann mit westlichen Museen durchaus konkurrieren.
Ein absoluter Höhepunkt ist ein Besuch in der Sahara. Das Farbenspiel der Sanddünen je nach Sonnenstand weiß zu beeindrucken. Die Übernachtung am Silvester inmitten der Dünen im Zeltcamp Mars wird wohl auf Ewig in Erinnerung bleiben. Positiv überrascht waren wir von der Hafenstadt Monastir. Mit der Festung Ribat und dem Mausoleum des ersten Präsidenten von Tunesien, Habib Bourguiba, konnte die Stadt begeistern.
Nach dem sogenannten "Arabischen Frühling", der in Tunesien seinen Ausgang nahm, und dem anschließenden Terrorismus-Problem durch muslimische Extremistengruppen, welches im Anschlag von 2015 auf das Bardo-Museum seinen traurigen Höhepunkt fand, versucht das Land wieder Vertrauen bei den Touristen aufzubauen. Durch außergewöhnliche Gastfreundschaft bemerkt man dies am Deutlichsten. Natürlich sind auch die Sicherheitsvorkehrungen deutlich zu erkennen. Zwei Mal wurden wir von der Stadtgrenze mit Polizeieskorte zum Hotel gebracht. In sämtlichen Hotels wird man selbst und das Gepäck beim Betreten gescannt.

Wir können Tunesien als Reiseland nur weiterempfehlen. Freundliche Menschen, jede Menge zu besichtigen und wer zur richtigen Jahreszeit reist hat jede Menge Bademöglichkeiten.

 


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